Die Serie „Tote Mädchen lügen nicht“ erhitzt auch mit der zweiten Staffel die Gemüter. Unsere Autorin hat dazu eine klare Meinung.

Von Anastasia Barner

Verstörende Bilder, Selbstmord fördernd und schockierend. All das trifft auf die erste sowie die neu erschienene zweite Staffel von „Tote Mädchen lügen nicht“ zu. Wer empfindlich ist oder gar selbstmordgefährdet, sollte diese Serie nicht schauen, wird am Anfang jeder Folge gewarnt. Doch welcher Teenager nimmt so was ernst?

Jetzt fordern auch Jugendpsychologen und der Elternverband Parents Television Council (PTC) Netflix dazu auf, „Tote Mädchen lügen nicht“ von der Plattform zu nehmen, und darüber hinaus, dass die Serie verboten wird. Erst fand ich das Verbot nicht gerechtfertigt, änderte aber schlagartig meine Meinung, nach dem ich die zweite Staffel angesehen habe.

Das brutale Kino in meinem Kopf lässt sich nicht mehr löschen.

(Achtung Spoiler) Besonders die letzte Folge ist verstörend. In den Minuten 38 bis 42 wird eine angeblich realistische Szene aus dem High-School-Alltag gezeigt. Aber wie oft wird ein Schüler auf der Herrentoilette mit einem Besen anal vergewaltigt und mit dem Kopf ins Wasserklosett gedrückt? Das brutale Kopfkino, was sich dabei bei mir abspielte, lässt sich kaum löschen.

Das Ziel der Serie ist, Aufmerksamkeit auf Themen wie Selbstmord, Mobbing und Vergewaltigung zu lenken, doch setzt komplett falsch an. Der Selbstmord von der Hauptdarstellerin Hannah wird als „Erlösung“ für sie dargestellt und als einziger Ausweg aus dem Mobbing und nach einer Vergewaltigung durch einen Mitschüler.

Die Schauspieler sind unglaublich begabt, wenn es darum geht, darzustellen, wie eine Person zerbricht. Möchte man allerdings Zeuge davon sein, wie verschiedene High-School-Schüler an ihre Grenzen geraten und sich selbst aufgeben?

Da schaue ich lieber noch einmal Gossip Girl.

Am Set gab es für die Darsteller extra Therapiehunde, unter einem Foto der Instagram-Seite „Faktastisch“ wird deswegen kontovers diskutiert. Gegen die Serie sprechen einige User: „Und wo ist mein Therapiehund, ich konnte die ganze Nacht nicht schlafen, ich bin traumatisiert“, „Sch*** Serie, macht psychologisch ALLES falsch, was man falsch machen kann“ und „Bald machen die Schauspieler auch Kassetten“.

Meiner Meinung nach überschreitet die Serie trotz Warnung viele Grenzen. Laut einer Studie eines Forschungsteams in den USA soll sie sogar das Interesse an Suiziden erhöht haben, statt nur den Fokus darauf zu lenken. Ich finde, eine Serie sollte niemanden dazu inspirieren, nach Selbstmordmethoden zu suchen. Da schaue ich mir lieber noch einmal „Gossip Girl“ an.

 

Titelbild: Beth Dubber/Netflix