Voll und heiß: Klingt nach Disco, ist aber unsere Erde!

Ein Plakat mit schmelzender Erde auf einer Demo
Nicht nur das Eis auf der Waffel schmilzt.
Werden die Generationen nach uns die Erde noch so vielfältig erleben wie wir? Rekordsommer lassen anderes vermuten: Die Klimakrise ist da!
Von Jannik Schilling, Klasse 9b, Emil-von-Behring Gymnasium, Großhansdorf

Das Thermometer steigt. Und es ist heiß. Unfassbar heiß. Ich wische mir mit dem Ärmel meines weißen T-Shirts eine Schweißperle von der Stirn. Ich höre das leise Geräusch eines summenden Radios in der Ferne. Ich will gerade aufstehen, um mir ein Eis zu holen, als ich aus dem Radio höre: „Und nun zum Wetter: Es werden heute wieder 25 Grad an der Nordsee.”

Die Sonne brennt. 25 Grad! Anfang April! Sind das noch normale Wetterverhältnisse oder ist das schon der menschengemachte Klimawandel? Ich sinke nachdenklich in meinem Stuhl zusammen. Ich möchte mich gerade nach vorne beugen, um nach dem weißen Block zu greifen, der vor mir auf dem Tisch liegt, da zieht auf dem Weg in Richtung Tisch eine heiße Windböe an mir vorbei, die mich genervt wieder zurücksinken lässt.

Die Sonne lacht. 2018 gab es in Deutschland 20,5 Hitzetage. Das sind nur Tage, an denen Temperaturen von mindestens 25 Grad erreicht werden. Und davon gab es 2018 so viele, wie zuletzt 1881. Und 2019 könnten es wohl noch mehr werden.

Das Eis schmilzt nicht nur auf der Waffel

Die Sonne scheint. Ich esse genüsslich eine Kugel Vanilleeis auf heißer Schokolade. Ich nehme mir eine Portion und stecke den Löffel in den Mund. Das Eis zergeht mir auf der Zunge. Neben der Schokolade liegt noch eine frische Waffel. Ich stehe auf, um etwas Puderzucker zur Versüßung zu holen. Als ich wiederkomme, ist das Vanilleeis geschmolzen! Und nicht nur das, meine voller Liebe erstellte Waffel ist von dem geschmolzenen Vanilleeis völlig durchnässt und aufgequollen. So ein Mist!

Das Eis schmilzt. Es ist heute nicht hundert Grad warm. Aber das Eis schmilzt nicht nur auf meinem Teller, sondern auch auf den Weltmeeren. Und dann überschwemmt es die Waffel beziehungsweise das bewohnte Land. Und das macht wiederum die Waffel ungenießbar und das Land unbewohnbar.

leere Bank im Sonnenuntergang
So friedlich sieht die Welt dank Klimawandel bald vielleicht nicht mehr aus. (c) Jannik Schilling

Der Meeresspiegel steigt. Das vor Schweiß feuchte Mobiltelefon rutscht mir aus der Hand und fällt auf den Boden. „Ringgggg-Rinnnggggg“ macht mein Handy. Es vibriert immer noch, als ich es wieder in die Hand nehme. Dieses Mal darauf bedacht, dass es mir nicht aus der Hand fällt. Ich schaue auf das Display: Tante Andrea aus Thailand: „Jannik, es war ja schon immer warm hier, aber dieses Jahr ist es wirklich unerträglich! Als ich vor zehn Jahren das letzte Mal hier war, gab es hier noch einen riesigen Strand. Aber jetzt ist hier nur noch ein kleiner Streifen.“

Die Flächen verschwinden. Endlich hat meine Tante aufgelegt. Nach einer halben Stunde intensiver Diskussion öffne ich die Abendblatt-App. Ich sehe den Bericht über einen indischen Bauern: „Der Klimawandel hat mein Leben zerstört. Mein Haus wurde überschwemmt. Das Meer hat mein Feld gefressen.“

Wieviele Generationen werden die Erde so noch erleben?

So ein Wetter beängstigt. Klimawandel steht nicht für sonniges Sommerwetter. Klimawandel steht für Extremwetter. Klimawandel steht für Überschwemmungen und für Naturkatastrophen.

Der Wind bläst. Einige Stunden später stehe ich hunderte Kilometer weiter am Meer auf einem grünen Deich. Neben mir stehen große Schafe, aber auch ganz kleine. Der Schäfer geht um und die Schafe werden geschoren. Die Locken der Schafe wehen im Wind. Meine Jacke weht im Wind.

Die Sonne verschwindet. Dieses Mal ist es ein wunderschöner Sonnenuntergang. Aber wie lange noch? Am rot-glühenden Horizont sehe ich ein Kreuzfahrtschiff durch das Licht des untergehenden Feuerballs fahren. Die Sonne scheint noch lange, aber wie viel erleben wir Menschen davon noch? Sind es Jahre, Jahrzehnte oder Jahrtausende? Das können wir noch nicht sagen.

Die Zukunft kommt. Auch wenn die Situation aktuell aussichtslos erscheint, gibt es noch Hoffnung. Ein schnelles Eingreifen der Politik, eine Veränderung im Lifestyles eines jeden und das sofortige öffentliche Umdenken können die Zukunft noch retten. Nur dann werden wir, unsere Kinder, und alle folgenden Generationen den Sonnenuntergang und die Schönheit unseres blauen Planeten weiter genießen können.

Beitragsbild: Harrison Moore via Unsplash

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Von Reinickendorf bis Bochum, von Fulda bis Ottensen – überall schreiben Schülerinnen und Schüler Artikel über das, was um sie herum passiert. Jeder und jede aus ihrer eigenen Sichtweise, mit eigener Meinung und eigenem Schwerpunkt. Bei all den Unterschieden eint sie, dass sie mit ihrer Klasse an MEDIACAMPUS teilnehmen, dem medienpädagogischen Projekt der Funke Mediengruppe. Das erlernte Wissen wenden sie dann praktisch an, indem sie erste journalistische Texte schreiben. Auf funky können sie die Früchte ihrer Arbeit präsentieren.