„Nola – Your Health Coach“: eine App wie ein Physiotherapeut

Eine Frau joggt im Gruenen und hat Kopfhoerer im Ohr (c) Pixabay
Mit der medizinischen App „Nola" kann man auch nach der Physiotherapie gesund Sport machen. (c) StockSnap via Pixabay
Sicher hat jeder schon den Spruch gehört: „Dafür gibt es eine App“. Mit „Nola – Your Health Coach“ kannst du sogar Schmerzen verringern und fitter werden.
Von Greta Rinke, Klasse 8g, Gymnasium Essen-Überruhr

Für viele sind Apps heute schon ein Ansporn, sich mehr zu bewegen, sich gesünder zu ernähren und Apps unterstützen zum Beispiel auch bei der regelmäßigen Einnahme von Medikamenten. Doch bei mehr als 100.000 Gesundheits-Apps ist es für Bürger, aber auch für Ärzte nicht einfach, zwischen guten und schlechten Angeboten zu unterscheiden.

E-Health, also die Digitalisierung im Gesundheitswesen, ist momentan in aller Munde. „Nola – Your Health Coach“, die App gegen Schmerzen ist seit Kurzem auf dem Markt. Ich sprach mit Christoph Kaminski. Er ist langjährig erfahrener Physiotherapeut, Personal Trainer im Profisport und Gründer von „Nola“.

Herr Kaminski, was unterscheidet „Nola“ von den anderen Gesundheits-Apps?

„Nola“ ist ein Medizinprodukt, das über einen längeren Zeitraum entwickelt wurde. Dieses Qualitätsmerkmal unterscheidet die App von den meisten anderen. Die Inhalte von „Nola“ müssen wissenschaftlich untersucht worden sein, anders als bei einer normalen Fitness-App, die niemand kontrollieren muss. Bei einem Medizinprodukt wie Nola wird geschaut, ob zum Beispiel die Übungen, die der Nutzer macht, sicher sind. Bei einer normalen Fitness-App schaut keiner, ob die Übungen sicher sind oder sogar gefährlich für den Nutzer sein könnten. Die Inhalte von „Nola“ basieren auf 20 Jahren echter Praxiserfahrung. Das ist einer der entscheidenden Unterschiede.

Ist „Nola“ für alle Altersgruppen geeignet?

Grundsätzlich ist das so. Die Inhalte werden jedoch über den jeweiligen App-Store geprüft und auf dieser Basis wird entschieden, ab welchem Alter die App freigegeben wird. Bei Apple ist „Nola“ beispielsweise ab zwölf Jahren freigegeben, bei Google hingegen gibt es keine Altersbeschränkung. Die Inhalte wurden so gewählt, dass die App theoretisch ab zehn Jahren genutzt werden kann. Die trainingswissenschaftlichen Inhalte sind von unten nach oben aufgebaut, sodass der Anwender Schritt für Schritt in eine Progression (Steigerung) kommt. Dabei wurde mit größter Sorgfalt berücksichtigt, dass kein gesundheitlicher Schaden entsteht.

Wie kamen Sie auf die Idee?

Die Grundidee ist eigentlich schon im Studium entstanden. Der generelle Gedanke meiner Arbeit war immer, nicht nur akut zu behandeln, sondern insbesondere nachhaltig. Das Problem ist, dass Patienten nur eine begrenzte Anzahl an Physiotherapie-Einheiten verschrieben bekommen. Es wurden viele Patienten in den letzten Jahren nach der Therapie alleine gelassen. Ich habe mir oft die Frage gestellt, wie man diesen Menschen helfen könnte. Und so ist dann diese Applikation entstanden. Ein weiterer Ansatz war der hohe Krankenstand in Unternehmen. Hier entstehen hohe Kosten für die Arbeitgeber und den Staat. Bewegung ist ein Element, um gesund zu bleiben – eines der wichtigsten. Nola macht es jedem einfacher, die tägliche Dosis Bewegung nach eigenem körperlichen Zustand zeitsparend zu erhalten.

„Ich sehe E-Health auch als Hilfe für den Physiotherapeuten, der oftmals nicht die Zeit hat, Übungen zu erklären.“

Physiotherapeut und Gründer der App „Nola“ Christoph Kaminski

Kann man „Nola“ kostenlos testen?

Ja, im App-Store besteht die Möglichkeit, die App zwei Wochen kostenlos zu testen. Ein Abonnement über ein Jahr kostet 80 Euro, das sind circa 1.66 Euro in der Woche. Dafür erhält der Anwender eine spezielle Analyse, die so aufgebaut ist, wie ein Therapeut in der Praxis sie ebenfalls erstellen würde.

Aber werden Apps wie „Nola“ nicht irgendwann den Physiotherapeuten ersetzen und so Arbeitsplätze kürzen?

Das ist eine sehr interessante Frage. Ich persönlich glaube das nicht, aber das Problem, das in Deutschland besteht, ist die fachliche Qualität der Mediziner und Therapeuten. Sie ist nicht einheitlich geregelt. Eine gute Applikation, also ein Medizinprodukt, in das viel Wissen gesteckt wurde, kann einen großen Beitrag leisten. Ich sehe E-Health auch als Hilfe für den Physiotherapeuten oder Arzt, der oftmals nicht die Zeit hat, Übungen zu erklären, sodass Patienten mehr Eigenverantwortung übernehmen. Viele Patienten denken, dass der Therapeut oder Arzt die Heilung bewirkt, aber letztlich muss er es selber tun. Übungen kann jeder machen. Wichtig ist, dass man sie richtig macht. Dabei hilft „Nola“.

Haben Sie noch weitere Projekte im Bereich E-Health geplant?

Ja, in „Nola“ ist jetzt bereits das dritte Update mit über 100.000 Algorithmen durchgeführt worden. Anhand dieser Algorithmen wird entschieden, welche Unterstützung der Patient in der momentanen Phase benötigt. Außerdem wurde im E-Health-Bereich auf Basis von „Nola“ eine Fußball-App programmiert. Diese soll den Fußballer vor den häufigsten Verletzungen schützen oder bei der Therapie nach einer Verletzung helfen. In diese App wurden spezielle Trainingsprogramme und Selbsthilfemaßnahmen eingebaut, wie bei „Nola“, nur auf Fußballerbasis. Wir hoffen, dass diese in Kürze auf den Markt kommt.

Wie sehen Sie die zukünftige Entwicklung im Bereich E-Health?

In Deutschland ist man dazu teilweise immer noch negativ eingestellt. Datenschutz spielt dabei eine große Rolle. Ich glaube, man wird irgendwann so weit sein, dass man sich auch die DNA-Struktur eines Menschen anschauen kann und dadurch abgeschätzt wird, welche Krankheiten er hat oder bekommen kann. Patienten können auf diese Weise deutlich zielgerichteter und schneller behandelt werden. Es gibt natürlich auch Aspekte, die Angst auslösen. Der Roboter als Pflege- oder Arztersatz? Das kann meines Erachtens nicht funktionieren; dabei fehlt die Menschlichkeit. Allerdings kann ein Roboter einzelne Aufgaben zur Entlastung der Mitarbeiter übernehmen – Stichwort Fachkräftemangel. Dass durch E-Health Arbeitsplätze verloren gehen, glaube ich nicht. Die Arbeit wird sich verlagern. Ich persönlich sehe viele Vorteile im Bereich E-Health, über ethische Fragen muss man sich gegebenenfalls Gedanken machen.

Beitragsbild: Mit der medizinischen App „Nola“ kann man auch nach der Physiotherapie gesund Sport machen. (c) StockSnap via Pixabay

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Von Reinickendorf bis Bochum, von Fulda bis Ottensen – überall schreiben Schülerinnen und Schüler Artikel über das, was um sie herum passiert. Jeder und jede aus ihrer eigenen Sichtweise, mit eigener Meinung und eigenem Schwerpunkt. Bei all den Unterschieden eint sie, dass sie mit ihrer Klasse an MEDIACAMPUS teilnehmen, dem medienpädagogischen Projekt der Funke Mediengruppe. Das erlernte Wissen wenden sie dann praktisch an, indem sie erste journalistische Texte schreiben. Auf funky können sie die Früchte ihrer Arbeit präsentieren.