Filmfestivals online – eine Alternative?

Aufgrund des Coronavirus fand das Human Rights Film Festival dieses Jahr auch online statt. Konnte die Veranstaltung in digitaler Form überzeugen? Und ist Streaming vielleicht sogar die Zukunft der Filmfestivals? Ein Erfahrungsbericht.

In der letzten Woche habe ich am Human Rights Film Festival teilgenommen, das in diesem Jahr aufgrund der Coronapandemie überwiegend online stattfand. Seitdem die Kinos im Zuge des weltweiten Lockdowns reihenweise ihre Türen schließen mussten, wird immer wieder diskutiert, ob die Zukunft der Branche im Streaming liegt. Auch Filmfestivals könnte es beispielsweise nur noch in digitaler Form geben. Ist das der richtige Weg?

Ich war dieses Jahr zum ersten mal beim Human Rights Film Festival dabei und kann daher keinen Vergleich zum letzten Jahr ziehen. Dennoch hat mir die Online-Variante sehr gut gefallen. Zwar gestaltete sich der Beginn bei mir etwas holprig – so hat es etwas gedauert, bis ich das etwas eigenwillige Buchungsverfahren verstanden hatte und mir einen Account erstellen konnte. Doch nachdem das einmal erledigt war, konnte ich den Rest des Festivals ganz unkompliziert genießen.

Gemütlich vom Sofa aus Filme schauen

Natürlich ist es ein komplett anderes Gefühl, einen Film zuhause auf dem Sofa zu schauen und nicht auf einer großen Leinwand im Kino. Doch daheim zu sein hat auch Vorteile: Mal kurz pausieren um etwas zu essen zu holen? Kein Problem. Trotzdem  könnte ich mir aber vorstellen, dass manche Menschen die besondere Stimmung im Kino vermissen.

Grundsätzlich ist ein Online-Festival natürlich anfälliger für technische Probleme: Schwierigkeiten mit der Website oder ein Abfall der Streamingqualität etwa können einem das Filmvergnügen ganz schön verderben. Das Human Rights Film Festival konnte jedoch ohne solcherlei Vorfälle stattfinden.

Mehr Teilnehmer durch Streaming

Durch die Möglichkeit, sich die Filme auch online anzusehen, erreichen Festivals automatisch ein viel größeres Publikum. Das ist ein wirklicher Pluspunkt. Ich zum Beispiel hätte am Human Rights Film Festival nicht teilnehmen können, da es eigentlich nur in Berliner Kinos stattfindet. Einzige Voraussetzung für die Teilnahme ist eine stabile Internetverbindung.

Den vielen Vorteilen des Streamings kann man zwar entgegenhalten, dass der hierbei anfallende Energieverbrauch schädlich für die Umwelt ist. Andererseits jedoch würden viele der Gäste vielleicht lange Strecken mit dem Auto zurücklegen um zum Kino zu kommen, wodurch es sich am Ende wohl auch wieder ausgleichen dürfte.  

Zu kurzes Zeitlimit

Was mir am Human Rights Film Festival nicht so gut gefallen hat, war dass einem für das Anschauen der Filme ein zeitliches Limit von nur 24 Stunden gegeben wurde. Zwar kann ich verstehen, warum solch eine Begrenzung sinnvoll ist. Dennoch waren mir 24 Stunden deutlich zu kurz, da manche der Filme mit einer Laufzeit von mehr als drei Stunden doch etwas lang waren. Einige Filme wurden außerdem nur mit englischen Untertiteln gezeigt. Beides macht das Schauen anstrengender, sodass es schön gewesen wäre, den Film zum Beispiel an zwei Abenden hintereinander ansehen zu können.

Nichtsdestotrotz hat mir das Human Rights Film Festival sehr gut gefallen. Auch in Zukunft könnte ein Online-Angebot meiner Meinung nach eine sinnvolle Erweiterung für Filmfestivals darstellen, da diese dadurch viel mehr Menschen erreichen. Und auch wenn rein digitale Veranstaltungen sicherlich nie Filmvorführungen im guten alten Kinosaal verdrängen werden, so könnte Streaming doch durchaus eine überaus sinnvolle Ergänzung zur traditionellen Leinwand sein.

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Ema Klahn

Es macht mir unglaublich viel Spaß, meine Meinung und meine Recherchen mit euch zu teilen. Nach einigen Stunden Arbeit den fertigen Artikel vor mir oder eine Woche später sogar in der Zeitung zu sehen, macht mich jedes Mal unglaublich stolz und glücklich. Meine Lieblingsthemen sind Politik und alles was mit Gesellschaft und Umwelt zu tun hat.