Meinung

Wir sind zu fixiert auf Marken

Frau in Levis Markenshirt
YouTuber können uns jeden Tag ihre neuen Markenklamotten unter die Nase halten, aber eine Politikerin darf keine Rolex tragen? Entspannt euch mal, ist doch alles nicht so wichtig.
Von Antonia Bernitt

Der Pulli ist von Hollister, die Schuhe sind von Nike und das Handy ist selbstverständlich das allerneueste iPhone: Beim Kauf spielt häufig die Marke eine große Rolle. Oft müssen es sogar exakt die gleichen Klamotten und Accessoires sein, wie Influencer oder andere bekannte Persönlichkeiten sie tragen. Sie fungieren als Vorbilder in Sachen Mode.

Niemand möchte aus einer Gruppe ausgeschlossen werden, nur weil auf seinem Pullover kein toller Markenname steht. Niemand möchte sich blöde Sprüche anhören müssen, nur weil das Handy nicht das allerneueste Modell ist. Marken sind zu einem maßgeblichen Statussymbol geworden. Wer sie nicht hat, gilt als uncool. Deshalb machen die meisten mit.

Es ist so oberflächlich!

Doch das ist ein sehr oberflächliches Denken. Wir schreiben den Marken eine viel zu große Bedeutung zu. Was ist denn so besonders an ihnen? Wieso machen wir sie zum Kriterium, jemanden gut zu finden oder auszugrenzen? Und wie kann es eigentlich sein, dass eine politische Beamtin sich wiederum Vorwürfe machen lassen muss, weil sie eine teure Uhr trägt? Ist das nicht irgendwie widersprüchlich?

Vor Kurzem erntete nämlich Sawsan Chebli, Staatssekretärin für Bürgerschaftliches Engagement und Internationales, einen Shitstorm für ein Bild, auf dem sie eine teure Rolex trägt. Viele kritisierten, die teure Uhr widerspräche den Werten der SPD. Wenn allerdings YouTuber stolz das neue iPhone in die Kamera halten, mit Geldbündeln um sich werfen oder ihre teure Markenkleidung in Szene setzen, ist das kein Problem.

Die wäre es mit etwas mehr Toleranz? Wir sollten jeden das tragen lassen, was er möchte, egal ob Politikerin, Influencer oder Normalo, egal ob Rolex oder nicht. Und lieber einen Blick auf die Persönlichkeit werfen.

Titelbild: Das Shirt mit dem fetten Levis Aufdruck war im letzten Sommer das Must-Have der Saison. (c) Bogdan Glisik / Unsplash

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Wir haben genug davon, dass die Geschichten immer nur von den Alten erzählt werden. Deswegen haben wir den Stift selbst in die Hand genommen, sind durch die Lande gezogen, haben Geschichten und Menschen gesucht, gefunden und alles aufgeschrieben, was uns untergekommen ist. Wir haben unsere Smartphones und Kameras gezückt und Fotos und Videos gemacht. Auf funky zeigen wir euch die Ergebnisse unserer Recherchen.