Was gilt alles als Mobbing? Wer wird zum Opfer, wer zum Täter? Und gibt es Mobbing auch schon im Kindergarten? Wir klären alle Fragen.
Von Anita Gau, Klasse 8g, Gymnasium Essen-Überruhr

Als Mobbing bezeichnet man das Verhalten, wenn Kinder oder Erwachsene (meistens Schulkinder oder Teenager) über einen längeren Zeitraum von einer Person oder von einer Gruppe von Personen erniedrigt oder schikaniert werden. Man unterscheidet Cybermobbing vom Mobbing im wahren Leben.

Beim Cybermobbing werden die Mobbingopfer im Internet durch soziale Netzwerke, wie WhatsApp, direkt oder anonym beleidigt, erniedrigt oder ausgelacht. Die verbale Form von Mobbing liegt vor, wenn die Opfer beleidigt, mit Worten erniedrigt oder bloßgestellt, negativ kritisiert oder bedroht werden. Nonverbales Mobbing hingegen ist genau das Gegenteil: Die Betroffen werden von den Mobbern ignoriert, die Zusammenarbeit mit ihnen wird vermieden, ihr Eigentum wird versteckt oder sogar beschädigt oder beleidigende Fotos von den Opfern werden, ohne dass es die Opfer es wissen, für alle sichtbar, verbreitet. Körperliches Mobbing beruht auf körperlicher Gewalt: Die Mobbingopfer werden fest gepackt, getreten, geschubst, geschlagen und so weiter.

Die Konsequenzen

Mobbing kann sehr verheerende Folgen haben. Es können psychische Folgen, wie Depressionen, aber auch physische Folgen, wie blaue Flecken oder Wunden, die durch die körperliche Form von Mobbing entstehen, auftreten. Auch psychosomatische Folgen (körperliche Erkrankungen oder Beschwerden, die durch psychische Belastungen hervorgerufen werden), wie Bettnässen, Angstattacken oder Alpträume können Folge sein. Aber das sind noch die „harmlosen“ Konsequenzen. Schon oft genug hat man gehört, dass Mobbingopfer sich selber körperlich Schaden zugefügt haben, in eine Sucht verfallen sind oder kurz vor einem Selbstmord standen.

Wer mobbt? Wer wird zum Mobbingopfer?

Entscheidend ist, dass es an der Erziehung, Sozialisierung und Identität der jeweiligen Person (sei es ein Kind, ein Teenager oder ein Erwachsener) liegt, ob sie nun eine andere Personen mobbt oder nicht. Ebenfalls ist mit diesen drei Kriterien festzumachen, wie ein Mobbingopfer mit der Tatsache, dass es gemobbt wird, umgeht. Die Beziehung und Bindung zu der Familie (besonders bei Kindern) oder inwiefern man bereit ist, Hilfe anzunehmen, spielt dabei meistens ebenfalls eine sehr große Rolle.

Kinder zum Beispiel, die eine enge Bindung zu ihren Eltern haben, sprechen mit diesen darüber und lassen sich helfen. Andere Kinder werden durch die Handlungen ihrer Mobber ängstlich und verschlossen. Die Familie verwirrt das Benehmen ihrer Kinder meistens, weil diese ihnen den Grund für diese Angst oder Verschlossenheit nicht mitteilen. Die Eltern sollten versuchen, mit ihrem Kind darüber zu sprechen und, falls nötig, Hilfe von Mobbingberatungen aufzusuchen. Denn bereits solche Anzeichen können, wenn nicht früh genug eingegriffen wird, im schlimmsten Fall sogar zu Selbstmordversuchen führen.

Schon im Kindesalter?

Tatsächlich treten schon im Kindergarten „Mobbing-Konflikte“ auf. Diese Konflikte, die meist bei vier- bis sechsjährigen Kindern (meist Vorschulkindern) vorkommen dauern zwar nicht immer so lange an, wie bei dem „echten“ Mobbing, die Grundmerkmale von Mobbing werden aber trotzdem erfüllt. Die Kinder streiten sich zum Beispiel um ein Spielzeug und sind dann öfters nur für ein paar Tage zerstritten, weil der eine mit dem anderen ein Spielzeug nicht geteilt hat. Oft hört man auch Aussagen wie: „Wenn du ….., dann bist du nicht mehr mein Freund!“, was von Außenstehenden oftmals als eher harmlos angesehen wird, Kinder in diesem Alter allerdings sehr verletzten kann.

Aber es gibt auch Fälle, bei denen Kinder andere Kinder aufgrund ihrer Erscheinung oder ihres Gewichts auslachen. Wenn man überlegt, dass bereits vier- bis sechsjährige Kinder lernen müssen, dass ihr Körper „falsch“ ist und sie mit ihrem Aussehen nicht gut genug sind, ist dies schon so früh ein entscheidendes Ereignis, dass auch im zukünftigen Leben zu Konsequenzen führen kann. Man sieht: Auch Mobbing unter Kindern ist ernst zu nehmen und nicht immer nur eine kurzwährende Streiterei.
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