Viele assoziieren Schlechtes mit dem Leben mit getrennten Eltern. Doch das Miteinander in einer Patchwork-Familie kann auch harmonisch laufen
Von Leon Sauer, Klasse 10a, Private Stadtteilschule St. Georg, Hamburg

Ich sitze mit meiner Mutter und meinem Vater an einem Tisch im Garten. Es ist Frühling, mein Geburtstag. Mein Stiefvater grillt und meine Stiefmutter holt die Getränke aus der Küche. Wir unterhalten uns, lachen und haben Spaß. Das ist eine ganz normale Situation aus meinem Leben, für mich, denn in der Gesellschaft sind getrennte Eltern und Scheidungskinder eher etwas Negatives. Ich bin aber der Meinung, dass es so nicht sein muss.

Natürlich ist es nicht schön, wenn ein Paar sich zu einer Trennung entscheidet, aber manchmal ist es vielleicht der beste Weg. Lieber glücklich getrennt als unglücklich zusammen. Ich zum Beispiel bin mit meiner Situation mehr als zufrieden. Meine Eltern sind seit meinem dritten Lebensjahr getrennt seitdem lebe ich bei meiner Mutter. Meinen Vater besuche ich regelmäßig. Früher jedes zweite, mittlerweile jedes Wochenende.

Ich habe zwei knapp elfeinhalb Jahre ältere Schwestern, die einerseits von meiner Mutter mit einem anderen Vater, andererseits von meinem Vater mit einer anderen Mutter gezeugt wurden. Trotzdem bin ich beiden sehr nahe. Meine Mutter und mein Vater sind beide wieder neu verheiratet.

Doch es geht noch weiter: Der Vater meiner Schwester mütterlicherseits hat nach seiner Trennung auch eine neue Familie gegründet und noch zwei Kinder bekommen. Bei denen machen wir jedes Jahr im Sommer mit meiner Mutter, meinem Stiefvater und meiner Schwester Urlaub und wohnen dann auch bei der Oma meiner Schwester, bei der ich mich auch wie ein ganz normales Enkelkind fühlen kann. So werde ich auch wahrgenommen, obwohl ich mit diesem Teil der Familie eigentlich nichts zu tun habe.

In den Kreisen harmoniert alles wunderbar. Ich stehe dazwischen und bin manchmal hier und manchmal dort unterwegs.

Leon Sauer über das Leben in seiner Patchwork-Familie

Man könnte es sich also so vorstellen, als wäre ich in zwei verschiedenen Familienkreisen unterwegs. Auf der einen Seite bei meiner Mutter mit ihrer Familie, der Familie meines Stiefvaters und der Familie meiner Schwester. Auf der anderen Seite die Familie meines Vaters und die Familie meiner Stiefmutter. In den Kreisen harmoniert alles wunderbar. Ich stehe dazwischen und bin manchmal hier und manchmal dort unterwegs. Das klingt aufregender als es ist. Im Endeffekt sieht man sich dann nur zweimal im Jahr zusammen als große Patchwork-Familie.

Ich denke nie darüber nach, dass es eben nicht normal ist, dass meine Eltern getrennt leben. Selber habe ichnoch nie, bis jetzt, wirklich darüber nachgedacht, denn für mich war das immer normal und selbstverständlich.
Das alles funktioniert nur, wenn sich auch jeder versteht und es keine größeren Probleme gibt. Dann harmoniert natürlich gar nichts mehr. Wenn meine Eltern beispielsweise streitend auseinandergegangen wären und immer noch streiten würden, dann wäre es für mich wesentlich schwieriger zwischen den Kreisen hin und her zu hüpfen.

Ein Fall aus meinem Bekanntenkreis zeigt, dass das Kind auch dazwischen stehen kann, statt zum großen Ganzen dazuzugehören. Dann muss es sich für eine Seite entscheiden, weil der Kontakt von einem der beiden Elternteile unterbrochen wird. Das ist nämlich der Regelfall, dass die Eltern es nicht vernünftig hinbekommen.

Der Schlüssel sind die Eltern. Sie müssen keine besten Freunde werden, aber sich dem Kind zu Liebe vernünftig verhalten.

Beitragsbild: Guillermo Sánchez via Unsplash