Warum Frauen und Fußball schon längst zu einem Wort verschmolzen ist und Mädchen nicht nur tanzen und kreischen.

Von Nils Müller, BBA – Akademie der Immobilienwirtschaft Berlin

„Wo spielst du?“, ist wahrscheinlich eine der am häufigsten gestellten Fragen auf dem Pausenhof in der Grundschule, wenn mal wieder in der Pause Fußball gespielt wird. Gemeint ist dabei die Frage, in welchem Fußballverein der Klassenkamerad spielt. Es wird also fast immer vorausgesetzt, dass Jungen Fußball spielen. Viel seltener hingegen richtet sich diese Frage an ein Mädchen. Sind diese Klischees denn immer noch so aktuell – Jungen spielen Fußball und Mädchen tanzen und kreischen?

Überhaupt nicht. Schon längst hat sich der deutsche Frauenfußball etabliert. Die Frauenfußballnationalmannschaft hat die Weltmeisterschaft gewonnen. Und auch immer mehr Berliner Vereine bieten Mädchen- und Frauenmannschaften an, es gibt sogar einige reine Mädchenvereine.

Aus der AG wird eine Mannschaft

Uta Havenstein ist die Trainerin der E- und D-Mädchenmannschaften des 1.FFV Spandau, in denen Mädchen von ungefähr acht bis zwölf Jahren spielen. Sie erzählt, dass die Nachfrage in diesen Mannschaften zurzeit sogar so groß sei, dass immer wieder Trainer gesucht werden. Havenstein ist gleichzeitig Grundschullehrerin und hat zunächst eine Mädchenfußball-AG an ihrer Schule aufgebaut. Das Training hat den jungen Spielerinnen so viel Spaß gemacht, dass sie öfter als einmal in der Woche trainieren und auch mal gegen andere Mannschaften spielen wollten. Daraufhin begann Uta Havenstein mit der Vereinsarbeit.

Zu dieser Zeit gab es in dem Verein allerdings gar keine Mädchenmannschaft, sondern nur eine Frauenmannschaft. Trotzdem fanden sich sehr schnell einige Spielerinnen. Seitdem hat Uta Havenstein dieselben Gedanken und Sorgen wie jeder andere Jugendtrainer auch, egal ob von einer Jungen- oder von einer Mädchenmannschaft: Spieler bzw. Spielerinnen, die ohne vorher abzusagen nicht zum Training kommen, Verletzungen, Jubelschreie nach gewonnenen Spielen, übertrieben ehrgeizige Eltern, die ihr Kind maßlos überschätzen.

Die Frauen stehen den Männern in nichts nach

Warum wird zwischen Mädchen- und Jungenfußball denn dann überhaupt so stark unterschieden? Es gibt schließlich zahlreiche Sportarten, die nicht geschlechtergetrennt betrieben werden. Vielleicht liegt das zum einen daran, dass Fußball nun mal ein Kultsport in Deutschland ist. Wenn es heißt „Im Sommer findet wieder die Fußball-WM statt“, ist damit tatsächlich heutzutage immer noch ausschließlich der Männerfußball gemeint. Wenn dann doch einmal die Frage aufkommt, ob man denn Frauenfußball gucke, hört man als Antwort nicht selten: „Ach nee, das ist mir immer zu chaotisch.“ In den meisten Köpfen wird Frauenfußball also als eine ganz andere Sportart abgebucht, die zudem zweitrangig zum Männerfußball verläuft.

Dabei ist Frauenfußball alles andere als chaotisch. Ist man einmal Zuschauer der Frauenfußballmannschaft vom 1.FFV Spandau, so sieht man klare Spielzüge, ehrgeizige Spielerinnen und starke Läufe. „Klar, wenn die Spielerinnen noch sehr jung sind, ist das oft ein ziemliches Durcheinander“, erzählt Havenstein aus ihrer Erfahrung. Das liegt jedoch auch daran, dass Jungen heute immer noch ganz anders an Fußball beziehungsweise an Sport im Allgemeinen herangeführt werden. Denn spielt der beste Freund Fußball, da muss man natürlich auch Fußball spielen. Da guckt der Papa samstags immer die Bundesliga, dann guckt man natürlich mit und freut sich, wenn Hertha BSC gewinnt. Es wird oft schon früh eine ganz andere Leidenschaft für Fußball entwickelt. Vielleicht zeigen sich die Klischees vom tanzenden oder reitenden Mädchen und dem Fußball spielenden Jungen in dieser Zeit trotzdem am schwächsten, weil sie reine Erziehungssache sind.

Denn eigentlich findet man es als Junge in der Grundschule schon ganz cool, wenn die Mädchen in der Pause mitspielen und dann auch noch richtig gut sind – natürlich nur, solange sie nicht ein Tor gegen die eigene Mannschaft schießen.