Nachwuchs-Leistungssportler müssen neben der Schule hart trainieren, stehen unter enormem Druck und üben ihren Sport unter erschwerten Bedingungen aus.
Von Justus Friedrich, Klasse 8c, Schiller-Schule Bochum

Fremde Sprachen, Flaggen aus mehr als zehn Ländern der Welt, junge Athletinnen, die sich am 30. November und 1. Dezember 2018 im Wettbewerb um den Wintercup in der Ostermann Arena in Leverkusen einen harten Wettkampf in Rhythmischer Sportgymnastik liefern. Gegenüber der Halle liegt der VIP-Eingang der BayArena. Aber heute wird kein Fußball gespielt. Heute treten junge Gymnastinnen, deren körperliche Fitness auch harte Jungs vom Fußball oder Rudern beeindrucken muss, mit Keulen, Bändern, Bällen, Reifen und ohne Handgeräte gegeneinander an.

12 bis 18 Stunden Training pro Woche

Eine Mutter in der vierten Reihe beobachtet angespannt den Vortrag ihrer Tochter. Als die Bewertung auf der Riesenleinwand eingeblendet wird, jubelt sie laut. Auch Sportlerinnen aus dem Leistungsstützpunkt Rhythmische Sportgymnastik in Bochum nehmen an dem Wettkampf teil. Die Trainingszeiten der Mädchen, die vor allem noch die Grundschule besuchen, liegen bei zwölf bis 18 Stunden pro Woche. Einige sind im Kader des Fachverbands. Es wird ernsthaft trainiert, es wird sehr professionell trainiert. Wie sind die Bedingungen für Leistungssportler und Nachwuchsleistungssportler in Deutschland?

Für die Leistungssportler als Spitzensportler verändern sich die Rahmenbedingungen. Unter dem ehemaligen Bundesinnenminister Thomas de Maizière wurde eine Sportlerrente ab 2020 entwickelt, die als Anreiz Jugendlichen den Weg in den Leistungssport leichter machen soll. Derzeit ringt der Deutsche Olympische Sportbund mit seiner Reform zur Neuausrichtung der Spitzensportförderung.

240 Wochen-Kilometer Fahrt zum Training

Bei den Präsidentenwahlen am 1.12.2018 in Düsseldorf hat es erstmalig in der Geschichte des DOSB einen Gegenkandidaten bei der Wahl des Präsidenten gegeben. Vieles wird diskutiert, über viele Themen herrscht Unklarheit. Abgesehen vom Spitzenleistungssport stellt sich die Frage, wie junge Athletinnen und Athleten neben Schule und Studium trainieren.

Emily ist Kader-Athletin am Leistungsstützpunkt Rhythmische Sportgymnastik in Bochum. Sie ist eine gute Schülerin und kann ein Trainingspensum von zwölf Stunden plus noch gut mit dem Stundenplan in der Grundschule kombinieren. Die Familie fährt sie mit dem Auto zum Training, das regelmäßig drei Stunden dauert. Zu lange für die Mutter, dort zu warten. Daher müssen die Fahrten zur Trainingsstätte doppelt gemacht werden. Das sind 240 Kilometer pro Woche. Sportförderung gibt es hier nicht.

„Es scheint nicht klug, wenn Breitensport, Nachwuchs-Leistungssport und Spitzensport voneinander entkoppelt werden.“

Justus Friedrich über die Schwerigkeiten junger Leistungssportler

Was tun gegen marode Hallen und gesperrte Duschen?

Carl ist auch ein Kader-Athlet. Er rudert. In diesem Jahr hat er auf den Deutschen Meisterschaften fünf Medaillen erfahren. Er strebt das Abitur an. Um einen Sportleistungskurs belegen zu können, muss er das Gymnasium wechseln. Eine Zusage, bei Überbuchung des Kurses einen festen Platz im Sportleistungskurs zu erhalten, bekommt er von der Schulleitung nicht.

Es scheint nicht klug, wenn Breitensport, Nachwuchs-Leistungssport und Spitzensport voneinander entkoppelt werden. Nachwuchs-Leistungssportler werden oft über den Breitensport entdeckt. Ohne Nachwuchs-Leistungssportler gibt es keine Spitzensportler. Es ist nicht immer das Geld, das sicherlich hilft, Kinder und Jugendliche für intensives Training zu begeistern. Marode Turnhallen, gesperrte Duschen, miefige Bootshäuser empfinden auch Kinder und Jugendliche nicht als angenehm. Da kann Geld helfen.

Neben Geld ist auch Verständnis gefragt

Die Länder finanzieren den Breitensport und den Leistungssport. Nordrhein-Westfalen hat 42 Millionen Euro pro Jahr vorgesehen. Die zahlreichen Fachverbände entscheiden über die Verwendung der Mittel. In Nordrhein-Westfalen gibt es knapp 60 Fach- und Dachverbände im Sport. Sie organisieren Wettkämpfe, sichten Talente, bilden Trainer und Wettkamprichter aus, managen die Öffentlichkeitsarbeit. Das sind viele Verbände, deren Verwaltungsarbeit auch finanziert werden muss. Auch das macht Sport teuer, ohne dass das Geld erkennbar bei den Sportlern und Trainern ankommt. Ob der mehrheitlich gewählte Weg, eine Sportart in einem eigenen Verband zu organisieren, sinnvoll ist, ist nicht bewiesen. Es gibt auch Alternativen.

Aber neben dem Thema Geld geht es auch um gesellschaftliche Anerkennung. Wenn Schulen Verständnis für Kader-Athleten haben, erleichtert das die Tagesplanung. Wenn Klassenarbeiten in intensiven Trainingsphasen verschoben werden dürfen oder Ersatzleistungen erbracht werden können, hilft das jungen Leistungssportlern und Leistungssportlerinnen. Wenn Medien besser und intensiver auch über Sportarten außerhalb der Fußballstadien berichten, motiviert das. Erfolgsfaktor für den Spitzensport ist auch die Förderung von Nachwuchssportlern und schließt Schule, Presse und Gesellschaft mit ein. Niemand kann sich mit 16 erst entschließen: „Da werde ich mal Olympiasieger“. Der Grundstein wird viel früher gelegt. Deswegen gehen Emily und Carl auch dieses Jahr wieder am Neujahrstag zum Training.

Hinweis: Die Namen der Athleten sowie ihr Sportart und die Anzahl der gewonnenen Medaillen wurden vom Verfasser geändert.

Beitragsbild: Jeff Cadestin via Unsplash