Gedankenspiele über Angst und Freude im Leben

Frau im Wald

Die meiste Zeit über ist unsere Autorin ein glücklicher Mensch. Dennoch fragt sie sich: Wer bin ich eigentlich. Zwischen Selbstzweifel und Hass, Mut, Liebe und Zuversicht.

Von Selin Manaz, 9F, Stadtteilschule Wilhelmsburg

Hamburg. Wer bin ich eigentlich? Das Mädchen im Spiegel sagt es mir einfach nicht! Geboren bin ich 2001. Ich fühle mich mit meinen 15 Jahren ziemlich jung und unerfahren. Ich rede mir immer ein, dass es okay ist. Aber ich möchte eine Antwort! Ich bin kein Mensch, der Streit möchte. Ich bin kein Mensch, der etwas ändern kann. Ich würde es gerne tun, habe aber keine Möglichkeiten. Ich bin ein Mensch wie jeder Zweite. Aber wie ist jeder Zweite?

Ich sehe mir die Nachrichten an, ich habe Angst, dass der Terror auch vor meiner Tür stattfindet. Was kann ich wie und mit wem ändern? Ich zappe weiter, schaue Serien und Filme – und bin in einer anderen Welt. Die Glamour-Welt, die Ich-schaffe-alles-Welt, die Ich-bin-perfekt-Welt. Ich kann mich nirgends zuordnen und habe Angst. Was ist, wenn ich in 50 Jahren merke, dass ich es verbockt habe? Ich habe in meinem Alter schon viele Fehler gemacht, falsche Menschen kennengelernt.

Ich liebe meine Familie und meine Freunde; und die meiste Zeit bin ich ein glücklicher Mensch. Ich lerne und lerne: Mathe, Französisch, Kochen, Kurzgeschichten, Volleyball, aber niemand beantwortet meine Fragen: Wer ich bin? Bin ich überhaupt? Ich sehe so viele Mädchen da draußen, die anscheinend alles über sich wissen. Was sie wollen! Wohin sie wollen! Was zu tun ist! Einfach alles!

Mein Kopf dreht sich, denn ich brauche Antworten. Ich bin unsicher, habe Angst, falsche Schritte zu gehen, und bleibe deshalb stehen. Ich habe Angst, Falsches zu sagen und lasse andere denken. Ich bin auf der einen Seite voller Selbstzweifel, Hass und Trauer aber auf der anderen Seite auch voller Mut, Liebe und Zuversicht.

Ich bin nicht erwachsen, aber befinde mich in einer Welt, in der ein junges Mädchen darüber nachdenkt, was es (er)tragen muss, um dazuzugehören, in einer Welt, in der es Angst haben muss, alleine rauszugehen. Ich möchte nicht verurteilt werden aufgrund von Dingen, die nur mich etwas angehen. Ich höre auf zu denken, denn ich weiß es nicht. Ich habe keine Ahnung was ich will, wohin ich will und wer ich bin. Mein Kopf dreht sich! Also, wer bin ich?

Dieser Artikel wurde zuerst im Hamburger Abendblatt am 21. März 2017 veröffentlicht.
Titelbild: Adil Alimbetov/pexels.com

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