Deutschrap: Therapie und Sprachrohr für Jugendliche

Mann haelt Mikrofon
Mann haelt Mikrofon (c) pexels.com

Deutschrap ist ein vorurteilsbelastetes Genre. Dabei hat das Hören von Bushido und Co. durchaus positiven Einfluss auf seine Hörer.

Leon Küssner, Klasse 8a, Berlin International School

„Gewalt, Frauenfeindlichkeit, Schwulenhass – Rapper vermitteln unserer Jugend falsche Ideale“. So oder ähnlich liest man es für gewöhnlich in der Zeitung. Und auch von den Eltern muss sich fast jeder zweite Jugendliche derlei anhören, sobald das Thema Rap zur Sprache kommt. Doch woher rührt dieser schlechte Ruf? Und wie sind die scheinbar arroganten, gewalttätigen Gangster in Wirklichkeit?

Schießereien, Mittelfinger und Diskriminierung

Ich selbst bin bekennender Deutschrap-Fan, besitze zahlreiche Fotos mit Bushidos-Autogramm und habe schon so manche Diskussion zu diesem Thema über mich ergehen lassen müssen. Zugegebenermaßen sorgt Rap immer wieder für negative Schlagzeilen. Es geht um tödliche Schießereien zwischen verfeindeten Rappern in Amerika, diskriminierende Texte, brutalste Schimpfwörter oder um Verbindungen von Rappen zu kriminellen Großfamilien. Besonders provokant war auch die Mittelfinger-Aktion von 40 000 Fans des Rappers Casper.

Heimlich harmlos

Alles das sollte man selbstverständlich nicht beschönigen. Doch wir sollten dabei auch nicht vergessen, dass sich die Medien auf solche Geschichten geradezu stürzen, sie hypen und bis ins Letzte ausschlachten. Das enorme Medienecho auf jede vermeintliche Schandtat der Rapper provoziert in gewisser Weise sogar, dass sich die Rapper mit ihren Sprüchen und Aktionen gegenseitig hochschaukeln. Wer aber weiß, dass Kollegah, der derzeit vielleicht erfolgreichste deutsche Rapper, ein abgeschlossenes Jurastudium hat? Oder dass viele Songs zu Gewaltlosigkeit aufrufen?

Vorreiter des Deutschraps

Im Vergleich zu den Vereinigten Staaten spielte Rap in Deutschland lange Zeit eine eher untergeordnete Rolle. Erst kurz vor der Jahrtausendwende mischte ein junger ehrgeiziger Mann namens Anis Mohamed Youssef Ferchichi die deutsche Rapperszene auf. Er wurde unter dem Namen Bushido berühmt. Er und sein großer Rivale Sido wurden schnell zu den Symbolfiguren des Deutschraps.

Später schafften es zwei weitere Rapper ins Rampenlicht und eroberten die Herzen von Millionen Fans. Es waren Kollegah und Farid Bang. Mit starken Reimen und sogenannten Disses wurden harte Schimpfwörter zur Normalität. Bereits die Titel ihrer Alben, wie beispielsweise Zuhältertape, Asphalt Massaka oder Killa verrieten den Zuhörern, was sie zu hören bekommen würden.

Rap als Ventil

Aber können solche Alben Jugendlichen nicht auch bei der Bewältigung von Problemen helfen? In einem Interview mit dem Sozialpädagogen Nico Hartung wird diese Frage bejaht. Nico Hartung ist Kenner der Szene und hat das Tuned-Jugendprojekt, eine Werkstatt für Flüchtlinge und Jugendliche mit Rap-Ambitionen, gegründet. Hartungs Meinung nach kann „Rap als Ventil benutzt und damit Probleme bearbeitet werden“. Er selbst habe Jugendliche kennengelernt, die mithilfe des Raps aus Schwierigkeiten herausgekommen sind. Sie haben ihr Deutsch verbessert und sogar mit dem Drogenkonsum aufgehört.

Rap hat therapeutsichen Wert

Betrachtet man einige Texte genauer, sieht man, dass das kein Zufall ist. Viele Rapper rufen Jugendliche dazu auf, eben nicht den Drogen zu verfallen. Stattdessen sollen sie ihre Träume verfolgen und an sich glauben. Andere Texte ermuntern dazu, einen Streit nie mit Fäusten, sondern immer mit Worten zu lösen. Eines der besten Beispiele dafür ist das Lied „Du bist Boss“ von Kollegah. Es gibt jedoch auch viele andere Songs mit ähnlicher Botschaft.

Sprachrohr der Jugend

Deutschrap kann zweifelsohne zugleich Sprachrohr und Antenne der Jugend sein. Aggressionen, Schimpfwörter und Beleidigungen provozieren und locken nicht nur die Medien, sondern auch die Fans an. Werden dann jedoch positive Botschaften vermittelt, sind diese umso glaubhafter. Auf alle Fälle lohnt es sich, bei den Texten genauer hinzuhören! Vielleicht lösen sich dann irgendwann die Vorurteile gegenüber Rap von ganz alleine.

Beitragsbild: pexels.com

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Von Reinickendorf bis Bochum, von Fulda bis Ottensen – überall schreiben Schülerinnen und Schüler Artikel über das, was um sie herum passiert. Jeder und jede aus ihrer eigenen Sichtweise, mit eigener Meinung und eigenem Schwerpunkt. Bei all den Unterschieden eint sie, dass sie mit ihrer Klasse an MEDIACAMPUS teilnehmen, dem medienpädagogischen Projekt der Funke Mediengruppe. Das erlernte Wissen wenden sie dann praktisch an, indem sie erste journalistische Texte schreiben. Auf funky können sie die Früchte ihrer Arbeit präsentieren.

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