Kleider aus Schafwolle: Unbedenklich oder grausam?

Schaf mit offenem Mund
Schaf mit offenem Mund (c) pexels.com

„100 Prozent Schafwolle“ klingt harmlos bis nachhaltig. Doch oft verbirgt sich unter dem Fell eine schockierende Leidens-Geschichte.

Von Finja Reinisch, Klasse 9d, Gymnasium Meiendorf, Hamburg

Shoppen zu gehen ist heutzutage bei uns – besonders bei Jugendlichen – sehr beliebt. Viele bezeichnen es sogar als Hobby. Aber wissen wir eigentlich, welche Folgen unser Kleider-Kauf hat? Über die schlechten Arbeitsbedingungen für die Arbeiterinnen und Arbeiter wissen die Meisten Bescheid. Aber einige Dinge sind nur Wenigen bekannt – zum Beispiel das Geschäft mit der Schafwolle.

So oder so zur Schur?

Viele Kleidungsstücke sind aus Schafwolle gefertigt. Das klingt erst einmal umweltfreundlich und artgerecht. Schafe werden doch sowieso geschoren, oder? Es stimmt, dass eine Schur für Schafe grundsätzlich kein Problem darstellt. Allerdings ist die Kleidung aus Schafwolle, die wir tragen, trotzdem oft mit großem Leid verbunden. Aber warum?

Woher kommt die Wolle?

Die Schafe, die man hier in Deutschland so sieht, stehen meistens entspannt auf einer Wiese und fressen Gras. Die Wolle, die zu unserer Kleidung verarbeitet wird, stammt jedoch hauptsächlich von Schafen, die in China, Neuseeland und Australien gehalten werden. Die Wolle von den bei uns heimischen Schafen ist sehr grob. Deshalb verwenden wir sie nicht für Kleidung, sondern zum Beispiel zum Dämmen von Häusern. Die Schafe, deren Wolle für die Textilproduktion benutzt wird, werden jedoch meistens unter grausamen Bedingungen gehalten.

Hitzschlag und tödlicher Madenbefall

Zum Beispiel werden Merinoschafe so gezüchtet, dass sie eine sehr faltige Haut haben und dadurch mehr Wolle tragen. Einige Schafe sterben durch dieses unnatürlich dicke Fell an einem Hitzschlag. Andere erkranken an der Fliegenmadenkrankheit, da sich Larven unter der Haut einnisten. Dies führt zu einem schmerzhaften Tod.

Die Schur ist kein Vergnügen

Auch die Schur selbst stellt einen qualvollen Prozess für die Tiere dar, denn niemand achtet dabei auf die Bedürfnisse der Tiere. Es muss sehr schnell gehen. Dadurch werden einige Arbeitsschritte grob und unvorsichtig ausgeführt und die Schafe müssen viel Leid ertragen. Hinzu kommt, dass die Arbeiter oft nicht richtig ausgebildet sind.

Tierfreunde sollten Alternativen kennen

Leider ist es nahezu unmöglich, sich verlässlich über die Haltungs-und Herkunftsbedingungen der Schafe zu informieren, deren Wollen wir tragen. Wenn man Tierquälerei nicht unterstützen möchte, sollte man deshalb möglichst auf alle Textilien tierischen Ursprungs verzichten. Nicht nur Schafe müssen für die Kleidungsproduktion leiden. Es gibt glücklicherweise viele Alternativen, die man anstelle von Schafwolle oder Leder tragen kann. Dazu gehören Baumwolle, Polyester, Nylon und Leinen.

Für Tierfreunde lohnt es sich also, vor dem Kleidungskauf mal einen Blick auf das Etikett zu werfen. Man sollte das Kleidungsstück nur dann zu kaufen, wenn sichergestellt ist, dass kein Tier dafür leiden musste.

Beitragsbild: pexels.com

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Von Reinickendorf bis Bochum, von Fulda bis Ottensen – überall schreiben Schülerinnen und Schüler Artikel über das, was um sie herum passiert. Jeder und jede aus ihrer eigenen Sichtweise, mit eigener Meinung und eigenem Schwerpunkt. Bei all den Unterschieden eint sie, dass sie mit ihrer Klasse an MEDIACAMPUS teilnehmen, dem medienpädagogischen Projekt der Funke Mediengruppe. Das erlernte Wissen wenden sie dann praktisch an, indem sie erste journalistische Texte schreiben. Auf funky können sie die Früchte ihrer Arbeit präsentieren.

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