Bei der Agentur für Arbeit ist Christoph van Ophoven Berater für akademische Berufe. Im Gespräch erklärt er den Reiz des TouchTomorrow-Trucks und die wichtigste Frage des Berufslebens.
Von Antonia Eichenauer

Christoph van Ophoven ist bei der Agentur für Arbeit in Lüdenscheid Berater für akademische Berufe. Seit über 30 Jahren hilft er dort jungen Menschen auf ihrem Weg ins Berufsglück. Als der TouchTomorrow-Truck Station in Menden (Sauerland) machte, war er vor Ort für den berufspraktischen Kontext zuständig, weil die Bundesagentur das Projekt der Dr. Hans Riegel-Stiftung unterstützt. Mit ruhiger Stimme erklärt er, worauf es wirklich ankommt.

Die Arbeitsagentur ist vielen vor allem als die Institution bekannt, die sich um das Arbeitslosengeld kümmert. Was macht sie sonst?

Die Agenturen für Arbeit und die Schulen arbeiten intensiv zusammen. Wir helfen den Schülern und Schülerinnen erste Einblicke in die Welt der Berufe zu bekommen. Wir nennen diesen Bereich „Orientierung“. Im Hinblick auf die enorme Vielzahl an unterschiedlichen beruflichen Möglichkeiten fühlen sich Jugendliche oft desorientiert und verunsichert. Hier setzen wir an und helfen, indem wir innerhalb und außerhalb der Schulen orientierungswirksame Veranstaltungen anbieten. Die Agenturen für Arbeit wirken dahin, dass Arbeitslosigkeit erst gar nicht entsteht oder dass sie möglichst schnell beendet wird.

Es geht um wirklich wichtige Themen, es geht um Zukunftsplanung, es geht um das Leben, es geht um Biografien.

Christop van Ophoven

Sie beraten seit über 30 Jahren junge Menschen, die akademische Berufe anstreben. Was schätzen Sie an Ihrem Beruf besonders?

Es sind eigentlich zwei Gründe: Einmal der kommunikative Aspekt. Wir haben mit sehr unterschiedlichen Personengruppen zu tun, mit Jugendlichen, Studierenden, Lehrern, Eltern und Personen anderer Institutionen. Und die Kommunikation im Beruf ist alles andere als oberflächlich. Es geht um wirklich wichtige Themen, es geht um Zukunftsplanung, es geht um das Leben, es geht um Biografien. Der Beruf ist ja ein ganz wesentlicher Bestandteil unseres Lebens. Wir sprechen also über Lebensfragen der Jugendlichen. Und das ist eine phantastische Angelegenheit.

Christop van Ophoven

Christop van Ophoven ist Berufsberater bei der Agentur für Arbeit. Foto: privat

Das klingt nach sehr viel Verantwortung. Sind Sie sich dessen jeden Tag bewusst, dass Sie eventuell Lebensläufe beeinflussen?

Ich denke schon, aber man darf nicht zu sehr darauf fixiert sein, weil man dann handlungsunfähig würde. Aber das spielt natürlich eine Rolle. Besonders wenn an den Reaktionen deutlich wird, wie wichtig die Thematik den Leuten ist. Wir haben auch Kunden, die hier sitzen und relativ ängstlich über bestimmte Fragen sprechen. Zum Beispiel über den zweiten Studienabbruch. Also immer dann, wenn etwas nicht gelingt, wird es deutlich, dass wir Verantwortung tragen. Und immer dann, wenn etwas besonders gut gelingt, wird es ebenfalls deutlich.

Es sind ja schon viele Menschen bei Ihnen gewesen und haben sich beraten lassen. Haben Sie eine Geschichte, bei der die Beratung besonders gut gelungen ist?

Ich denke an einen Fall sehr gerne zurück. Das war ein Abiturient, der mit seiner Mutter hier vorstellig wurde und sich für das Thema Schauspiel interessierte. Ich weiß mittlerweile, dass dieser Weg, den der damalige Jugendliche gegangen ist, ein sehr schöner und erfolgreicher Weg gewesen ist, obwohl er damals nur mit skeptischen Äußerungen konfrontiert worden ist. Das ist dann besonders erfreulich.

Es ist angenehm fremd, bunt und anziehend.

Christoph van Ophoven

Die Agentur für Arbeit fördert ja das Projekt TouchTomorrow. Warum? An welcher Stelle ergänzt der Truck Ihr Beratungsangebot?

Besonders positiv an diesem Projekt ist die Art der Durchführung. Der Truck kommt zu den Schülern – auch in ländlichen entlegenen Regionen. Auf schulischem Gelände wird er als außerschulischer Erlebnis- und Lernort gesehen, der neugierig macht. Das Neue, das Fremde zieht teilweise an, besonders, wenn es auf dem eigenen Territorium angeboten wird. Das sind gute Voraussetzungen dafür, dass Schüler und Schülerinnen „erreicht“ werden. Es ist angenehm fremd, bunt und anziehend.

Und inhaltlich?

Der Truck als mobile Interaktionswelt versinnlicht MINT-Themen und –Inhalte, also Abstraktes, damit werden die Dinge greifbar und begreifbar. Diese Versinnlichungsintensität ist in gängigen Beratungskontexten nicht immer erreichbar. Sie macht Sinn, da sich auch diejenigen angesprochen fühlen, die sich bisher für Technikthemen nicht sehr interessiert haben oder auch technikskeptisch sind. Das ist erfreulich, da viele Arbeitsmarktbereiche der Zukunft im MINT-Kontext eine wichtige Rolle spielen werden. Hier gibt es Zukunftspotentiale, die nicht ignoriert werden dürfen.

Wir können helfen einzuordnen.

Christoph van Ophoven

Was machen Sie, wenn Sie im Truck sind?

Wir helfen die gewonnen Eindrücke in einen Kontext zu setzen. Ich stehe dort in einem Bereich, der nennt sich MINT-Navi. Dort haben wir die Möglichkeit, digital auf unterschiedliche Bildungswege zuzugreifen und dazu Informationen zu geben. So können wir zum Beispiel helfen einzuordnen. Wenn ich nämlich immer nur hier und da mal schaue, dann wird mir irgendwann schwindelig. Wenn wir über Studiengänge oder Ausbildungsberufe sprechen, dann können wir Strukturierungshilfen anbieten. Das zweite: Wir bemühen uns auch im Truck, das zu individualisieren, was an Informationen da ist und erfragt wird. Das ist natürlich schwierig, weil die Gespräche sehr kurz sind. Ich bemühe mich, auf die Person einzugehen und das, was auf der Objektseite erfasst wird, praktisch auf den einzelnen zu beziehen.

Welche Frage sollte man sich im Zusammenhang mit der Berufsorientierung auf jeden Fall stellen? Und welche sollte man eher auslassen?

Ich beginne mit der letzten Frage: die Orientierung an dem, was andere als schick, modisch oder statusangemessen betrachten, sollte ebenso wenig eine Rolle spielen, wie die übertriebene Orientierung an Einkommenstarifen. Eine wirklich wichtige Frage zielt auf die Interessen eines jungen Menschen. Dabei geht es um Interessen, von denen vermutet werden kann, dass sie „stabil“ sind. Dieser häufige Ausgangspunkt in Beratungsgesprächen ist ein schwieriger Ausgangspunkt, da Jugendliche aufgrund ihrer entwicklungsbedingten Offenheit manchmal große Selbsteinschätzungsprobleme haben.

Hier findet ihr den kompletten Artikel zum TouchTomorrow Projekt.

Titelbild: Antoia Eichenauer