Wie kommt man als gute Fußballer eigentlich in eine U19-Mannschaft? Ein Scouting-Team berichtet, der 13-Jährige Youssoufa Moukoko macht’s vor.
Von Luis Jahraus, Klasse 8d, Gymnasium Oberalster, Hamburg

Nun ist Youssoufa am Ball. Er schießt. Und Tooooor! Was für ein Schuss, was für ein geiles Tor. Der Typ ist der Hammer! Ohne ihn geht nichts. Alle springen auf Moukoko und feiern den 4:3 Siegtreffer im Derby um die U-17 Bundesliga-Meisterschaft!

Youssoufa Moukoko ist zwölf Jahre alt, als er allein von Hamburg nach Dortmund zieht. Der Deutsch-Kameruner kickt bereits für die U19 von Borussia Dortmund, schießt bei den A-Junioren alles in Grund und Boden und ist deutscher Junioren-Nationalspieler.

Der steile Aufstieg gestaltet sich aber nicht immer nur leicht. Vor allem der Wechsel vom Nachwuchs des FC St. Pauli zur Jugend des BVB im Sommer 2016 ist nicht spurlos an Moukoko vorbeigegangen. Die Phase war krass für ihn. Für einen jungen Spieler zu so einem großen Verein zu wechseln war ein Riesen-Schritt.

Bodo will Jungen wie Youssoufa weiter bringen. Als Talentscout beim FC St. Pauli steht er jedes Wochenende am Spielfeldrand und sichtet die Fußballtalente von morgen. In der Halle angekommen treffe ich den sympathischen Scout. Nach ein paar Fragen schaue ich mir die Spieler mit ihm zusammen an. Er ist konzentriert. Er muss ganz genau aufpassen, wie der Spieler dribbelt, schießt und ihn detailliert wie möglich beschreiben können. Dabei achtet er auf technische und taktische Fähigkeiten, sowie Schnelligkeit und Beweglichkeit. Entweder kennt der Scout den Spieler bereits und schaut sehr genau nur auf ihn oder er sieht die Spieler zum ersten Mal und dokumentiert deren Fähigkeiten.

„Ein Spieler kann technisch gut sein, sehr schnell und beweglich, aber auch sehr egoistisch, undiszipliniert und nicht kritikfähig.“

Bodo, Talentscout beim FC St. Pauli

Und da ist er! Mit der Nummer 10. Eine klasse Bewegung und das Tor. Bodo staunt. Ich finde den Spieler außergewöhnlich gut für sein Alter. „Wird er weiter beobachtet und zum Probetraining eingeladen?“, frage ich. Bodo antwortet sehr überzeugt und staunend: „Ja. Jetzt ist nur noch entscheidend, ob der Spieler gut zu erreichen und ob er interessiert ist.“ Der FC St. Pauli legt auch viel Wert auf die Persönlichkeit. Bodo erklärt weiter: „Ein Spieler kann technisch gut sein, sehr schnell und beweglich, aber auch sehr egoistisch, undiszipliniert und nicht kritikfähig. Uns ist wichtig, alles über den Spieler zu wissen, um letztendlich eine gute Entscheidung zu treffen.“

Die Daten aller Scouts werden in einer internen Datenbank erfasst. Am Ende bleibt dann die Frage: „Wollen wir den Spieler verpflichten oder nicht?“, erzählt Bodo und zückt dabei sein Notizheft. Bodo möchte nicht als Mitarbeiter des Vereins erkannt werden. Daher zieht er sich lieber am Spielfeldrand zurück und ist auch in der Kommunikation mit den Spielern passiv. „Meistens sehe ich meine Frau und Kinder nur abends, denn die ganze Fahrerei ist schon anstrengend und zeitaufwendig“, sagt der erfahrene Scout während sein Handy klingelt.

Zum Scouting gekommen ist der Reiseverkehrskaufmann durch seine 16 Jahre lange Erfahrung als Stützpunkttrainer. In dieser Zeit hat er unzählige Talente trainiert und auf ihrem Weg begleitet. „Die Erfahrung als ehemaliger Trainer und Spieler hilft mir natürlich auch sehr, denn so kann ich eine gute Einschätzung zu einem Spieler abgeben“, erklärt der 53-Jährige und begrüßt einen Kollegen während die Nummer 10 zum besten Spieler des Turniers gewählt wird.

„Das Scouting im Jugendbereich ist deutlich komplexer.“

Christian Klose, Kaderplaner

Christian Klose ist seit über zehn Jahren beim FC St. Pauli und auch mein ehemaliger Trainer in der U12. Er ist Kaderplaner und Chef von allen Scouts. Seine Aufgabe ist unter anderem, die Scouts bei Pauli einzustellen. Er plant die Einsätze der Scouts und schickt sie zu bestimmten Sichtungsturnieren, die ausschließlich in Deutschland stattfinden.

Beim Interview erklärt Christian: „Wir beim FC St. Pauli legen Wert darauf, dass ein Scout viele Spiele gucken und gut dokumentieren kann. Das Netzwerk und die Kommunikation runden einen guten Scout ab“. Draußen auf dem Trainingsplatz in der Kollaustraße schaut Christian bei kaltem und windigen Wetter dem Abschlusstraining der U19 zusammen mit dem Chefscout Marco Feldhusen zu. „Es ist natürlich auch wichtig die eigene Mannschaft immer wieder zu beobachten. Denn nur so kann man sich im Klaren sein, auf welcher Position eine Verbesserung Sinn macht“, erklärt er während er sich Notizen auf seinem Tablet macht.

Es gibt aber auch bedeutende Unterschiede zwischen dem Scouting im Jugendbereich und im Profibereich: „Im Profibereich wird nach Spielern gesucht, die die Profimannschaft sofort verstärken oder zu mindestens kurzfristig. Das Ziel im Nachwuchs ist anders. Wir suchen nach Talenten, die perspektivisch die Chance haben, einmal Profi zu werden. Das Scouting im Jugendbereich ist deutlich komplexer“, sagt Christian.

„Die letzte Saison war hart für mich. Aber jetzt läuft es richtig gut.“

Nachwuchs-Fußballer Youssoufa Moukoko

Das Scouting erfolgt unter Berücksichtigung der Talentprognose. Ziel des Scoutings ist die Bindung der besten Spieler aus Hamburg und dem Hamburger Umland an den FC St. Pauli – hauptsächlich in Norddeutschland, aber auch, in Zusammenarbeit mit den Lizenzscouts, bundesweit. Die Einschätzung der Nachwuchskicker erfolgt stets anhand der fünf Kriterien Fußball, Athletik, Persönlichkeit, Schule und Umfeld. Natürlich fließen Scouting-Ergebnisse in die Kaderplanungen mit ein.

Youssoufa hat sich inzwischen in Dortmund eingelebt. Seinem Traum vom Fußballprofi kommt er täglich näher. Mittlerweile wird er als BVB-Wunderkind bezeichnet und sein Ziel ist den „Ballon d’Or“ (bester Spieler des Jahres) und die „Champions League“ zu gewinnen. In der laufenden Saison hat er in 15 Partien bereits 28 Mal getroffen und sechs Vorlagen gemacht. „Die letzte Saison war hart für mich. Mit den ganzen Geschichten. Aber jetzt läuft es richtig gut“, schildert das Talent die vergangene Zeit in einem Interview.

Sein Talent erweckt jedoch nicht nur großes Interesse bei internationalen Top Klubs, sondern auch im Internet. Denn mittlerweile hat der 14-Jährige schon über 250.000 Abonnenten auf Instagram. Seine Vergangenheit beim FC St. Pauli und die Hilfe der Scouts leisten dabei einen sehr wichtigen Teil, denn ohne dem Support der Scouting-Abteilung wäre er vielleicht nie bei Borussia Dortmund gelandet.

Beitragsbild: EXPA/ Jakob Gruber