Interview

Auch Kinder und Jugendliche gehen zur Psychotherapie

Mehr Jugendliche sollten sich trauen, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. (c) Unsplash
Mehr Jugendliche sollten sich trauen, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. (c) Unsplash
Wie sieht der Alltag einer Psychotherapeutin aus? Und mit welchen Problemen haben gerade junge Leute in Therapie zu kämpfen?
Von Lisa Teixeira, Klasse 10c, Private Stadtteilschule St. Georg, Hamburg

Sahar Golikhani ist Diplom-Pädagogin und approbierte Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeutin in Hamburg. Sie ist Mitglied im Verein „Aktiv gegen Gewalt e.V.“, leitet eine eigene Praxis und arbeitet zudem in der Institutsambulanz Büchen.

Wie kamen Sie dazu, Psychotherapeutin zu werden?
Schon recht früh hat es mich interessiert, was die Beweggründe für bestimmte Verhaltensweisen von Menschen sind. Wo der Ursprung herkommt. Hinzu kommt, dass ich während des Studiums ein Praktikum im Strafvollzug absolviert habe und im Verlauf ehrenamtlich in der Untersuchungshaft gearbeitet habe. Dort hat sich mein Interesse verstärkt, nicht nur Verhaltensweisen zu verstehen, sondern auch eine therapeutische Unterstützung in diesem Rahmen anzubieten.

Wie lange muss man auf einen Therapieplatz warten?
Aktuell liegt die Wartezeit bei circa drei bis sechs Monaten.

Was für Probleme behandeln Sie häufig und wie gehen Sie vor?
Die Bandbreite ist groß. Ich sehe unter anderem Patienten, die Essstörungen, Depressionen, Ängste und Zwänge haben oder auch Patienten, die sich selbst verletzen oder suizidal sind. Es gibt die Möglichkeit zu einer Sprechstunde oder Akutbehandlung zu kommen. Zielstellung der Akutbehandlung ist eine schnelle Intervention. Jeder Patient hat probatorische Sitzungen. Während der probatorischen Sitzungen ist herauszufinden, ob eine Motivation für eine regelmäßige Teilnahme vorhanden ist, die Anamnese wird erhoben und eine Verhaltensanalyse wird erstellt.

Wie sieht Ihr Alltag aus?
Dadurch, dass ich drei Jobs habe, bin ich viel unterwegs. Das interessante dabei ist, dass ich sowohl mit Opfern, als auch mit Tätern zu tun habe.

Beeinflusst ihr Beruf, als Psychotherapeutin ihr Leben?
Man wird aufmerksamer und achtsamer im Kontakt zu Menschen und versteht gewisse Verhaltensweise besser und kann sie besser nachvollziehen.

Welche Behandlungen machen Sie?
Ich habe mich für die verhaltenstherapeutische Richtung entschieden.

Hatten Sie Fälle, bei denen Sie verzweifelt waren und wenn ja, warum?
Es gibt immer wieder Situationen, die nicht leicht zu lösen sind. Insbesondere, wenn es um Missbrauch jeglicher Art geht und das Kind im schlimmsten Fall aus der Familie genommen werden muss.

Tragen Sie keine Schäden davon, wenn Sie viel mit Problemen von Patienten zu tun haben?
Wir haben Supervision und Intervision, wo wir Fälle gut besprechen können. Außerdem ist es ausgesprochen wichtig, eine gute ,,Work Life Balance“ zu haben.

Wollen Sie sich noch weiter fortbilden?
Als Therapeutin ist man verpflichtet, regelmäßig an Fortbildungen teilzunehmen und auf den neusten Stand zu sein.

Was wünschen Sie sich für ihre berufliche Zukunft weiterhin?
Dass Kinder und Jugendliche sich zeitnah Hilfe und Unterstützung suchen und dass Psychotherapie immer weniger ein Tabuthema wird.

Beitragsbild: rawpixel via Unsplash

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