Die Schwedin Greta Thunberg ist zur Galionsfigur einer Bewegung geworden. Immer mehr Jugendliche eifern ihrem Engagement für das Klima nach.
Von Alene Paulina Schnell

Viele träumen davon, berühmt zu sein. Als Schauspieler oder Sänger. Die 16-jährige Schwedin Greta Thunberg ist aber auf eine ganz andere Weise berühmt geworden: Statt zur Schule zu gehen, saß sie wochenlang vor dem Gebäude des schwedischen Reichstags in Stockholm, um auf die ihrer Meinung nach mangelhafte Klimapolitik aufmerksam zu machen. Inzwischen sitzt sie nur noch freitags dort und ist zu einer Galionsfigur der Klimaschützer auf der ganzen Welt geworden.

Ich habe gelernt, dass man nie zu klein ist, um den Unterschied zu machen.

Greta Thunberg, 15 Jahre alte Klimaaktivistin in ihrer Rede bei der UN-Klimakonferenz in Kattowitz

Die Jugendliche beschäftigte sich ihrer Aussage nach schon mit acht Jahren mit dem Klimawandel. Zunächst seien ihre Eltern skeptisch gewesen und haben sie vom Aktivismus abhalten wollen. Doch Greta gab nicht nach. Heute wird sie von ihrer Familie unterstützt: Ihr Vater hat sie zur UN-Klimakonferenz im polnischen Kattowitz gefahren – die Reise mit dem Elektroauto soll 28 Stunden gedauert haben. Um es ihrer Tochter gleichzutun und nicht mehr fliegen zu müssen, hat ihre Mutter sogar ihre internationale Karriere als Opernsängern aufgegeben.

Was ihre Lehrer dazu sagen? Erst wollten sie Greta vom Streiken abhalten, nun unterstützen sie sie jedoch. Außerdem arbeitet sie den Stoff nach. Ihr Vater sagt, ihre Noten hätten unter den Streiks nicht gelitten.

Ihre Rede bei der UN-Konferenz: ein viraler Hit

Die Aufmerksamkeit, die sie durch ihren Streik auf das Klima gelenkt hat, war für Greta nicht genug. In Kattowitz hielt sie eine bewegende Rede, in der sie sich nicht scheute, die versammelten Politiker mit klaren Worten auf die Wahrheit anzusprechen: „Ihr sprecht nur von grünem, ewigem Wirtschaftswachstum, weil ihr zu viel Angst habt, euch unbeliebt zu machen!“ Ihre Sätze werden in den sozialen Medien tausendfach geteilt. Es sind harte Sätze, die sie mit unbewegter Miene vorträgt. „Ihr sagt, ihr liebt eure Kinder über alles. Und doch stehlt ihr vor ihren Augen ihre Zukunft!“

Spätestens durch diesen Auftritt hat sie weltweit Anhänger gewonnen, die nun mit ihr die Schule schwänzen. Vorerst breiteten sich die Demonstrationen in Schweden aus. Dann machten auch Schüler und Studenten aus Finnland, Dänemark und Belgien mit.

Sogar am anderen Ende der Welt – in Australien – kämpfen nun junge Menschen für eine bessere Klimapolitik. Der australische Premierminister Scott Morrison, ein rechtskonservativer Politiker, fand, dass die Schüler mehr lernen und weniger Aktivismus betreiben sollten. Für den Grund der Streiks, etwa das Sterben des Great Barrier Reef, interessierte er sich offenbar nicht. Daraufhin twitterte Greta kühl: „Sorry, Mr Morrison. Wir können [Ihrer Forderung] nicht Folge leisten.“

Schulstreiks auch in Deutschland

Schulstreiks für das Klima gibt es mittlerweile auch bei uns in Deutschland. Unter dem von Greta inspirierten Motto „Fridays for Future“ demonstrieren junge Menschen freitags vor den Parlamenten, um für einen echten Klimaschutz zu kämpfen. Die Jugendlichen sagen von sich, dass sie keiner Organisation oder Partei angehören. Ihre Bewegung habe eine eigene Dynamik, angetrieben durch ein gemeinsames Ziel. Auf ihrer Website lässt sich nachlesen, wann und wo gestreikt wird und in welchen Städten es schon lokale Gruppen gibt.

Die Rede von Greta:

Titelbild: ZUMAPRESS.com / dpa