Bloß kein Wasser! Eine seltene Allergie erschwert Betroffenen den Alltag

Faust durchbricht Wasserstrahl (c) pexels.com

Im Frühjahr leiden viele Allergiker am Pollenflug. Andere haben Allergien gegen bestimmte Nahrungsmittel. Doch kann man tatsächlich auch gegen Wasser allergisch sein?

Von Maria Raab, Klasse 8a, Burggymnasium Essen

Man sollte vielleicht meinen, dass es für uns Menschen unmöglich sei, ohne Wasser zu leben. Doch für einige wenige Leute ist genau das Gegenteil der Fall. Diese Menschen leiden an einer Wasserempfindlichkeit oder sogar an einer Allergie gegen Wasser.

An der Krankheit, die man in Fachkreisen auch Aquagene- und Kälte-Urtikaria nennt, leiden zur Zeit – soweit bekannt ist – nur 43 Menschen weltweit. Die Wahrscheinlichkeit, daran zu erkranken liegt also bei eins zu 100 Millionen. Doch das ändert nichts an den Gefahren, die die Krankheit für betroffene Personen darstellt.

Wenn die Erkrankten nämlich mit Wasser in Berührung kommen und die Wassertemperatur unter 36 Grad Celsius liegt, kann es zu einem allergischen Schock kommen. Im schlimmsten Fall kann der Kontakt mit Wasser dann sogar einen Herzstillstand verursachen.

Ein körperliches Missverständnis

Aber was passiert eigentlich in dem Körper von Personen mit Wasserallergie? Menschen haben in ihrem Immunsystem ein Warnsystem, in dem sich Abwehrzellen befinden. Dieses System schützt den Körper vor schädlichen Einflüssen, wie zum Beispiel Bakterien, Parasiten und Gift. Doch bei Leuten, die an einer Wasserallergie leiden – einer bestimmten Form der Nesselsucht – kommt es im Körper zu einer Art Missverständnis.

Wenn Wasser bei den Erkrankten auf die Haut trifft, aktiviert das Immunsystem die gerade erwähnten Abwehrzellen. Da der Körper das Wasser als Gift ansieht, werden sogenannte Botenstoffe freigesetzt, die das Wasser bekämpfen sollen. Hierbei erweitern sich Blutgefäße im Körper  und weitere Abwehrzellen werden aktiv.

Die Symptome sind zum Beispiel Juckreiz, Rötungen und Quaddeln oder Papeln. Die Allergikerin Rachel Prince beschreibt das Gefühl, wenn ihre Haut mit Wasser in Kontakt kommt zum Beispiel als Brennen, wie bei einer Brennnessel, nur dass die Qual für sie mehrere Stunden lang anhält.

Es gibt aber auch andere dermatologische Krankheiten mit ähnlichen Symptomen, wie die cholinergische Urtikaria oder andere Formen der Nesselsucht.

Waschen mit feuchten Tüchern und bloß nicht schwitzen

Da der Kontakt mit Wasser im alltäglichen Leben unvermeidbar ist, müssen sich Betroffene jeden Tag den Herausforderungen der Wasserallergie stellen. Zum Beispiel müssen sie ihren Körper natürlich reinigen. Duschen kann für Wasserallergiker sehr schwierig und auch gefährlich sein. Die Berührung mit Wasser sollte bei ihnen vermieden werden.

Als Notlösung müssen sie sich zum Beispiel mit angefeuchteten Tüchern reinigen oder sich nur selten und kurz der Qual des Duschens stellen. Weil auch Schweiß, genauso wie Tränen Symptome bei den erkrankten Personen auslösen kann, sollten sie auch keinen Sport treiben.

Auch beim Essen müssen die Allergiker sichergehen, dass die Temperatur ausreicht, damit es nicht zu einem Schock oder einer anderen allergischen Reaktion kommt.

Immer dabei: Regenschirm und Adrenalin-Spritze

Um sich im normalen Leben vor Reaktionsfällen zu schützen, sollten Wasserallergiker immer einen Regenschirm dabei haben. Die Allergikerin Emily Payne erzählt, dass sie außerdem für den Notfall in ihrer Handtasche immer eine Spritze mit Adrenalin mit sich trägt, das sie im Notfall vor einem Herzstillstand schützen soll. Diese Vorsichtsmaßnahme ergriff sie, nachdem sie einmal unerwartet in einen Regenschauer gekommen war, keinen Regenschirm dabei hatte und wegen ihrer Reaktionen auf die Regentropfen in Ohnmacht fiel.

Man wird nicht unbedingt mit einer Wasserallergie geboren. Sie tritt bei einigen Allergikern erst in späteren Jahren auf. Bei Emily Payne kam es plötzlich, in ihrem 16. Lebensjahr, zu den ersten Problemen mit Wasser. Sie erfuhr von ihrer Allergie, als sie eines Tages mit Freunden an einem Badesee war und aus dem Wasser gezogen werden musste, nachdem sie bewusstlos geworden war.

Gegen die Ursachen dieser Erkrankung gibt es bisher keine erfolgreiche Behandlungsmethode. Nur die allergischen Reaktionen können etwas gemindert werden – zum Beispiel mit der zuvor genannten Adrenalinspritze.

Eine vollständige Heilung der überaus seltenen Wasserallergie ist jedoch derzeit nicht in Sicht.

Beitragsbild: pexels.com

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