Interview

Wie wird man mit sich selbst glücklich? Solitude-Influencerin Joey Humbs im Gespräch

Person allein auf Steg
Wie schafft man es, mit sich glücklich zu sein?
Marie Wilken, funky-Jugendreporterin

Studien belegen regelmäßig, dass Jugendliche immer einsamer werden. Neben wichtigenLebensumbrüchen und gesellschaftlichen Krisen und werden auch die sozialen Medien als Grund dafür genannt. Doch manchmal schaffen sie auch Sichtbarkeit für das Thema: Joey Humbs ist 31 Jahre alt, kommt aus Bayern und teilt auf Instagram sogenannten Solitude-Content. Darin spricht sie unter anderem darüber, wie man glücklich wird und dass es okay ist, allein zu sein. Im Gespräch erzählt sie, wie sie an diesen Punkt gekommen ist und wo sie Grenzen setzt.

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Liebe Joey, du sprichst auf Social Media viel darüber, wie du glücklich geworden bist. Was ist für dich ein glückliches Leben?
Joey Humbs: Ein glückliches Leben bedeutet für mich nicht, jeden Tag gleich glücklich aufzuwachen. Es bedeutet, ein Leben zu führen, vor dem ich nicht ständig flüchten möchte. Glück hat für mich viel mit innerer Ruhe, Freiheit und Dankbarkeit für die kleinen Dinge zu tun und damit, ehrlich zu mir selbst zu sein, wenn etwas in meinem Leben nicht mehr passt.

Wie hast du es geschafft, das Leben aus dieser Perspektive zu sehen?
Ich habe angefangen, mich viel weniger zu fragen, wie mein Leben von außen aussieht, und viel mehr, wie es sich für mich anfühlt. Früher war mir sehr wichtig, was andere über mich denken. Heute frage ich mich, was ich eigentlich wirklich will und wer ich bin.

Was ist für dich der Unterschied zwischen „allein sein“ und „einsam sein“?
Meine Lieblingsantwort auf diese Frage ist: Das Gegenteil von Einsamkeit ist nicht Gesellschaft, sondern Verbundenheit. Verbunden kannst du mit dir selbst, mit deinem Leben, einer Aufgabe, mit einem Tier oder auch mit Menschen sein. Einsamkeit ist ein Gefühl, das man auch unter Menschen haben kann. Deshalb bedeutet Einsamkeit einfach nur, dass du dich von anderen, der Welt und dir selbst getrennt fühlst. Deshalb kann ich heute sehr gut alleine sein, ohne mich einsam zu fühlen. Und umgekehrt habe ich früher Situationen erlebt, in denen viele Menschen um mich herum waren und ich mich trotzdem sehr einsam gefühlt habe.

Fühlst du dich manchmal immer noch einsam?
Zum Glück nicht mehr auf dieselbe Art wie früher und nur ganz selten. Aber ich glaube, ab und zu ein bisschen Einsamkeit in manchen Situationen gehört zum Menschsein dazu und verschwindet nicht einfach. Aber heute ist die Qualität des Gefühls ganz anders als früher und vereinnahmt mich nicht mehr.

Du zeigst dich als glücklich Alleinstehende. Warum möchtest du vermitteln, dass man niemanden für ein erfülltes Leben braucht?
Weil ich lange das Gefühl hatte, eine Partnerschaft wäre der Beweis dafür, dass im Leben alles „richtig“ läuft. Eine Beziehung kann bestimmt schön sein, aber sie sollte mein Leben bereichern und nicht die Voraussetzung dafür sein, dass ich überhaupt glücklich sein darf.

Wie hat sich dein Blick auf Beziehungen geändert, seitdem du gelernt hast, alleine glücklich zu sein?
Ich habe viel weniger Angst davor, jemanden zu verlieren. Früher hätte ich viel mehr ausgehalten oder mich angepasst. Heute weiß ich: Ich habe auch ohne Partnerschaft ein erfülltes Leben. Dadurch darf ein Partner wirklich ein Zusatz sein und nicht jemand, den ich brauche, damit mein Leben funktioniert.

Wie hast du es geschafft, so auf das Thema Beziehungen zu schauen?
Ich glaube, mein Blick auf Beziehungen hat sich vor allem dadurch verändert, dass ich mir außerhalb einer Partnerschaft ein Leben aufgebaut habe, das mich wirklich erfüllt. Früher war ich der Meinung, dass eine Beziehung irgendwann das fehlende Puzzleteil ist, damit ich wirklich glücklich sein kann. Jetzt weiß ich, dass ich selbst dieses fehlende Teil war und mein Leben auch ohne Partnerschaft vollständig und erfüllt sein kann.

Gibt es Momente, in denen du dir trotzdem eine Partnerschaft wünschst?
Ja, aber sehr selten. Ich bin glücklich als Single, aber das bedeutet nicht, dass ich Liebe oder Partnerschaft grundsätzlich ablehne. Wenn mir irgendwann jemand begegnet, mit dem sich mein Leben noch schöner anfühlt, bin ich wahrscheinlich offen dafür. Ich will nur keine Beziehung führen, bloß damit ich sagen kann, dass ich eine habe.

Wie gehst du damit um, wenn dich Menschen aufgrund deiner Videos beurteilen?
Heute deutlich gelassener als früher. Natürlich gibt es ab und zu Kommentare, die mich kurz treffen können. Aber ich mache mir immer wieder bewusst, dass Menschen im Internet immer nur einen kleinen Ausschnitt von mir sehen. Ich muss nicht dafür sorgen, dass jeder meine Entscheidungen versteht oder gut findet. Je mehr ich hinter mir selbst stehe, desto weniger Macht hat die Meinung eines Fremden über mich.

Gibt es Themen, bei denen du heute viel konsequenter Grenzen setzt?
Ja. Vor allem bei Menschen und Situationen, bei denen ich merke, dass ich mich ständig kleiner machen, rechtfertigen oder verbiegen müsste. Eine Grenze heißt nicht, dass ich jemanden nicht mag oder ablehne. Jede Grenze ist ein Ja zu mir selbst. Solche Menschen dürfen gehen, wenn sie möchten.

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