Alles begann in einem Kellerraum der Mädchenschule. Nun hat sich die Roboter-AG der BMV-Schule Essen für die RoboCup-WM in Sydney qualifiziert – mit einem Roboter, der Schultaschen packen kann.
Gastbeitrag von Carolin Schröder und Joelle Seisel, BMV-Schule Essen

Vom 03. bis 05. Mai fand in Magdeburg das Finale der RoboCup German Open statt. Der RoboCup ist ein internationaler Wettbewerb für Schüler und Studenten, dessen Intention es ist, jungen Leuten moderne Techniken näher zu bringen und innovative Ideen zu entwickeln.

In diesem Jahr nahm wieder ein Team der BMV-Schule in Essen in der Kategorie „onStage preliminary“ am RoboCup Junior Teil. In dieser Kategorie soll eine Performance von ein bis zwei Minuten entwickelt werden, in der Roboter und Menschen gemeinsam eine Geschichte erzählen, die sowohl technisch als auch inhaltlich überzeugen muss.

Das digitale Kinderzimmer

Das „Caos Teahm“ der BMV Schule hat sich dabei für die Vorstellung eines digitalisierten Kinderzimmers entschieden, das viele nützliche Funktionen enthält, wie zum Beispiel einen Roboter, der eigenständig die Schultasche packt. Dazu wurde seit August letzten Jahres getüftelt, gebaut und programmiert. Unzählige Stunden verbrachten die fünf Mädchen aus der 11.Klasse des Gymnasiums im FabLab der Hochschule Ruhr West und in ihrem Roboterraum an der Schule. Das Ergebnis: Nach einem klaren Sieg in der Vorrunde Anfang März in Hannover (SAT1 und NRZ berichteten) qualifizierte sich das Team für die deutschen Meisterschaften in Magdeburg.

Bis dahin wurde fleißig weiter getüftelt und geknobelt, um die Performance zu verbessern und so gute Chancen auf den ersten Platz zu erhalten, da dies gleichzeitig einen Startplatz bei der Weltmeisterschaft in Sydney bedeuten würde.

beleuchtetes Regal

Der wohlsortierte digitale Kleiderschrank.

Der Wettbewerb in Magdeburg war ein Auf und Ab der Gefühle. Nach einer guten technischen Präsentation, in der das Team seine Technik sehr anschaulich und verständlich darstellen konnte, folgte ein schwächerer erster Lauf, der jedoch mit einem guten Interview mit der Jury und einem erfolgreichen zweiten Lauf wieder aufgewogen werden konnte. Dennoch blieb es bis zum Ende spannend, die Konkurrenz hat schließlich auch nicht geschlafen. Doch das„Caos Teahm“ konnte sich durchsetzen und erlangte den verdienten ersten Platz und damit auch die Qualifikation für die Weltmeisterschaft Anfang Juli.

Was ist der RoboCup?

Der RoboCup ist mit über 600 gemeldeten Teams in insgesamt 10 verschiedenen Kategorien der größte Schüler*innen-Wettbewerb seiner Art in Deutschland. Während hinter den meisten Teams die Informatiklehrer*innen der jeweiligen Schulen stehen, wird die AG der BMV ehrenamtlich von zwei ehemaligen Schülerinnen betreut und organisiert. 2012 nahmen Carolin Schröder und Lena Hagenauer selbst an einem regionalen „Robot Game“ Wettbewerb des zdi (Zukunft durch Innovation) teil, und stellten dabei fest, dass die Arbeit mit den Lego-Mindstorms-Robotern besonders für Schüler*innen der Unterstufe großes Potenzial bietet. An der BMV kamen Schülerinnnen bis dahin erst in der achten Klasse mit Robotern in Kontakt, und das auch nur, wenn sie einen Platz im heiß begehrten Informatik-Differenzierungskurs belegt hatten.

Die beiden damals 16-Jährigen beschlossen, eine Roboter-AG für die Kassen 5 und 6 ins Leben zu rufen. Nach den Sommerferien startete das Projekt in einem Kellerraum der Schule mit 14 Schülerinnen. Anna Lena Nestler, Grit Schiefelbein und Joelle Seisel sind seit 2012 dabei, sozusagen die „First Generation“, Anna Bott und Helen Winkler sind erst seit diesem Jahr dabei. Was mit 14 Kindern begann, ist mittlerweile ein Großprojekt. Über 70 Schüler*innen nehmen im laufenden Schuljahr an der AG Teil, der Großteil, etwa 50, sind in Klasse 5.

Im laufenden Schuljahr sind drei Teams in verschiedenen Wettbewerben gestartet, die 11-Klässlerinnen im RoboCup „onStage“, ein Jungenteam aus Klasse 8 in der Kategorie Rescue Line. Leider reichte es in der Vorrunde nicht für eine Qualifikation zur Deutschen Meisterschaft. Ein gemischtes Team der 7.Klasse nahm am „Robot Game“ des zdi in der HRW Bottrop teil, auch hier war nach der Vorrunde Schluss.

Auch die Mitglieder des „Caos Teahms“ begannen ihre Wettbewerbskarriere 2013 beim zdi, allerdings in der Kategorie „Performance“. Diese ist ähnlich aufgebaut wie „onStage“. Nachdem die Mädchen 2015 Landessieger in diesem Wettbewerb wurden, sehnten sie sich nach neuen Herausforderungen, da der zdi in seinen Wettbewerben die Nutzung auf Lego-Roboter beschränkte. Arduino, Raspberri Pi, Calliope und Co. sind beim RoboCup hingegen vollkommen normal beziehungsweise ausdrücklich erwünscht.

Vom Keller ins FabLab an der HRW Bottrop

Durch die komplexeren Roboter verlagerte sich der Arbeitsschwerpunkt der Mädchen in den letzten Jahren immer mehr von ihrem Kellerraum voller Lego und Bastelmaterial, hin zum FabLab an der HRW Bottrop. Carolin und Lena arbeiten beide dort als studentische Hilfskräfte. Lena studiert auch angewandte Informatik an der HRW, Carolin Rehabilitationspädagogik an der TU Dortmund. Eine nahezu perfekte Kombination um eine Roboter-AG zu leiten. Die Möglichkeiten des FabLabs eröffnen vollkommen neue Perspektiven in der Arbeit der AG. Vorgefertigte Mikrocontroller werden durch selbst gefräste Platinen ersetzt, wackeligen Lego- oder Pappmachékonstruktionen gibt es nicht mehr. Hier wird 3D-gedruckt, alle Teile sind selbst designed. Auch das interdisziplinäre Team im Fablab war eine große Hilfe, von A wie Antrieb bis Z wie Zahnrad, für jedes Problem ist ein*e Expert*in zur Stelle.

Bei all dem Trubel und den großen Bühnen, auf denen die Mädchen auftreten, haben sie aber nie vergessen, wo das Ganze einmal angefangen hat: Ganz klein, in der 5.Klasse. Die Leitung der AG liegt nach wie vor bei Carolin und Lena, das „Caos Teahm“ unterstützt die beiden jedoch kräftig in der wöchentlichen Betreuung der jüngeren Klassen. Die AG der 6.Klassen betreuen die Mädchen mittlerweile komplett selbstständig, das Wissen wird hier von Generation zu Generation weitergegeben. In diesem Schuljahr muss die AG der jüngeren Klassen jedoch schon zwei Wochen vor den Ferien enden, da alle Betreuerinnen zur WM unterwegs sind.

Auf den letzten Metern steht noch einiges an Organisation an. Die Reise und der Transport der Materialen kostet für Team und Betreuer*innen insgesamt etwa 25.000 Euro und an „Rob“ und den anderen Bühnenelementen muss noch einiges optimiert werden, bevor die Koffer gepackt werden können. Ab dem 2. Juli 2019 heißt es Daumen drücken und vielleicht kommt der neue „RoboCup Junior onStage preliminary“ Sieger 2019 dieses Jahr aus Deutschland.