Plädoyer für digitale Freundschaften: Nicht alle im Internet wollen Böses!

Zwei Maedchen liegen auf Motorhaube
Auch online kann man Freunde finden (c) Unsplash
Besonders ältere Generationen bezweifeln, dass digitale Freundschaften einen ähnlichen Stellwert haben können, wie reale Freundschaften. Aus Unwissen.
Von Victoria Breyer, Klasse 9d, Heilwig Gymnasium Hamburg

Ich gehöre zu der „Generation Z“ (Geburten ab etwa 1995) und finde Internetfreundschaften klasse. Meine Generation ist die mit dem höchsten Smartphone-Konsum. Es ist Normalität geworden, Stunden am Smartphone und auf Social Media unterwegs zu sein. Die Menschen meiner Generation werden die „Technoholics“ genannt, die kaum Alternativen zur Technik sehen, da sie komplett mit digitalen Technologien aufgewachsen sind. Social Media nimmt einen beträchtlichen Teil unseres Lebens ein.

Darum ist es auch normal, dass gerade diese Generation mit Leuten im Internet, die man nicht persönlich, sondern nur virtuell, kennt, Kontakt aufbaut und sich anfreundet. Ich persönlich finde es großartig, auch außerhalb des realen Freundeskreises Kontakte zu haben, mit denen man sich gut versteht, sich aber nicht zwingend treffen muss.

Einige, vor allem die älteren Generationen (die Generation meiner Großeltern, die Generation „Baby Boomer“, und auch noch zum Teil die Generation X), halten Internetfreundschaften für sinnlos und gefährlich. Es gibt ja auch einige Aspekte, die tatsächlich dagegen sprechen, wie zum Beispiel, dass man sich im Internet schnell und einfach als jemand anderes ausgeben kann. Pädophile können so Kontakt zu Minderjährigen aufbauen und deren Vertrauen missbrauchen.

Ja es gibt Gefahren, aber nicht nur!

Auch Cybermobbing ist ein großes Problem, da diskriminierende Inhalte schnell verbreitet werden können und das Internet Fotos „niemals vergisst“. Außerdem kann es sein, dass man aufgrund von Internetfreundschaften die Freunde im wahren Leben vernachlässigt und so immer weniger Kontakt zur Außenwelt hat, da man nur noch im Zimmer an seinem Handy oder am Computer ist. Man geht immer weniger nach draußen an die Luft und unternimmt auch weniger „real“. Das Internet sei zum „sozialen Abstandhalter“ geworden, heißt es in Studien. Meine Generation würde wenig Wert auf emotionale Bindungen legen und sich immer mehr zu Narzissten entwickeln, besagen ebenfalls Studien. Ich kann viele dieser Argumente verstehen, aber ich empfinde das trotzdem als übertrieben und auch unserer Generation gegenüber als abwertend.

Internetfreundschaften haben auch viele positive Aspekte. Zurückhaltende Jugendliche können als Beispiel ihre Schüchternheit leichter überwinden und dadurch viel freier sein. Außerdem können sie weiter mit ihren Internetfreunden befreundet sein, wenn sie umziehen sollten, da das Internet mittlerweile überall auf der Welt verfügbar ist. Die Welt wird dadurch „viel kleiner“. Mit Internetfreunden kann man manche Dinge viel sachlicher besprechen, da diese dir, zum Beispiel bei einem Streit mit den Freunden des echten Lebens, besser Ratschläge geben und dich auf eine ganz andere Art unterstützen und dir sogar helfen können, da sie viel mehr Abstand haben und die realen Freunde nicht kennen.

Natürlich sind die 650 „Freunde“ auf Facebook keine tatsächlichen Freunde, sondern Kontakte. Aber das ist unserer Generation sehr wohl bewusst! Wir mögen die Möglichkeiten, die sich daraus ergeben, dass man mit Menschen aus aller Welt befreundet sein kann und die uns mit Bildern, Videos und Standortmitteilungen an ihrem Leben teilhaben lassen. Diese „Freunde“ sind aber auch nicht die Freundschaften, die ich meine, die auch im Internet entstehen können.

„Manchmal hilft es einfach, wenn man einer Person etwas erzählen und sie dann ganz objektiv an die Sache herangehen und helfen kann“

Victoria Breyer über ihre Erfahrungen mit Internet-Freundschaften

Ich habe selber eine Internetfreundin aus einem anderen Land und wir verstehen uns blendend. Wir schreiben uns fast jeden Tag und ich bin froh, sie zu haben. Ich erfahre ganz viel von ihr über die Landesgewohnheiten, Sprache und darüber, wie die Schule bei ihr so läuft. Manchmal hilft es einfach sehr, wenn man einer Person, mit der man nicht den gleichen Freundeskreis teilt, etwas erzählen kann und sie dann ganz objektiv an die Sache herangehen und helfen kann.

Schon als wir anfingen zu schreiben, merkten wir sofort, dass wir auf einer Wellenlänge sind. Es ist natürlich nicht optimal, dass wir nicht im selben Land wohnen, aber wahre Freundschaft, egal ob sie durch das Internet entstanden ist oder nicht, kennt keine Entfernung. Trotzdem bin ich mir sicher, dass ich sie in Zukunft auch einmal in die Arme schließen kann. Doch bis dahin werden wir uns weiterhin fast jeden Tag schreiben und unsere besondere Freundschaft genießen.

Letztlich kann sich aber jeder selber aussuchen, ob er Internetfreundschaften führen möchte oder nicht – egal welcher Generation man angehört und wie stark ausgeprägt das Interesse an welchen Sozialen Medien ist. Ich finde es erstrebenswert, dass man digitale Freundschaften genauso wie reale Freundschaften akzeptiert und erstere nicht mehr als oberflächlich und unpersönlich abgestempelt werden.

Beitragsbild: Greg Raines via Unsplash

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