Interview

„Ich bin ein Mädchen, rebellisch“

Lina Larissa Strahl
Mit ihrem dritten Album „Rebellin“ möchte Lina Larissa Strahl endlich die Bibi Blocksberg ablegen.
Von Tessniem Kadiri

Lina Larissa Strahl stand schon mit ihren eigenen Songs in der Öffentlichkeit, da war noch keine einzige Szene des „Bibi & Tina“-Films gedreht. Trotzdem blieb sie für viele immer die Bibi Blocksberg aus dem Kino. Das will sie nun mit ihrem Album „Rebellin“ ändern, wie sie im Interview erzählt.

Wusstest du schon immer, dass Musik das ist, was du machen willst?

Was heißt das, „was ich machen wollte“? Als 9-Jährige hatte ich ja noch nicht so große Pläne und als 15-Jährige eigentlich auch nicht. Aber wenn ich mich hätte entscheiden müssen, dann wäre es auch damals schon die Musik gewesen und so ist es ja jetzt auch. Klar, die Filmerfahrungen waren cool, und da möchte ich auch weiterhin dranbleiben, aber Musik ist halt mein Ding.

Lina Larissa Strahl
(c) Anne Wilk

Hast du dich nach deiner ersten Musikerfahrung bei „Bibi Blocksberg“ durch Castings gearbeitet oder was hast du dann so gemacht?

Nö, ich wurde einfach für Castings angefragt. Ich habe noch eine Disneyserie gedreht, einen Disneyfilm synchronisiert und eine Werbung gedreht. Aber dadurch, dass ich in den letzten drei Jahren so viel an meiner Musik gearbeitet habe, hatte ich nicht viel Zeit zu schauspielern.

Und genau über diese drei Jahre Musikarbeit möchten wir etwas wissen. Erzähl mal ein bisschen über das, an dem du gearbeitet hast.

Mein neues Album kommt raus am 9. November. Ich freue mich schon sehr darauf und bin sehr gespannt, wie es ankommt. Es ist auf jeden Fall das erwachsenste von meinen drei Alben. Ich habe aber sehr viel Vertrauen in die Sache an sich und freue mich vor allem schon auf meine Deutschlandtour. 16 Städte, glaube ich. Das wird alles sehr, sehr cool: ein bisschen rebellieren!

Was steckt hinter diesem Rebellieren?

Der erste Song, den wir veröffentlicht haben, heißt ja „Rebell“, und das war auch der erste Song, der stand. Dann haben wir uns irgendwann überlegt, nachdem alle Songs fertig waren und das Album fast abgeschlossen war, wie das Album heißen soll. Wir sind dann am Ende zu der „Rebellin“ gekommen, weil das die Thematik ziemlich gut umschreibt. Ich bin ein Mädchen, rebellisch und ich möchte mit meinem Album etwas aussagen. Den Leuten da draußen sagen: Hängt mal ein bisschen weniger am Handy ab und genießt einfach nur euer Leben.

Soll das Rebellieren und die Tatsache, dass das Album etwas erwachsener ist, auch heißen, dass du dich mit diesem Album ein wenig änderst?

Nein, was ganze Neues ist mein drittes Album auf jeden Fall nicht. Das würde auch gar nicht passen, weil mir das, was ich auf den letzten zwei Alben schon gemacht habe, immer noch gefällt. Das Rebellische ist auf unsere momentane Situation im Social-Media- Bereich bezogen, wo nur Geld gemacht wird und mit bösen Absichten Freundschaften geschlossen werden. Musikalisch habe ich mich eher so verändert, dass ich echt noch mal eine Schippe daraufgelegt habe. Für mich privat ist eigentlich der nächste Schritt, dass ich jetzt auch wirklich als Musikerin angesehen werden möchte und nicht als die, die mal Bibi Blocksberg gespielt hat.

Heißt das, du möchtest dich jetzt wirklich nur auf Musik konzentrieren?

Na ja, ich bin ja jetzt seit drei Jahren nur mit meiner Musik beschäftigt. Mal gucken, was nächstes Jahr kommt. Die Schauspielerei möchte ich da nicht komplett raushalten, weil ich auch schon Projektanfragen und Sachen in Aussicht habe. Ich möchte eigentlich einfach nur gerne, dass man mich als Lina, die Musikerin sieht und nicht als „Bibi Blocksberg macht Musik“. Das nervt nach einiger Zeit.

Für mich bin ich einfach ich und ich mache halt diesen Job.

Lina, Sängerin und Schauspielerin

Wie ist das denn so, wenn man sich aus einer früheren Rolle „rausarbeiten“ muss?

Ich habe einen ganz anderen Blickwinkel auf die Situation, weil ich selbst die Person bin, um die es sich dreht. Von außen zugucken konnte ich nicht und habe das deswegen auch ganz anders wahrgenommen. Wenn man selber drinsteckt, egal ob es um eine Rolle geht oder um die Musik, dann kannst du nicht von oben draufgucken. Es ist deswegen sehr schwer, das zu beurteilen. Für mich bin ich einfach ich und ich mache halt diesen Job.

Warum möchtest du trotzdem nach außen hin signalisieren, dass du „nicht nur“ Bibi Blocksberg bist?

Ich mag es nicht, dass man sich so viel Mühe mit seiner Musik gibt und trotzdem so runtergehandelt und runtergespielt wird. Von wegen, das ist ja die gleiche Leier, das ist ja nur wieder die gleiche Musik wie bei „Bibi Blocksberg“, obwohl das eine gar nichts mit dem anderen zu tun hat. Das ist meine eigene Sache, für die ich seit mehreren Jahren einstehe. Deswegen rebelliere ich auch seit einiger Zeit ein bisschen privat … dafür, dass ich Lina bin und auch als Lina wahrgenommen werde. Ansonsten geht mein Album aber viel mehr an all die Leute da draußen und dafür, dass die für sich selber einstehen.

Was ist das Stückchen Lina in deiner Musik, die deine Musik anders macht als die „Bibi Blocksberg“-Musik?

Man muss sich das so vorstellen: Im Film ist die Musik schon fertig geschrieben und es gibt eine Vorlage, wie es gesungen werden muss. Und dann singst du das so. Eigene Musik schreibst du selber, du entwickelst ein paar Monate lang einen Song und steckst da viel Arbeit und Liebe rein. Musik vom Film hat ja nicht wirklich was mit dir zu tun: Als Rolle bringst du ein Lied rüber und das ist dann vielleicht gut gesungen, aber das ist auch alles.

Titelbild: Anne Wilk

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Meine Mutter sagt immer, dass ich spreche bevor ich nachdenke. Wahrscheinlich schreibe ich deswegen auch so gerne. Manchmal hat man so viele Gedanken im Kopf, dass die richtigen Worte länger brauchen, als der Mund sie ausspricht. Genau diese richtigen Worte versuche ich seit einiger Zeit bei funky zu Papier zu bringen. Zeitungen waren zwar nie mein Ding, aber als ich über die Jugendredaktion gestolpert bin, habe ich eine Zeitung gefunden, die ich auch gerne lese. Deswegen schreibe ich für funky: Damit ich morgens etwas anderes zum Lesen habe, als die Rückseite der Cornflakesschachtel.