Freiheit, ja, Pflichten, nein: Dass Jugendliche nicht erwachsen werden wollen, ist normal. Das kann jedoch schnell zum Problem werden.

Als wir klein waren, sehnten wir uns nach dem Tag, an dem wir endlich alt genug sein würden, um so lange aufzubleiben, wie wir wollen. Später als Teenager fiebern wir auf unseren 18. Geburtstag hin. Den Tag, an dem sich alles ändern wird, an dem wir endlich erwachsen und alt genug sind, um alles zu machen, was wir wollen. Doch ist es wirklich so, wie wir es uns immer erträumt haben?

Jetzt stehe ich hier, Schulabschluss in der Tasche, und fühle mich trotzdem irgendwie wie ins kalte Wasser geworfen. Natürlich möchte ich von zu Hause ausziehen, studieren und meine Selbstständigkeit genießen. Aber trotzdem spüre ich diese innere Angst. Dieses Gefühl, nicht bereit zu sein und zu versagen.

Viele Jugendliche fühlen sich unter Druck gesetzt

Doch damit bin ich nicht allein, denn vielen anderen geht es genauso wie mir. Das konnte ich vor allem bei meinen ehemaligen Mitschülern beobachten. Auch sie fühlen sich unter Druck gesetzt und würden am liebsten zurück in die unbeschwerte Kindheit flüchten.

Das kann daran liegen, dass wir uns alles immer so schön ausmalen. Statt an Steuererklärung, Rechnungen und Verantwortung denken wir an Partys, Autofahren und die erste eigene Wohnung. Wir erträumen uns eine Scheinwelt. Doch das wahre Leben ist, so hart es auch klingen mag, oft auch bitterer Ernst. Sollten die Ängste davor so groß werden, dass sie einen Menschen enorm einschränken, so sollte dieser auf psychologische Hilfe zurückgreifen.

Die Angst vor dem Erwachsenwerden kann krank machen

Frank Zimmermann-Viehoff, ärztlicher Leiter des Bereichs Psychosomatische Medizin und Psychotherapie am Klinikum Ernst von Bergmann in Potsdam, beschäftigt sich schon seit einiger Zeit mit dem sogenannten „Peter-Pan-Syndrom“, der Angst vorm Erwachsenwerden. Dabei handelt es sich laut dem Arzt nicht um eine offizielle Krankheit, eher um einen Gefühlsstatus, welcher unter anderem durch die Weigerung, Verantwortung zu übernehmen sowie flüchtige und unbefriedigende Beziehungen gekennzeichnet ist. Depressionen oder Suchterkrankungen können die Folge sein.

Eine Ursache, so sagt er, kann dabei auch die Familiensituation sein. „Durch unkritische Bewunderung der Eltern, also Loben ohne wirklichen Grund, bei gleichzeitiger emotionaler Abwesenheit, kann es beim Betroffenen zu Identitätsunsicherheit und Selbstzweifel kommen“, erklärt Zimmermann-Viehoff. „Wenn sie als Erwachsene auf Grenzen und Kritik stoßen, welche sie nicht gewohnt sind, kompensieren sie diese durch kindliche Verhaltensweisen.“

Wir müssen lernen, mit Kritik umzugehen

So komme es, dass diese Personen häufig ihren Job wechselten oder Zielen doch nicht nachgingen, sobald sie auf eine größere Hürde stoßen. Außerdem besäßen die Betroffenen meist keine gute Frustrationstoleranz und reagierten sehr sensibel auf Kritik. „So kann es schnell zu Depressionen und anderen psychischen Störungen kommen“, berichtet der Arzt und Psychotherapeut. Wie häufig das Syndrom ist, lasse sich nicht verlässlich sagen. Es stehe jedoch fest, dass sowohl Männer als auch Frauen betroffen sein können.

Es ist also offensichtlich, dass wir früh genug lernen sollten, mit Hindernissen und Kritik umzugehen und uns damit anzufreunden, dass nicht immer alles Friede, Freude, Eierkuchen sein wird.

Titelbild: Picture Alliance