Auf der Suche nach dem Trendtier des kommenden Jahres ist unsere Autorin nur auf eine Tierart gestoßen: Katzen. Eine Geschichtsrunde in Sachen Internet.

Die Katze ist die Königin der Tiere im Internet. Ihr kann niemand das Wasser reichen, auch wenn es so einige Tiere schon versucht haben. Ihre intelligente und zugleich naive Art, Dinge anzugehen, ihr menschenbezogenes Wesen bei gleichzeitiger vollkommener Unerziehbarkeit, ihr weiches Fell und das Wissen um ihre scharfen Krallen lösen beim Menschen, vor allem beim Internetnutzer, seit Jahren Begeisterung aus. Katzen sind witzig, süß, flauschig, fies – kurz: die Tier gewordene Ambivalenz.

Vermutlich ist das einer der Gründe, warum wir Menschen von den Tieren fasziniert sind. Dazu kommt, dass die Katze fast auf der ganzen Welt zu Hause ist. Und da das World Wide Web ein weltumspannender Ort ist, ist es klar, dass das Tier des Webs ebenfalls auf der ganzen Welt bekannt sein muss.

Drei der berühmtesten Katzen, die die Geschichte des Webs geprägt haben, stellen wir vor:

Keyboard Cat

Angefangen hat der Hype um die Katze im Internet schon, als das Web 2.0, also das soziale Web, noch in den Kinderschuhen steckte. Die „Keyboard Cat“ hieß im wahren Leben Fatso und gehörte Charlie Schmidt aus Spokane, einer Stadt im US-Bundesstaat Washington. Bekleidet mit einem blauen Shirt spielte sie eine simple Melodie auf einem Keyboard, ihre Bewegungen wurden dabei von Schmidt gelenkt. Das war im Jahr 1984, lange vor YouTube. Berühmt geworden ist Fatso aber erst, als Schmidt das Video im Jahr 2007 auf der Plattform hochgeladen hat, betitelt als „Charlie Schmidts Keyboard Cat (The Original)“. Warum the Original? Schmidt hatte danach noch eine Katze, Bento, die genauso aussah, ebenfalls Keyboard spielte und Fatsos Rolle übernahm, als der Hype kam.

Und der kam kräftig. Der YouTuber Brad O’Farrell bekam die Erlaubnis, die Keyboard Cat am Ende seiner Outtakes und Fail-Videos zu zeigen, jeweils versehen mit dem Satz „Play him off, Keyboard Cat“, was so viel heißt wie: „Spiel ihn aus oder schick ihn nach Hause, Keyboard-Katze.“ Diese Idee übernahmen daraufhin andere User und machten so die Keyboard Cat als die berühmt, die als Letzte am besten lacht.

Doch nicht nur das Original und die Kopie mit Bento schwirren durchs Internet. Auch zahlreiche Kopien mit Hunden an Keyboards, Hunden an Computern und anderen Katzen sind in den Weiten des Webs zu finden.

Nyan Cat

Ebenfalls oft kopiert ist die „Nyan Cat“, auch bekannt als „Pop Tart Cat“. Die pixelig animierte Katze mit dem Körper in Form einer Art Toast läuft durchs All und zieht einen Regenbogenschweif nach sich. Am 2. April 2011 wurde sie auf der Seite LOL-Comics von Chris Torres veröffentlicht. Am 5. April bekam sie schon ihr erstes Remake. YouTuberin Sara June postete ein Video der Pop Tart Cat, unterlegt mit einem Loop des Songs „Nyanyanyanyanyanyanya“. Das Video, das schon nach einer Woche eine Million Mal angesehen wurde, hat erfahrungsgemäß hypnotische Wirkung auf den Zuschauer und wirkt mit Sicherheit auch aufgrund seiner Einfachheit.

Nach BuzzFeed, Tumbrl und einer Website, über die man die Sekunden twittern kann, die man Nyan Cat zugeschaut hat, kam die Game-Industrie auf den Trichter, aus der Animation Spiele zu basteln. „Nyan Cat: Lost in Space“ und „Snake Nyan Cat“ sind nur zwei davon. Aber auch andere Tiere durften in der Folge einen Regenbogenschweif durchs All ziehen. Darunter auch das Tier der vergangenen Jahre: das Einhorn.

Grumpy Cat


Die aktuell berühmteste Katze im Web ist aber „Tardar Sauce“, besser bekannt als „Grumpy Cat“. Sie hat nicht nur eine Besitzerin, sondern auch einen Manager, übrigens der Manager, der sich auch um die Keyboard Cat gekümmert hat, der ihr Werbedeals verschafft. Am 22. September 2012 fing der Wirbel um die stets schlecht gelaunt schauende Katze an. Wie so viele Trends begann auch hier alles auf der Plattform Reddit, dann ging es über YouTube zu Facebook und Instagram – alles innerhalb eines Monats. Realgrumpycat hat bei Letzterem 2,4 Millionen Abonnenten.

Memes und Gifs mit Grumpy Cat und passenden schlecht gelaunten Sprüchen sind seitdem im Umlauf. Die Menschen lieben sie, weil sich viele an schlechten Tagen gut mit ihr identifizieren können. Ein Bild einer Katze sagt eben manchmal mehr als 1000 Worte.

 

Titelbild: Grumpy Cat bei der Vorstellung des Opel-Kalender 2017 (c) dpa / Eventpress Golejewski