Die Newcomer-Plattform TikTok sorgt schon seit längerem für Aufsehen in der Internet Community. Doch wird der Hype bestehen bleiben?
Von Moritz von Blittersdorff
In vielen asiatischen Ländern ist TikTok die meistheruntergeladene App und hat mehr aktive Nutzer als Instagram, Twitter & Co. Weltweit sind es laut Angaben des Entwicklers ByteDance mehr als 500 Millionen pro Monat. Auch bei uns ist die Kurzvideo-Plattform wahnsinnig beliebt: Mehr als vier Millionen Menschen sollen sie hierzulande mittlerweile monatlich nutzen.
TikTok wurde bei uns erst so richtig bekannt, nachdem ByteDance die Konkurrenz-App Musical.ly gekauft hat, mit der User*innen kurze Lipsync-Videos aufnehmen und teilen konnten: Sie bewegten ihre Lippen zu Playback-Liedern, die meisten performten dabei noch zum Song. Beide Dienste verschmolzen im August 2018 zu einer Plattform, deren Name TikTok erhalten blieb und die kurze nutzergenerierte Videos aller Art bündelt.
Um in Deutschland und Europa noch mehr Nutzer zu bekommen, kooperiert die Plattform seit Kurzem auch mit dem BVB. Die Anhänger des Fußballvereins können bei TikTok jetzt exklusive Videos ihrer Lieblingsspieler finden und werden wohl auch im Stadion Werbung für die App zu sehen bekommen. Der HSV und der FC Bayern haben auch schon einen Kanal eröffnet. TikTok nimmt also erst richtig Fahrt auf.
Doch vor gut einem Monat verlor TikTok seinen weltweit am häufigsten abonnierten Kanal: Die Stuttgarter Zwillinge Lisa und Lena hatten mehr als 30 Millionen Abonnenten (ihre Karriere ging bereits auf Musical.ly los), nun wollen sie jedoch einen anderen Weg einschlagen. TikTok könnte natürlich Nutzer verlieren, da der Lieblingskanal von vielen künftig keine Videos mehr hochladen wird. Und Instagram und YouTube könnten gewinnen, da die beiden dort auch schon mehr als 14 Millionen beziehungsweise 900.000 Follower haben.
Noch ist das alles nicht abzusehen. Es wird sicherlich spannend, inwieweit TikTok seinen Hype erhalten und sich neben den Größen Instagram und YouTube etablieren kann. Schon beim Vorgänger Musical.ly gab es außerdem Kritik, Pädophile könnten über die App Videomaterial von Minderjährigen sammeln. Bei TikTok liegt die Altersgrenze seitdem bei 13 Jahren, aber dies lässt sich natürlich umgehen. Auch wegen In-App-Käufen, der Gefahr von Mobbing, gefakten und diskriminierenden Inhalten warnen viele vor der App. In Indien und Indonesien war sie vorübergehend sogar gesperrt. Diese Probleme wird die Plattform abstellen müssen.
Titelbild: Shelby Knowles/ Imago Images/ Zuma Press