Betty Taube-Günter ist Model, Moderatorin und angehende Pilotin. Mit uns sprach sie über ihr neues Buch und ein Schönheitsideal, das viele kritisch sehen.
Von Tessniem Kadiri

Betty Taube-Günter kennt man vielleicht noch von „Germany’s Next Topmodel“. In den Jahren danach hat sich für die Brandenburgerin einiges verändert: Sie arbeitete als Model, Moderatorin, Schauspielerin, lernte ihren Mann kennen und macht nun eine Ausbildung zur Pilotin. Jetzt ist sie auch noch Autorin des interaktiven Buches „Lass dir Flügel wachsen“.

Wie fühlt es sich so an als frischgebackene Autorin?

Tatsächlich ist es noch sehr surreal. Auch wenn mich jemand Autorin nennt, dann denke ich mir immer: „Was? Ich bin doch gar keine Autorin.“ Klar, ich habe jetzt ein Buch geschrieben, aber irgendwie ist das trotzdem anders. Wenn ich in der Buchhandlung stehe, dann sind das alles für mich Bücher außer meins. Das ist für mich irgendwas anderes, aber kein Buch. Also es ist überwältigend, da muss man sich auf jeden Fall erst mal dran gewöhnen. Natürlich ist es sehr toll, die ganze Arbeit, die man da reingesteckt hat, endlich in den Händen zu halten und jetzt zu sehen, wie es den Leuten gefällt.

Woher kam denn die Idee, ein Buch zu schreiben?

Das war ein Traum von mir. Ich habe mir mal gesagt: Du schreibst irgendwann in deinem Leben ein Buch! Mein Verlag hat mich dann gefragt, ob ich etwas mit denen machen möchte.Von da an ging alles ziemlich schnell. Als wir uns zum ersten Mal getroffen haben, ist bei einem Brainstorming eigentlich ziemlich schnell klar gewesen, dass die Idee Realität wird. Der Vorschlag, das mit dem Fliegen zu verknüpfen, kam vom Verlag. Ich fand das super, weil es einfach perfekt zu mir passt.

Warum hast du die interaktive „How to“-Form gewählt, in der dein Buch strukturiert ist?

Tatsächlich kam diese Idee auch wieder von meinem Verlag, da ich zu Beginn erst mal gar keine Idee hatte. Ich fand das ziemlich cool, da ich es selbst auch viel besser finde, ein Buch zu lesen und dann Aufgaben zu machen, weil es das Ganze ein bisschen spannender macht. Ziel war, dem Leser das Gefühl zu vermitteln, ein Teil davon zu sein und eine Community daraus zu schaffen.

Dieses Schönheitsideal von der Victoria’s-Secret-Figur habe ich nun mal und mit einem Model kann man darüber ehrlich gesagt auch nicht so wirklich diskutieren.
Betty Taube-Günter, Multitalent

In deinem Buch schreibst du darüber, dass du mit deinem Körper nicht zufrieden bist und wie ein Victoria’s-Secret-Model aussehen möchtest. Viele Leute denken, dass du eine Vorbildfunktion hast und diese dadurch vernachlässigst. Was sagst du solchen Leuten?

Ich finde, dass es ganz wichtig ist, dass ich so was sage. Ich finde es nicht okay zu bestimmen, was richtig ist und was falsch, da nun mal jeder seine eigene Meinung hat. Klar, ich bin eine Persönlichkeit des öffentlichen Lebens, und klar, mir gucken viele Mädchen zu. Aber ich bin nun mal ich. Das möchte ich niemals vergessen. Ich glaube, dass es nicht meine Aufgabe ist, den Leuten zu sagen, was sie tun sollen. Dieses Schönheitsideal von der Victoria’s-Secret-Figur habe ich nun mal und mit einem Model kann man darüber ehrlich gesagt auch nicht so wirklich diskutieren.

Über deine Ehe mit Fußballer Koray schreibst du auch und darüber, dass ihr nach zwei Monaten schon geheiratet habt. Eine Frage, die sich wahrscheinlich viele hier stellen, ist: Wieso so früh?

Ich glaube tatsächlich, dass du es einfach merkst, wenn du diesen Menschen triffst, der der Richtige für dich ist. Davor hatte ich natürlich auch andere relativ lange Beziehungen, aber bei Koray habe ich direkt gemerkt, dass es etwas anderes ist. Beschreiben kann man das nur schwer. Ich wusste, er ist es, und das war auch richtig so. Schieflaufen kann es natürlich immer noch, aber im Moment sieht das für mich alles ganz positiv aus.

War es also Liebe auf den ersten Blick?

Oh Gott, das erste Treffen war so peinlich! Die ersten Minuten, die wir uns jemals gesehen haben, wurden im Fernsehen ausgestrahlt (Anm. d. Red.: In der Doku-Serie „Betty goes Istanbul“ von taff bekommt Betty von Koray eine Stadtführung geboten), und alle, die das geguckt haben, konnten es mitverfolgen. Wir waren also gerade noch in der Kennenlernphase, als die Folge gesendet wurde. Komischerweise wussten alle, die das gesehen haben, direkt: Da stimmt doch was nicht! Ich finde das so krass, weil sogar die Moderatoren in der Sendung damals etwas in die Richtung gesagt haben. Mein Vater hat mich dann auch angerufen und nachgehakt. Dass wir zusammen waren, wusste da noch keiner, also haben anscheinend nicht nur wir zwei die Funken zwischen uns zwei gesehen beziehungsweise gespürt.

Du hast einen Teil deiner Kindheit im Heim verbracht. Das ist ein Thema, das du nicht oft teilst, aber im Buch öffnest du dich ein wenig. Welche Kindheitserinnerung charakterisiert für dich diesen Lebensabschnitt am ehesten?

Hm, schwierig, weil es da eigentlich ganz viele gibt. Ich erinnere mich noch, als ich im Abistress war, und immer, wenn ich nach Hause gekommen bin, erst mal auf den Heimplan gucken musste, um zu wissen, womit ich heute dran bin. Muss ich heute die Küche aufräumen oder womit bin ich heute dran? Dabei hätte ich eigentlich für meine Abiprüfungen lernen müssen. Stattdessen musste ich mich aber genau wie die anderen Kinder irgendwie im Alltag einbringen, und das war echt schwierig! Ich hätte eigentlich viel lieber gelernt. Da gab es schon viele schwierige Momente.

Gepasst hat das früher nie und ich habe es immer vor mir hergeschoben, aber jetzt ist es so weit!
Betty Taube-Günter, angehende Pilotin

Das Fliegen zieht sich wie ein roter Faden durch dein Buch. Wann, wie und wo hat dieser Traum für dich angefangen?

Ich glaube tatsächlich, dass es meine Bestimmung war mit meinem Nachnamen Taube. Irgendwas mit Fliegen musste ich einfach machen. Außerdem gibt es noch ein paar andere verrückte Sachen wie das Tattoo, das ich mir stechen gelassen habe. Direkt nach „Germany’s Next Topmodel“ habe ich den Spruch „Life is my runway“ gewählt. Wegen des Laufstegs habe ich mir gedacht, dass das super passt. Jetzt, wenn ich fliege, steht er aber auch für Start- und Landebahn. Außerdem habe ich mit 11 Jahren das erste Mal „Airways“ im Fernsehen gesehen und wusste direkt, dass ich irgendwann in meinem Leben so etwas machen muss. Gepasst hat das früher nie und ich habe es immer vor mir hergeschoben, aber jetzt ist es so weit! Denn genau das möchte ich auch mit meinem Buch aussagen: Jeder Mensch hat irgendeinen Traum, aber aus den verschiedensten Gründen macht man am Ende vielleicht doch nix draus. Mit meinem Buch gebe ich den Leuten jetzt einen kleinen Tritt in den Hintern und sage: Hey, mach das doch einfach!

Titelbild: Frank Zauritz Fotografie