Funktioniert Freundschaft zwischen Deutschen und Türken? Meine beste Freundin ist Türkin. Seit vier Jahren sprechen wir über Unterschiede in unsere Kultur.
Von Pia Cecilia Kappler, Klasse 10c, Private Stadtteilschule St. Georg, Hamburg
Melis, bist du stark gläubig?
Ja schon! Aber manchmal gibt es auch Tage, an denen ich mir wünsche, dass es entspannter ist.
Wie genau meinst du das?
Es ist manchmal anstrengend, neuen Bekanntschaften erklären zu müssen, dass meine Religion nicht so streng ist, wie sie scheint. Man geht davon aus, dass jeder von uns fünf Mal am Tag betet, jeder regelmäßig in die Moschee geht und Frauen keine Freiheiten haben.
Wie oft sollt ihr denn am Tag beten und wie ist es denn wirklich mit den Freiheiten? Gehst du regelmäßig in die Moschee?
Nach dem Propheten Mohamed sollen wir fünf Mal am Tag beten, aber ein Teil von uns tut es nicht. Außerdem ist es nicht Pflicht, dass Frauen Kopftücher tragen. Sie können selbst entscheiden, ob sie das wollen. Ich gehe nicht regelmäßig in die Moschee, aber einige Leute aus meiner Familie tun das.
Ok, Hochzeiten sind auch ein wichtiges Thema. Wie läuft eine türkische Hochzeit ab und was für Traditionen gibt es?
Als erstes macht der Mann der Frau einen Antrag. Danach wird ein Treffen zwischen den Familien vereinbart, um den Vater der Braut um Erlaubnis zu bitten. Nachdem man nach der Erlaubnis gefragt hat, wird Kaffee getrunken und bei dem Bräutigam wird zum Beispiel Salz oder Chili Pulver rein gemacht. Diesen Kaffee muss er austrinken als Liebesbeweis, der zeigen soll, dass er alles für die Frau machen würde. Als nächstes wird eine Verlobungsfeier veranstaltet, bei der die Ringe mit einem roten Schleier an die Finger angesteckt werden. Der Älteste muss dem Paar Geld und viel Glück wünschen und beten. Danach wird der Schleier von dem Ältesten durchgeschnitten.
Nach der Verlobungsfeier findet die standesamtliche Hochzeit statt. Danach wird in der Moschee gebetet und das Paar bekommt religiöse Fragen gestellt – zum Beispiel „Wie oft soll man beten?“. Als nächstes kommt der Henna-Abend, bei dem man die Handfläche der Braut mit Henna-Farbe bemalt – Die Braut schließt dann die Hand und öffnet sie erst wieder, wenn die Schwiegermutter ihr Gold gibt. Das ist quasi der Abschied von ihrer Jugend.





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