Auch wenn es gerade einige Influencer glaubhaft vermitteln: YouTube ist nicht tot und wird auch so schnell nicht an Artikel 13 sterben.
Von Tom Hartung

Die Welt eines Teenagers kennt unzählige Probleme. In den letzten Tagen ist für viele ein neues dazugekommen: das Ende von YouTube. So zumindest prophezeiten es Videos, die viral gingen. 

Von einer Beschneidung der Meinungsfreiheit ist da die Rede und davon, dass „fast alle Kanäle, die wir kennen und lieben (…) gelöscht werden“. Der vermeintliche Übeltäter ist eine geplante EU-Richtlinie, genauer gesagt der Artikel 13. Dieser sieht vor, dass Webseiten haften, wenn ihre Nutzer unrechtmäßig urheberrechtlich geschützte Werke wie Musik, Texte oder Videos hochladen. Bis jetzt bekamen in solchen Fällen die YouTuber die rechtlichen Folgen zu spüren – jetzt soll auch YouTube ran.

Das würde die Firma viel Geld kosten. Um alle Urheberrechtsverletzungen durch Filtern zu vermeiden, würden teure Technologie und viel Personal benötigt. Bisher hatte YouTube kaum Ausgaben, sie gaben jedem die Möglichkeit, etwas hochzuladen, und schalteten dazwischen Werbung. Simpel, aber sehr lukrativ. Damit das so bleibt, schrieb die Chefin von YouTube einen offenen Brief, indem sie zu zum Protest gegen die geplante EU-Urheberrechtsreform aufrief.

YouTube benutzt Jugendliche für wirtschaftliche Interessen

Wirtschaftlich gesehen ist das verständlich, was mich stört, ist die – und so kann man es ruhig nennen – von YouTube bewusst eingesetzte Manipulation. Da sind nicht nur der Protest-Hashtag #saveyourinternet und eine Online-Petition, sondern die erwähnten dramatisierenden Videos, die seit Tagen die YouTube-Trends besetzen.

Dass ein Unternehmen Jugendliche dafür einspannt, für seine wirtschaftlichen Interessen zu protestieren, ist schon ziemlich dreist. Aber auf welche Weise viele YouTuber auch noch mitgeholfen haben, gerade den jüngeren Zuschauern auf emotionale Weise mit nicht sehr rosigen Ankündigungen eine fragwürdige Meinung in den Kopf zu hämmern, ist fast noch dreister.

Deswegen: Bitte, liebe Zuschauer, glaubt nicht einfach alles, was euch eure Lieblings-YouTuber sagen, sondern informiert euch auch außerhalb eurer meistgenutzten App. Fragt lieber einmal zu viel nach als einmal zu wenig! Desinformation ist eines der größten Probleme in unserer Gesellschaft und deswegen schadet es nie, sich mehrere Standpunkte anzuhören und auch seine eigene Meinung immer wieder kritisch zu hinterfragen. Nicht nur bei diesem Thema!