Außergewöhnlich sportlich: Rollkunstlaufen

Isabell Wiethoff

Eiskunstlauf kennt jeder, aber Rollkunstlauf? Unsere Autorin hat mit Läuferinnen und Trainern über ihre Begeisterung für diese außergewöhnliche Sportart gesprochen.

Von Emma Kadach

Überall glitzernde Kleider und aufwändige Frisuren. Durch die Lautsprecher hört man, wie die nächste Läuferin aufgerufen wird.  Sie rollt in die Mitte der Halle, um mit ihrer Kür, einer individuellen Choreographie zu selbstgewählter Musik, zu beginnen. Die schon aus dem Eiskunstlaufen bekannten Sprünge und die Drehungen, die sogenannten Pirouetten, bereiten ihr keine Problem und sie beendet ihre Kür nahezu fehlerfrei. Dementsprechend erhält sie auch eine hohe A- und B-Note. Die A-Note gibt es für die technische Schwierigkeit der Kür und die B-Note für die Ausführung und künstlerische Gestaltung.

Doch es braucht viel Training, damit bei einem Wettkampf alles funktioniert. Mehrmals die Woche trainieren die Läuferinnen und Läufer in einem der wenigen Vereine für Rollkunstlauf, dem RESG (Roll-, Eis- und Sportgemeinschaft) Walsum e.V. Mehrere Stunden üben sie dort Sprünge und Pirouetten. Aber nicht nur auf den acht Rollen, sondern auch auf Turnschuhen: Viel Konditionstraining ist notwendig, damit die Läufer dieser seltenen Sportart problemlos ihre bis zu viereinhalb Minuten langen Küren durchlaufen können. „Wenn man Leistungssport macht muss man natürlich auch ein paar Dinge opfern und viel Zeit investieren“ so die 20-jährige Läuferin Isabell Wiethoff, die auch für die RESG Walsum läuft und schon an vier Weltmeisterschaften teilgenommen hat.

Aber das ist ihr, und auch der 14-jährigen Rabea Wittenberg, der Sport wert. Auf die Frage, was ihr am meisten am Rollkunstlaufen gefällt, antwortet sie ohne lange zu überlegen: „Eigentlich alles. Natürlich gibt es ein paar Sprünge und Pirouetten die man besser findet als andere, aber mir gefällt es einfach, dass der Sport so vielfältig ist und es immer etwas Neues gibt, was man lernen kann. Dadurch wird es einfach nie langweilig.“

Es fehlen Hallen und Trainer

Doch der Sport habe einige Probleme, erklärt der Trainer Hannes Schrank. „Es gibt viel zu wenige Sporthallen, die einen Rollkunstlauf geeigneten Boden haben. Außerdem gibt es zu wenige Hallenzeiten, weshalb einige Läufer in zwei verschiedenen Vereinen trainieren. Vielen Vereinen fehlen auch genügend Trainer. Allerdings versuchen wir dieses Problem hier in Walsum zu lösen. Wir bringen Läuferinnen aus dem Verein bei, wie sie die Läuferinnen und Läufer, die gerade erst mit dem Rollkunstlaufen angefangen haben, mittrainieren können. Dies hilft nicht nur dabei das Trainerproblem zu lindern, sondern macht den Läuferinnen auch sehr viel Spaß.“

Doch das sind nicht die einzigen Sorgen dieser Randsportart, die so unbekannt ist, dass selbst das Wort „Rollkunstlaufen“ bei der Rechtschreibkorrektur rot unterstrichen wird.

Im Gegensatz zu der auf dem Eis stattfindenden Sportart ist das Rollkunstlaufen nicht olympisch und wird somit auch nur in geringem Maße finanziell unterstützt. Im Breitensportbereich kann sich noch nahezu jede die Sportart leisten, doch im Leistungssportbereich nur noch wenige, da ein neues Paar Rollschuhe zwischen 300 und 700 Euro kostet. Dazu kommen noch die Trainingskosten. Isabell Wiethoff, die auch dieses Jahr bei der Weltmeisterschaft in Nanjing, China teilgenommen hat, kennt die Kosten des Sportes: „Wenn mein Trainer oder eine andere Begleitperson mit zu einem Wettkampf, wie der Weltmeisterschaft in China, kommen würde, dann müssten wir die Flüge und Hotels selbst bezahlen, weil wir nicht gefördert werden. Und das ist natürlich sehr teuer.“

Viele der Läuferinnen und Läufer hoffen, dass die Sportart bald olympisch wird und sie so mehr gefördert werden. Aber am wichtigsten ist, dass die Sportart weiterhin allen viel Spaß macht.

 

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Titelbild: Screenshot Vimeo

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