Mit den wachsenden Möglichkeiten unserer Zeit kommen auch Schwierigkeiten dazu. Smombies können den Blick nicht vom Display abwenden. Ist das gefährlich?
Von Tjark-Levin Koch, Klasse 8d, Gymnasium Oberalster, Hamburg

Draußen, strömender Regen – Die Menschen suchen Zuflucht im Hauptbahnhof. Geschäftsreisende eilen durch den Bahnhof, in der Hoffnung den Anschlusszug nicht zu verpassen, Touristen irren umher und bleiben alle zwei Meter stehen, um sich die Informationsbildschirme anzuschauen. Insgesamt ein einziges Gewusel.

Inmitten der Menschenmasse sehe ich plötzlich einen Smombie – völlig in seiner virtuellen Welt schwebend – eine ältere Dame anrempeln. Von der Situation unangenehm überrascht, faucht die ältere Dame den Teenager an: „Also, sag mal was fällt dir denn ein?! Wo hast du denn Deine Augen?“. Etwas peinlich berührt antwortet er: „´Tschuldigung, ich wollte doch nur eine wichtige Nachricht an meinen Freund schicken“.

Smombies – ein Phänomen unserer Zeit

Situationen wie diese sorgen in unserer Gesellschaft seit einigen Jahren vermehrt für Unstimmigkeiten. Ausgelöst werden sie durch Geräte, mittels derer man jederzeit und an jedem Ort mit Freunden oder Kollegen kommunizieren, die Nachrichten lesen, Musik hören, einkaufen, oder seine Bankgeschäfte erledigen kann. Die Menschen, die von diesen Gelegenheiten Gebrauch machen, nennen wir umgangssprachlich „Smombies“.

Der Begriff Smombie setzt sich aus den Wörtern „Smartphone“ und „Zombie“ zusammen. Das ist so zu verstehen, dass die Smombies wie Zombies unachtsam und nicht auf die Außenwelt achtend umherwandeln. Damit stellen sie sowohl eine Gefahr für die Umwelt, als auch für sich selber dar.

Dreimal höheres Unfallrisiko durch Smartphones

Gefahrensituationen können ganz einfach ergeben, zum Beispiel, wenn ein Smombie – Blick auf das Smartphone – vor eine Laterne läuft und aufgrund seiner Unachtsamkeit mehrere Tage mit einer Beule herumlaufen muss. Es kann natürlich auch deutlich gefährlicher für die Person ausgehen, wenn sie zum Beispiel eine rote Ampel übersieht und einfach auf eine befahrene Straße läuft. Statistiken zufolge sterben jährlich mindestens 300 Deutsche, weil sie das Smartphone sogar beim Autofahren nicht weglegen können. Studien aus den USA belegen, dass das sich das Unfallrisiko aufs Dreifache erhöht, wenn das Handy am Steuer genutzt wird. In den sozialen Medien findet man haufenweise Videos, in denen von ihrem Smartphone abgelenkten Menschen weitere Pannen widerfahren. Zum Beispiel stolpern Personen da in einen Brunnen oder stürzen eine Treppe hinunter.

„Diese Bompeln sind einfach zeitgemäß.“

Ein 21-jähriger Smartphone-Nutzer

Vorgehen gegen das Smombie–Phänomen

Wie könnte man gegen das Smombie-Phänomen vorgehen? Oder sollte man lieber gar nichts tun? „Ich persönlich bin zwar selbst Smartphone-Nutzer und war bestimmt auch schon einmal Smombie, aber ich finde es regelrecht lächerlich, wie zum Beispiel in Augsburg diese Bompeln für 20.00 Euro einzubauen. Die Smombies sollten schließlich immer noch auf sich selber Acht geben“, meint die 33-jährige Melanie aus Hamburg.
Aber was sind überhaupt diese Bompeln?

Bompeln, kurz für Bodenampeln, sind im Boden eingelassene Ampeln, die es erstmals vor fünf Jahren in Augsburg gab, um auf eine einfahrende Straßenbahn hinzuweisen. Diese Schutzmaßnahme fand, auch in anderen Nutzungsbereichen, weltweit Nachahmer. Die LED-Leuchten im Boden gibt es mittlerweile auch in Australien, Spanien oder Argentinien. Und sie haben Befürworter: „Die Digitalisierung bringt viele Änderungen mit sich, so auch verkehrstechnische. Deshalb sind diese Bompeln doch einfach nur zeitgemäß“, findet der 21-jährige Jens, den ich ebenfalls befrage.

Warnleuchten oder eine Smombie-Spur?

Aber sind die Warnleuchten wirklich in jeder Hinsicht ein Gewinn? „Ja, also ich finde das an sich gar nicht so schlecht, sofern es denn etwas nützt. Ich frage mich nur, ob man als Smombie überhaupt noch am Smartphone vorbei guckt, sodass man diese Bompel noch sieht“, bemerkt Gertraud, eine67-jährige Großmutter von vier technisch besessenen Enkelkindern. Tatsächlich ist die Wirksamkeit dieser neuen technischen Erfindung umstritten.

Ähnlich verhält es sich mit den extra für Smartphone nutzende Menschen eingerichteten Wegen, die es in Litauen, China, Belgien und in den USA gibt. Häufig funktionieren diese Wege so, dass es hohe Geldstrafen für Fußgänger gibt, die auf das Smartphone schauend eine Straße überqueren. In Deutschland sind diese Maßnahmen jedoch noch Zukunftsmusik. Es bleibt abzuwarten, was unsere Gesellschaft in dieser Hinsicht noch bevorsteht.

Beitragsbild: Clem Onojeghuo via Unsplash