Hyperflexion: Eine umstrittene Methode unter Dressurreitern

Das Tierwohl sollte beim Reiten immer an erster Stelle stehen (c) Pixabay
Das Tierwohl sollte beim Reiten immer an erster Stelle stehen (c) Pixabay
Auf einigen Dressur-Turnieren sieht man immer wieder Pferde, die von ihren Reitern dazu gezwungen werden, ihren Hals unnatürlich zu beugen: Hyperflexion.
Von Megan Goetzke, Klasse 8c, Lessing-Schule Bochum

Bestimmt war jeder Reiter oder Pferdeliebhaber schon einmal auf einem Turnier. Wer sich hier für die Dressur interessiert, kennt es bestimmt: Auf dem Nebenplatz werden die Pferde auf ihren Auftritt vorbereitet. Lässt man nun den Blick über alle Tiere schweifen, kann man oft auch einen weniger schönen Anblick entdecken: Der Reiter zieht den Kopf des Pferdes grob in Richtung Brust, sodass sich der Hals übernatürlich aufrollt. Ein ganz klarer Fall der Hyperflexion.

In so einer Haltung kann das Tier nur noch auf den Boden starren und schäumt vor Stress aus dem Maul, während es energisch vorwärts getrieben wird. Durch Maul-Aufsperren und Kopfwippen versucht es, sich diesem Druck zu entziehen, oft aber ohne Erfolg.

In der Prüfung tänzelt das Pferd unsicher über den Platz, obwohl der Reiter meistens etwas mehr Raum lässt, damit keine Fehler passieren. Gibt es eine gute Wertung, wird das Tier gelobt und darf für kurze Zeit den Hals strecken. Fällt das Ergebnis hingegen weniger gut aus, lassen Entlastung der Muskeln und nette Worte vergeblich auf sich warten. Stattdessen gibt es wahrscheinlich Schläge und stundenlange Trainings-Einheiten.

„Ich habe noch keinen einzigen Beweis dafür gesehen, dass eine Rollkur nicht tierschutzwidrig ist.“

Veterinär Ulf-Michael Stumpe über die umstrittene Methode Hyperflexion

Auch privat reiten einige Reiter mit Hyperflexion. „Wir sind gegen alles, was mit dem Tierschutz nicht vereinbar ist. Jedoch gibt es viele Untersuchungen, die zeigen, dass die Rollkur bis zu einem gewissen Maße nicht schädlich ist“ so Klaus Rath, der Trainer des legendären Dressurpferdes Totilas.

Die Biologin Dr. Kathrin Kienapfel – selbst Dressurreiterin – hat zu diesem Thema geforscht: „Wenn man so reitet, dann ist das tierschutzwidrig, denn hier werden dem Pferd Schmerzen oder Leiden zugefügt“. Auch der Tiermediziner Ulf-Michael Stumpe hat an der Universität in Wien Untersuchungen dazu durchgeführt. „Ich habe noch keinen einzigen Beweis dafür gesehen, dass eine Rollkur nicht tierschutzwidrig ist“, sagt der Veterinär.

Es scheint, als ob den Reitern, die mit dieser Methode reiten, nicht das Wohlergehen ihrer Pferde, sondern der Erfolg am Wichtigsten ist. Viele Argumente zeigen, dass die Rollkur international verboten und bestraft werden sollte. Bestimmt hat sich jeder Reiter schon einmal diese Frage gestellt: Geht es hier um ein harmonisches Miteinander zwischen Mensch und Tier oder lediglich um viel Geld?

Beitragsbild: Pixabay

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