Mode ist eine Ausdrucksform

Frau in weißem T-Shirt und blauer Jeans
Egal wie wir uns kleiden, unsere Kleidung sagt etwas über uns aus und beeinflusst sogar unser Auftreten. Ein Blick auf den Modezirkus, der irgendwo auch dich betrifft.
Von Katharina Warnecke Soto

Der im Februar dieses Jahres verstorbene deutsche Modeschöpfer Karl Lagerfeld war bekannt für seine Arroganz und markanten Sprüche, wie „Wer eine Jogginghose trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren“. Er verhalf dem Pariser Modehaus Chanel in den 80er-Jahren durch kreative Entwürfe und Kreationen zu neuem Leben, und auch sein stetiger Look aus schwarzem Anzug, hochgestelltem weißen Kragen und schwarzer Sonnenbrille zeugte von elegantem und selbstsicherem Stilbewusstsein. Letzteres scheinen Mode-Ikonen der Vergangenheit und der Gegenwart gemeinsam zu haben: ein Verständnis davon, sich selbst nach außen hin zu präsentieren. Denn nichts anderes ist Mode: ein Ausdruck.

Ob beabsichtigt oder nicht, was man trägt, sage etwas aus und spiegele oft auch einen Teil von uns selbst wider, findet unter anderem Iris Schröder, Verkäuferin bei Marie, einem Modegeschäft in Leichlingen. Es kann sich um extravagante Haute-Couture-Stücke handeln oder einfach um den neuen Kapuzen-Pullover, den man sich beim letzten Shopping-Trip gegönnt hat. Die Wahl unserer Kleidung gibt nicht nur anderen, die uns von außen betrachten, einen gewissen Eindruck, sondern vermittelt besonders dem Träger ein bestimmtes Gefühl und hat damit zumindest teilweise Einfluss auf dessen Verhalten.

Selbstbewusstsein kommt, wenn man sich wohlfühlt

Man muss kein Soziologe sein, um zu wissen, dass man sich entsprechend verhält, wenn man sich in der zu engen Jeans oder im jahrealten T-Shirt nicht wohlfühlt. Wohingegen das eine Kleid in der Lieblingsfarbe mit dem perfekten Schnitt, das man immer wieder anziehen könnte, oder das Oberteil mit dem Aufdruck von dieser einen unglaublich guten Band uns zu innerem Selbstbewusstsein verhelfen können.

Deshalb sollten wir uns mit unserem Stil identifizieren können. Ganz egal, ob man sich eher experimentierfreudig und extrovertiert an knallige Farben und interessante Muster wagt, ob man sich im schlichteren Bereich von Jeans und T-Shirt bewegt, ob man Wert auf Eleganz legt und die richtige Bluse immer mit der passenden Hose kombiniert werden muss, ob man noch auf der Suche ist und immer mal wieder eine andere Richtung einschlägt. Oder ob man einer von denen ist, die in den Schrank greifen, irgendetwas hervorholen und sich damit zufriedengeben.

Kann man zu mode-affin sein

Die Frage ist, ob man dem Thema auch zu viel Bedeutung beimessen kann. Schließlich befindet sich die Modewelt ohnehin im ständigen Wandel. Beispielsweise erleben Scrunchies (Haargummis mit voluminösem Stoffmantel) und Neonfarben der 80er gerade ein überraschendes Comeback, wie man unter anderem aktuellen Videos modisch spezialisierter YouTuber entnehmen kann. Wohingegen Jeans- und Lederjacken, Blumenmuster oder Converse Chucks definitiv in die Kategorie „zeitlos“ gehören. Außerdem ist es nicht gerade von Vorteil, dass herkömmliche Modelmaße, die in Kampagnen, Zeitschriften und den sozialen Medien präsentiert werden, nicht wirklich der Realität entsprechen und bei dem einen oder anderen den Wunsch nach unerreichbarer Perfektion wecken können, so Schröder.

Auch Internetplattformen an sich hätten in der heutigen technikgeprägten Zeit immer größeren Einfluss auf die Verbreitung neuer Trends, meint wiederum Marion Kötting. Sie ist Verkäuferin bei Enjoy, einem Modeladen, der mehrere Marken führt und viel Wert auf die Beratung seiner Kundinnen legt. So könne ab und zu die steigende Beliebtheit bestimmter Marken zum Verlangen nach Zugehörigkeit und Gruppenzwang führen. Letztendlich hängt es natürlich von einem selber ab, wie man Oberflächlichkeiten dieser Art auf sich wirken lässt.

Im Prinzip ist Mode eine Form von Kunst: vielfältig interpretierbar, ausdrucksstark, gleichermaßen kritisierbar wie lobenswürdig und ihr Wert liegt im Auge des Betrachters. Manche widmen ihr die eigene Lebenseinstellung und driften dabei vielleicht ab und zu etwas zu weit von den Werten der echten Welt ab, indem sie beispielsweise so enden, das Tragen von Jogginghosen zu verbannen. Andere sind einfach fasziniert vom Fashionweek-Glamour, dem Glanz von Chanel-Taschen auf der anderen Seite des Schaufensters und der täglichen Kreation neu kombinierter Outfits aus demselben Kleiderschrank. Wieder andere haben Prioritäten und Interessen fernab von Gedanken darüber, welche Hose man farblich am ehesten zu den neuen Schuhen anziehen sollte.

Titelfoto: Getty Images

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