Partys, schnelles Geld und Reisen – der schöne Schein der Modewelt trügt viele junge Mädchen, die dafür hungern, Drogen nehmen und die Schule schmeißen.
Von Ella Nussbaum, Klasse 8a, Berlin International School

„Außerdem wächst mit dem Modeln und dem Posieren vor den Fotografen das Selbstbewusstsein enorm“, erzählt die 18-jährige Isabel Zander Zeidam, ein brasilianisch-deutsches Fotomodel aus Berlin. Sie fing mit 16 Jahren an zu modeln, weil sie später Mode studieren möchte, und findet es interessant zu sehen, wie Stylisten arbeiten und wie man die Kleider präsentiert. Sie hat sich bewusst gegen den Laufsteg entschieden und präsentiert Mode und Schmuck für Fotostrecken in Magazinen und für Textil-Labels im Internet. Das alles macht sie in Ländern wie Japan, Deutschland und China.

Wie kann sie Schule und die internationalen Foto-Jobs gut vereinbaren? Bisher gut. Sie macht im Mai 2019 ihr Abitur. Und schließlich locken bezahlte Reisen inklusive Hotels sowie Flüge und Transport und eine ordentliche Tagesgage, für die manch eine einen Monat lang als Büroangestellte arbeiten muss.

Der Traum vom Model? Oft ein Albtraum

Vertreten wird sie gleich von drei internationalen Agenturen: Entdeckt wurde sie in ihrem Auslandsjahr in Hongkong von der Modelagentur Synergy Models. In Berlin heißt ihre Mutteragentur Faze Models und in Bangkok ist sie in einer Agentur namens Gym Models unter Vertrag. „Ich hatte bisher echt Glück, dass sie mich so gut behandelt haben, weil ich auch andere Geschichten kenne“, betont Isabel. Sie sitzt mit ihren großen braunen Augen und so schlank, wie sie ist, neben mir. Voller Neugier höre ich ihr zu, als sie mir von der großen weiten Modelwelt erzählt.

Viele Mädchen, die während der Schule als Model arbeiten, glauben an ihren Durchbruch und brechen voreilig die Schule ab, weil sie denken, die Schule störe ihr Model-Leben. Doch damit erleiden sie oft Schiffbruch. Denn der Traum vom Supermodel, der auch durch Sendungen wie „Germanys Next Topmodel“ angeheizt wird, kann oft in einem Albtraum enden.

Likes – die neue Währung im World Wide Web

Alleine durch die Selbstvermarktung im Internet auf Portalen wie Instagram hat jede, die einigermaßen gut aussieht und dünn ist, die Chance, weltweit auf sich aufmerksam zu machen. Mädchen, die sich fast nackt in Szene setzen, bekommen im Nu Tausende von Followern. Das ist die neue Währung im World Wide Web, mit der sich die Nutzer bewerten lassen.

Die Konkurrenz ist allerdings gewaltig und die Mode-Industrie macht leichte Beute, denn viele junge Models arbeiten für wenig Geld. Hauptsache, sie sehen sich in einem Magazin platziert.

„Wenn man sich auf etwas fokussiert, sei es Schule, Sport, Musik oder eben Modeln, dann hat man früh eine Struktur und ist organisierter als andere, die nur Schule in den Griff bekommen müssen“

Model Isabel Zander-Zeidam über die positiven Aspekte des Modelns

Es gibt aber auch genügend junge Frauen wie Isabel, die auch als Model die Schule sehr ernst nehmen und als Ziel einen akademischen Abschluss haben. Neben dem Studium lässt es sich schließlich noch leichter als Model arbeiten als parallel zur Schule, „denn die Zeit kann man sich an der Uni besser einteilen“, weiß Isabel. Ihre Mitschülerinnen bewundern, wie sie den Spagat zwischen Schule und Posieren vor der Kamera hinbekommt; auch für die vielen Reisen und Eindrücke, die sie in so jungen Jahren sammelt.

Isabel selbst sagt, dass es wie bei einem Spitzensportler sei: Wenn man sich auf etwas fokussiere, sei es Schule, Sport, Musik oder eben Modeln, dann habe man früh eine Struktur und sei organisierter als andere, die nur die Schule in den Griff bekommen müssen. Egal, was man neben der Schule als Hobby mache, man lerne ein gutes Zeitmanagement.

Ein gesundes Verhältnis zu ihrem Körper – und der Schulpflicht

Wenn es mal eine terminliche Überlappung von Schulanforderungen und einer Modeljob-Anfrage gibt, dann verzichtet Isabel auf das Shooting und drückt weiter die Schulbank. Sie hat ein gesundes Verhältnis zu ihrem Nebenjob. Und sie hungert nicht, hat wohl einfach Glück mit ihrem Körper gehabt. Und das ist Gold wert.

Viele Schülerinnen orientieren sich an künstlich bearbeiteten Fotos, die Realität suggerieren und mit Hashtags wie #nofilterneeded betitelt werden. Neid, Bewunderung und Frustration machen sich breit. Isabel findet, es sei krass, wie viele Mädchen hungrig bei den Castings säßen, weil sie seit drei Tagen nichts gegessen haben. Das ist die Realität, die keiner auf Instagram postet.

Menschen, die nicht modeln, glauben, es sei leicht verdientes Geld. Wenn man Glück hat und einen guten Job bei einer Modefirma wie Zalando oder dem Otto-Versand hat, wird man ständig als Gesicht gebucht. Dann läuft es. Aber meistens ist es ein harter Job, denn die Mädchen machen Überstunden und dürfen sich nicht hinsetzen, „denn sonst zerknittert eine Hose, die man knitterfrei präsentieren muss“, erklärt Isabel.

Als sie in den Sommerferien in einer Model-WG lebte, erlebte sie, wie der Umgang zwischen den Models sein kann. Eines der Mädchen habe sich nicht nur unsozial benommen und den ganzen Tag nur in ihr Handy geschaut, sondern habe auch nur in Orangensaft getunkte Wattebällchen gegessen, um nicht zuzunehmen. Und sie sei leider keine Ausnahme. Häufig komme es vor, dass Mädchen Cannabis rauchten, weil es den Appetit zügeln solle. Härtere Drogen- und Alkoholexzesse seien dann als Folge fast schon normal, um den Druck auszuhalten: immer schön, immer schlank und immer gut gelaunt zu sein.

In Paris muss man wie ein Stock aussehen.

Isabel kennt die regionalen Unterschiede im Modelbusiness.

Aber nicht alle Models verrennen sich so. Viele haben eine ausgewogene Ernährung und treiben Sport, um fit zu bleiben, und halten so ihre Glückshormone auf Trab, um den Job so gut wie möglich machen zu können. „Die Städte und der Bezirk sagen auch viel aus über das dortige Modelleben“, weiß Isabel aus der eigenen Erfahrung vom Reisen durch die Kontinente. „In Paris muss man wie ein Stock aussehen, um an den Modenschauen teilnehmen zu können. In Amerika braucht man sich mit einem Hüftumfang von 90 Zentimetern oder mehr erst gar nicht vorstellen. Ganz im Gegensatz zu Tokyo, wo das Aussehen eher eine Rolle spielt als ein Hungerhaken-Look. In meinem Fall war es sogar so, dass sie meinen Kawaii-Look sehr mochten und mich dadurch besonders nett behandelten.“

Manche Designer interessieren sich für große, schwarzhaarige Brasilianerinnen. Die anderen für ein kleinere, blonde Schwedinnen. Der Kunde ist König und kann aus einem großen Fundus schöpfen. Models als Ware – das war schon immer so. Nur ist die Gefahr hoch, dass sich junge Mädchen die falschen Idole aussuchen, die in Wirklichkeit nicht so schön sind, wie sie sich im Internet und in den Hochglanzmagazinen darstellen.

Schönheit kommt immer noch von innen

Das Treffen mit Isabel hat mir gezeigt, dass man nicht zum Supermodel aufsteigen muss, um Spaß am Modeln zu haben. Wenn man einen gesunden Geist hat, selbstbewusst und klug ist, kann man sehr wohl auch erfolgreich sein, schnelles Geld verdienen, um sein Studium zu finanzieren, um am Ende selbst Designerin zu werden oder eine andere akademische Laufbahn anzustreben, die nicht unbedingt mit Mode zu tun hat.

Isabel rät allen jungen Mädchen, dass man immer im Hinterkopf behalten sollte, die Sache vorsichtig anzugehen, damit der Traum von der schönen Modelwelt nicht eine Scheinwelt werde. „Schönheit kommt von innen“, sagt sie – und das strahlt sie auch aus! Nur so kann man sich von den falschen Schönheiten abheben und sich dabei selbst treu bleiben.

Bitragsbild: Brunel Johnson via Unsplash