Krieg ist an der Tagesordnung – Urlaub in brasilianischen Favelas

Stadtbild Brasilien
Stadtbild Brasilien (c) flickr.com

Brasilien-Urlauber, die nicht in Hotel-Anlagen, sondern in Favelas leben, bekommen einen Einblick in den Alltag. Dazu gehört auch Krieg.

Von Leo Lorenzen, Klasse 10c,Private Stadtteilschule St. Georg, Hamburg

Im ersten Halbjahr 2017 haben meine Familie und ich meinen großen Bruder in Brasilien besucht. Er hatte für dort ein 12monatiges Stipendium bekommen. Dieser Urlaub sollte meine Perspektive auf das Leben stark beeinflussen.

Baulärm oder Schüsse?

Wir hatten ein Appartement nahe einer Favela. Eines Morgens wurden meine Schwester und ich von mehreren Knall-Geräuschen geweckt. Als wir meinen Vater daraufhin fragten, wo diese herkommen würden, versuchte er uns klar zu machen, dass die Geräusche von einer nahe gelegen Baustelle kämen. Dort würden Metallplatten aufeinander fallen.

Mir war jedoch sofort klar, dass dies die Schüsse einer Automatik-Waffe gewesen sein mussten. Da wir einen Guide hatten, habe ich beim Mittagsessen auch ihn nach dem Ursprung der Schüsse gefragt. Er erklärte mir, dass wir sehr nah an einer Favela leben würden. In der Nähe würden sich tatsächlich Banden morgens  Waffen-Kriege liefern.

So etwas ist dort Teil des Alltags. Da ich darüber sehr schockiert war, fragte ich meinen Bruder, ob er denn davon gar nichts mitbekommen würde. Er erzählte mir daraufhin eine sehr schlimme Geschichte.

Bankraub am helllichten Tage

Er sagte, er hielte sich oft in Porto de Galinhas auf. Dort hatte er einen Mann kennengelernt, bei dem er über das Wochenende wohnen konnte. An einem Tag hatte eine Bande die örtliche Bank gesprengt und Geld gestohlen. Dabei hatten die Bankräuber wild um sich geschossen und als die Polizei eingetroffen war, lieferten sich die beiden Seiten einen minutenlangen Schusswechsel.

Mein Bruder musste dabei hinter eine hohe Mauer flüchten, hinter der sich noch mindesten zehn weitere Menschen versteckt hielten. Nach einiger zeit war es für einen Moment still. Diese Zeit nutzten mein Bruder und die andere Menschen, um in den Wohnung des Bekannten meines Bruders zu flüchten, der die Tür sofort hinter sich schloss.

Bandenkrieg und Vergewaltigung

Solcherlei Geschehnisse sind in Brasilien leider alltäglich und dazu nicht ungefährlich für Außenstehende. Da die Waffen oft sehr schlecht sind, werden Menschen die in der Stadt auf den Bus warten, von Kugeln aus einem Favela-Krieg getroffen, weil die Querschläger durch die Stadt fliegen. Und nicht nur Bandenkriege, sondern eben auch Raubüberfälle und Vergewaltigungen sind in den Favelas normal und nicht zu stoppen.

Rocinha, die Favela an der wir lebten, ist die Größte mit schätzungsweise 30.000 Einwohnern. In Rio gibt es insgesamt 750 Favelas in denen 1,3 Millionen Menschen leben.

Beitragsbild: flickr.com

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