Luca Witzke ist Profi-Handballer. Über ein zweites Standbein will er sich erst später Gedanken machen, wie er uns im Interview erzählt.
Von Anna Schlicker

Luca Witzke ist 19 Jahre alt und Profi-Handballer beim Zweitligisten TuSEM Essen sowie Spieler der U-20-Handball-Nationalmannschaft, mit der er bei den Europameisterschaften Bronze holte. Wir sprachen mit ihm über seinen Erfolg und die Zukunft.

Erst einmal herzlichen Glückwunsch zum Gewinn der Bronzemedaille. Die Europameisterschaft ist nun einige Wochen her. Hast du den Erfolg schon realisiert?

Zu Beginn war es schon etwas schwieriger. Aber seit einer Woche, seit ich wieder beim Training eingestiegen bin, habe ich schon realisiert, dass wir den dritten Platz bei einer Europameisterschaft geholt haben. Jetzt muss ich mich wieder auf den TuSEM Essen konzentrieren.

Und was bedeutet der Erfolg für dich persönlich?

Das ist für mich persönlich schon ein Riesenerfolg, mit der Nationalmannschaft bei einem internationalen und gut besetzten Turnier die drittbeste Nation zu werden. Ich habe auch selber für mich viele Erfahrungen mitgenommen, die mir helfen, mich weiterzuentwickeln.

Hat sich seitdem in deinem Leben etwas verändert?

Außer vielleicht, dass ich jetzt eine Medaille mehr am Schrank hängen habe, hat sich sonst nichts großartig verändert. (lacht)

Die Nationalmannschaft hat weniger Trainingszeit als die Vereinsmannschaften. Wie bereitet ihr euch auf eine Europameisterschaft vor?

Beim Deutschen Handballbund (DHB) finden in der Saison einzelne Lehrgänge von montags bis freitags statt. Wenn die Saison beendet ist, bereiten wir uns intensiver auf diese Turniere vor. Wir sind dann ungefähr sechs bis sieben Tage am Stück in verschiedenen Sporthochschulen und werden in die wichtigen Grundlagen und Techniken eingeführt. Zwischen diesen Seminaren waren wir jeweils ein paar Tage zu Hause. Zur perfekten Vorbereitung haben wir Testspiele gegen andere Nationen absolviert.

Wie stellst du dich dabei auf den Spielstil der anderen Spieler ein?

Zu Beginn war es schon anders, weil vor allem in der Abwehr andere Abstimmungen gelten und der Trainer andere Sachen fordert wie beispielsweise neue Spielzüge. Ich musste erst einmal die Mitspieler kennenlernen, was zu Beginn etwas schwieriger war, aber nach dem ersten Lehrgang habe ich mich super reingefunden. Natürlich musste ich mich auch ein bisschen hereinarbeiten, mir die Spielzüge per Video anschauen und auch im Training viel mit den Mitspielern sprechen. Aber das hat bei den Testspielen super funktioniert.

Du warst ja bei der Vorbereitung vom TuSEM Essen größtenteils nicht dabei. Denkst du, das könnte für dich zu Schwierigkeiten zu Saisonbeginn im Spiel führen?

Nein, denke ich nicht, da ich schon die ganze letzte Saison mit fast dem kompletten Team gespielt habe. Dieses Jahr sind ein paar Neuzugänge dabei, aber ich kenne die Abläufe, die Abwehr und bin sehr vertraut mit den Mitspielern. Deswegen wird es überhaupt keine Probleme bei den ersten Spielen geben, auch wenn ich einen Teil der Vorbereitung verpasst habe. Aber die letzte Woche war schon sehr intensiv, da habe ich mich schon mit den neuen Spielern „eintrainiert“.

Das FSJ im Olympia-Stützpunkt Rhein-Ruhr war sehr interessant.
Luca Witzke, Handballer

Du hast im letzten Jahr ein FSJ absolviert. In welchem Bereich war das?

Das war beim Olympia-Stützpunkt Rhein-Ruhr. Dort werden verschiedene SpitzensportlerInnen, die für Deutschland an Turnieren teilnehmen, betreut. Da habe ich mich um das Gesundheitswesen gekümmert, war bei sportlich-medizinischen Untersuchungen und bei Sporttestungen dabei, wo unter anderem Schnelligkeit, Kraft und so weiter gefordert werden. Das war sehr interessant.

Weißt du schon, was du später mal machen möchtest?

Ich möchte auf jeden Fall ein Studium beginnen, bin allerdings noch etwas hin- und hergerissen zwischen BWL und Sport auf Lehramt. Daher konzentriere ich mich jetzt erst einmal ein halbes Jahr nur auf den Handball und entscheide dann, was ich als zweites Standbein aufbauen möchte.

Denkst du, dein Studium und deine Handballkarriere könnten in Zukunft miteinander kollidieren?

Nein, im Endeffekt denke ich, dass ich das schon hinkriege. Ich könnte mir vorstellen, dass das Studium dann etwas länger dauert als bei einem Nicht-Leistungssportler. Ich werde in der Woche nicht allzu oft in der Uni sein können wie andere Studenten, aber ansonsten sehe ich da jetzt keine großen Probleme.

Und wie sehen deine sportlichen Ziele für die Zukunft aus?

Natürlich möchte ich in den nächsten zwei Jahren mit dem TuSEM Essen viel erreichen. Man weiß schließlich nie, wo es in der Liga hingeht, und wir wollen so weit wie möglich nach oben. Mein klares Ziel ist es auf jeden Fall, in der Zukunft in der 1. Liga zu spielen, vielleicht auch mit dem TuSEM Essen. Und natürlich möchte ich auch nächstes Jahr mit der U-20-Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft teilnehmen.

Titelbild: Luca Witzke und Jannek Klein bei der EM (c) dpa / Marco Wolf