Wenn es um die Berufsorientierung geht, verlassen sich Jugendliche tatsächlich gerne auf die Erfahrung ihrer Eltern. Auch Leonie Fritsch, Coach im „TouchTomorrow“-Truck, ist über ihren Papa in die Biologie gekommen.
Von Laura Patz

Irgendwie ist es ungünstig, dass der Prozess der Berufsorientierung in die Pubertät fällt. Denn genau dann wechseln unsere Interessen so oft wie sonst nie. Was auf den Musikgeschmack oder den Freundeskreis zutrifft, gilt auch für unsere berufliche Zukunft.

Und nicht nur mit uns selbst stehen wir Jugendlichen im Konflikt. Auch mit den Eltern geraten wir aneinander, wenn es um Taschengeld, die richtige Ernährung oder Schulnoten geht. Überraschenderweise ist die Berufswahl jedoch ein Thema, bei dem wir uns auf sie verlassen und uns an ihnen orientieren. Weder unsere Lehrer noch außerschulische Orientierungsangebote wie Messen haben einen so starken Einfluss auf die individuelle Berufswahl wie unsere Eltern. Das ergab eine Studie, die 2017 im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung durchgeführt wurde.

Das liegt daran, dass Eltern die Stärken und Schwächen ihrer Kinder besonders gut kennen. So schätzten sowohl Erwachsene als auch Kinder Eltern als kompetente Berater in Sachen Berufsorientierung ein.

Wissenschafts-Magazine auf dem Couchtisch

Auch für Leonie Fritsch, MINT-Coach im „TouchTomorrow“-Truck der Dr. Hans Riegel-Stiftung, war ihr Vater die größte Inspiration. Als Biologie-Lehrer aus Leidenschaft hat er ihr oft die Natur erklärt und auch privat Wissenschafts-Magazine gelesen. In denen hat Fritsch schon als Kind begeistert geblättert. Im Grundschulalter stand dann für sie fest, dass sie ebenfalls in die Biologie gehen würde. Heute ist sie promovierte Biotechnologin und inspiriert wiederum Jugendliche, die sich im Truck über MINT-Berufe informieren, also Berufe in den Fachbereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik.

Fritsch denkt nicht, dass das Interesse an bestimmten Themen vererbt wird. Doch ihr Gefühl stimmt mit dem überein, was Studien bewiesen haben: Die meisten von uns entscheiden sich für ähnliche Berufe oder Studienfächer wie die Eltern. Immerhin sind die Eltern diejenigen, von denen wir als Kinder am meisten erfahren. Warum es ihnen also nicht gleichtun, wenn diese begeistert von der Arbeit berichten?

Einige MINT-interessierte Schüler nehmen viel von uns Coaches an, da wir vom Alter her näher an ihnen dran sind.

Leonie Fritsch ist als Coach und manchmal auch als Vorbild im „TouchTomorrow“-Truck.

Wichtig ist – dafür ist Leonie Fritsch ein Paradebeispiel –, dass Eltern nicht zwanghaft versuchen, uns zu etwas zu drängen. „Ich glaube, mein Vater hat sehr unbewusst Einfluss auf mich genommen“, erinnert sich die Biotechnologin. „Das Einzige, was mir zu Hause suggeriert wurde, war, dass Studieren zu dürfen ein Privileg für Abiturienten ist, das man nutzen sollte“, ergänzt sie. Statt die eigenen Träume auf uns zu projizieren, sollten Eltern aufklären, beraten und uns in unseren Wünschen bestärken!

Aber auch Lehrer spielen eine wichtige Rolle. Laut der Studie des Bundesbildungsministeriums haben Eltern großes Vertrauen in die Schule als Wegweiser zur Berufswahl. Es kann natürlich auch außerschulische Vorbilder geben. „Einige MINT-interessierte Schüler nehmen viel von uns Coaches an, da wir vom Alter her näher an ihnen dran sind. Außerdem sehen sie an uns, in wie viele Richtungen man mit MINT gehen kann“, berichtet die junge Doktorin über die Schüler, die bei „TouchTomorrow“ mitmachen.

Ein nachhaltiges Projekt

Das Projekt „TouchTomorrow“ möchte insgesamt einen positiven Beitrag zu dem Prozess der Berufsorientierung leisten. „Uns ist es wichtig, dass es nicht beim einmaligen Wow-Effekt des ,TouchTomorrow‘-Trucks bleibt“, sagt der Geschäftsführer der Dr. Hans Riegel-Stiftung Marco Alfter dazu. Aus diesem Grund arbeiten sie Hand in Hand mit der Bundesagentur für Arbeit zusammen und bieten den Schulen kostenloses Material zur Vor- und Nachbereitung des Besuchs im Truck an. Auch Eltern können sich auf touchtomorrow.de Infos einholen, um ihre Kinder optimal bei der Berufsorientierung zu unterstützen. „Den größten Mehrwert für unsere Kinder und Jugendlichen können wir mit vereinten Kräften erreichen“, fasst Alfter die Idee zusammen.

Jugendliche wünschen sich bei der Berufswahl also Vorbilder. Das können fast alle sein, die für ihren Beruf brennen. In diese Rolle schlüpfen sollten aber vor allem diejenigen, welche die Heranwachsenden und ihre Talente, Hobbys und Persönlichkeit kennen – allen voran die Eltern.

Eltern finden hier Hilfestellungen:

• Auf touchtomorrow.de/fuer-eltern gibt es Tipps, wie man die Talente der Kinder am besten erkennen.
• Auch Anlaufstellen für Informationen zu konkreten Berufen werden hier aufgezeigt.
• Das MINT-Navi bietet die Möglichkeit, durch Studienfächer und Ausbildungsberufe zu surfen.

Dieser Artikel entstand in Kooperation mit unserem Projektpartner Dr. Hans Riegel-Stiftung.