Jugendliche interessieren sich eh nicht für Politik!? Das ist eine sich selbst erfüllende Prophezeiung, wenn nicht endlich umgedacht wird. Ein Kommentar.

Von Ben Bresgott

In unserem WhatsApp-Kanal läuft gerade ein Wettbewerb für Schulklassen. Eine Aufgabe war, drei Dinge zu nennen, die man als Erstes anpacken würde, wenn man Kanzler wäre. Einzelne Antworten stützen den Text.

Oft beklagen gerade ältere Menschen die angebliche Politikverdrossenheit der Jugend. Dass natürlich nicht alle so denken, ist klar. Dass aber ein großer Teil der Jugend in Bezug auf Politik geradezu desinteressiert ist und sich nicht ernst genommen fühlt, stimmt jedoch. Die Gründe dafür liegen allerdings meist nicht bei den Jugendlichen selbst.

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Einer ist die aktuelle Regierungsbildung in Deutschland. Denn sogar die gewählten Volksvertreter scheinen keinen Konsens zu finden und können sich nicht auf eine Regierung einigen. Wenn also selbst Politiker vor der Komplexität der politischen Situation kapitulieren, wie sollen sich dann junge Menschen dafür begeistern können?

WhatsApp NachrichtDie großen Parteien haben zwar alle Jugendorganisationen, die meist gut organisiert sind und den Einstieg für Neulinge leicht machen. Bei der aktuellen Regierungsbildung sieht man allerdings, dass diese Jugendorganisationen eben kein wirklich großes Gewicht haben. Die Jusos (Jugendorganisation der SPD) beispielsweise nehmen eine klare Gegenposition zur einer Erneuerung der großen Koalition ein, die Meinung der SPD-Basis geht aber eher in die andere Richtung: Koalitionsverhandlung mit der Union. Zu dem Gefühl, dass die Interessen der jungen Generation nicht ernst genommen werden, kommt hinzu, dass viele Themen sehr vielschichtig und komplex sind. Es gibt wenig jugendgerechte Berichterstattung.

Auch der immer rauere Ton in der Politik, nicht zuletzt befeuert durch die AfD, löst eher Kopfschütteln bei jungen Leuten aus. Die häufig von Menschen älterer Generation gemachte Analyse, junge Menschen seien von sich aus politikverdrossen, ist also keinesfalls richtig. Jungen Menschen werden zu wenige Angebote für die Teilhabe an Politik gemacht. Oft haben sie, aus den genannten Gründen, das Gefühl, nicht ernstgenommen zu werden. Fast allen ist ihre Zukunft selbstverständlich nicht egal!

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Gegenströmungen gibt es nämlich auch. Die Polarisierung der Gesellschaft erreicht auch die Jugend. Viele bringen sich ein, diskutieren im schulischen Umfeld oder auch innerhalb ihrer Familien, bilden sich eine Meinung. Auch Jugendzentren, in denen beispielsweise Diskussionsrunden stattfinden, tragen dazu einen großen Anteil bei.

WhatsApp NachrichtUm die Jugend in Zukunft mehr für Politik zu begeistern, muss also ein Umdenken stattfinden.

Die Belange junger Menschen müssen höher gewichtet werden. Jugendliche wollen und müssen sich ernst genommen fühlen. Nur so erreicht man, dass auch Verdrossene ihr Interessen für die politische Situation wiederfinden, sich aktiv eine Meinung bilden und politisch beteiligen. Immerhin sind junge Menschen die Zukunft, die, die die Entscheidungen von morgen treffen. Und es wäre fatal, wenn viele die Bedeutung der eigenen Meinung und damit letztendlich die Demokratie nicht zu schätzen wüssten.

Schüler demonstrieren

Schüler demonstrieren am 11.12.2017 in Kassel (Hessen) gegen immer höhere Kosten für Bildungsmaterial und gegen den Verfall ihrer Schulen. Das Bündnis «Unsere Zukunft erkämpfen» hatte zu den Protesten aufgerufen. Foto: Uwe Zucchi/dpa

Titelbild: Uwe Zucchi/dpa