Sie ist einer der kleinsten Fußball-Vereine der Stadt: die Deutsche Jugend-Kraft (DJK) Roland Borsigwalde. Mit nur einer gemeldeten Mannschaft geht der Club aus dem Norden Berlins, beheimatet im Borsigpark in Tegel, inzwischen seit fünf Jahren in den Niederungen des Berliner Amateur-Fußballs auf Torejagd.
Von Dominik Merten, Klasse 17-4, BBA – Akademie der Immobilienwirtschaft, Berlin

Verzichten muss man dementsprechend auf Unterstützung von vereinseigenen Jugend- oder Seniorenspielern. Lediglich fünf andere Vereine aus der Stadt können noch von sich behaupten, nur aus einer 1. Herren-Mannschaft zu bestehen. Sie kommen ohne zweite Mannschaft, Nachwuchsteams oder Senioren-Kicker aus.

Probleme bereite das dem Team allerdings nicht, sagt der Trainer der in der Kreisliga B spielenden Truppe, Conradin Walenciak: „Unser derzeitiger Kader ist groß genug“. Entstanden sei die Mannschaft aus einem großen Freundeskreis, erinnert sich der 25-Jährige an die Anfangszeit der aktuellen Borsigwalder Truppe. Sein Vater Jürgen war in einer Altherren-Mannschaft des Vereins aktiv, wurde dann in den Vorstand gewählt und stellte alsbald mit seinem Sohn Überlegungen an, eine 1. Herren-Mannschaft zu gründen.

Wann hat man schon mal die Möglichkeit, gleich in der 1. Mannschaft zu spielen?
Conradin Walenciak, Trainer beim DJK Roland Borsigwalde

Diese gab es bei der DJK nämlich schon seit einigen Jahren nicht mehr. Letztmalig war in der Saison 2009/10 ein Roländer-Herrenteam im Spielbetrieb dabei. „Diese Gelegenheit haben wir dann beim Schopfe gepackt“, so Conradin Walenciak. „Denn wann hat man schon einmal die Gelegenheit, von jetzt auf gleich in einer 1. Mannschaft zu spielen?“.

Gemeinsam mit seinem Bruder Dominik, der auch heute noch als Innenverteidiger seinen Mann steht, trommelte er also etwa 20 mehr oder weniger gute Fußballer zusammen, sodass Roland Borsigwalde in der Saison 2013/14 wieder auf der Karte des Berliner Fußballs auftauchte. „Etwa die Hälfte der Mannschaft hatte vorher noch nie in einem Verein Fußball gespielt“, sagt Walenciak. Auch er selbst begann zunächst auf und nicht neben dem Feld. Nach wenigen Partien konzentrierte er sich dann aber auf die Arbeit an der Seitenlinie. „Als wir uns als Team zusammengefunden hatten, fehlte uns noch ein Trainer“, so der C-Lizenz-Inhaber. „Das habe ich dann übernommen“, ergänzt er.

Vier Tage Karriere als Fußballer, dann Trainer

Bis heute ist er in dieser Funktion aktiv, selbst die Fußballschuhe anziehen und ins Geschehen auf dem Feld eingreifen, will er nur noch bei Personalnot. Und selbstverständlich beim Training. „Ich habe schnell gemerkt, dass meine Mannschaftskameraden besser Fußball spielen können als ich. Um also nicht dauerhaft als Reservist auf der Bank zu sitzen, habe ich mich entschieden, lieber als Trainer darauf Platz zu nehmen“, sagt Walenciak mit einem Lächeln über seine Beweggründe, die Laufbahn als Fußballer nach nur vier Spieltagen in den Wind zu schlagen.

„Ohne Erfahrung eine Herren-Mannschaft zu übernehmen – so eine Möglichkeit hätte ich wohl nicht noch einmal bekommen“, meint er außerdem. Inzwischen steht Walenciak nun seit knapp fünf Jahren an der Seitenlinie. Seitdem kann er sich über eine große Entwicklung seiner Mannschaft freuen. „Natürlich hat sich in dieser Zeit auch personell bei uns einiges getan“, so der DJK-Coach. „Dass wir uns aber auch fußballerisch weiterentwickelt haben, merke ich immer wieder“.

Belohnt wurde Walenciaks Mannschaft dafür im letzten Jahr mit dem Aufstieg von der Kreisliga C in die Kreisliga B. In dieser belegte man bei noch sechs ausstehenden Spielen einen Platz im Mittelfeld. „Wir haben uns inzwischen an die neue Liga gewöhnt“, zieht der Coach eine Bilanz über die bisherige Spielzeit. „Der Anfang gestaltete sich etwas holprig, aber dass wir hier mithalten können, haben wir nun auch schon oft genug gezeigt“.

Wohin der Weg der DJK Roland Borsigwalde in den nächsten Jahren führe, sei schwer einzuschätzen, sagt Conradin Walenciak. „Angefangen haben wir im Grunde als junge Studenten-Mannschaft. Inzwischen sind die meisten Spieler schon im besten Fußballer-Alter angekommen, also Mitte bis Ende Zwanzig. Und ewig kann man ja schließlich nicht Fußball spielen“.

Insofern könnte dem Verein in ein paar Jahren der fehlende Unterbau auf die Füße fallen. Gedanken darüber will sich der Trainer aber nicht machen. „Das ist Zukunftsmusik“, so Walenciak. „Ich beschäftige mich lieber mit unserem nächsten Spiel. Denn das ist bekanntlich immer das Schwerste“.

Beitragsbild: Jürgen Walenciak von DJK Roland