„Lost Places“, also verlassene Schlösser, Bahnhöfe oder Krankenhäuser, sind spannende Zeugen der Zeit. Dennoch sind Besuche mit Vorsicht zu genießen.
Von Steve Butt, A02, Weiterbildungs-Kolleg Emscher-Lippe, Gelsenkirchen

Jeder hat sie schon einmal gesehen, ist durch Zufall daran vorbeigefahren. Sie rotten vor sich hin und machen einen kahlen gespenstischen Eindruck, der jedoch die Fantasie und Neugier anregt.

Die Rede ist von „Lost Places“ oder „Rotten Places“, die durch Schäden geprägten und von der Natur zurückeroberten Bauwerke oder Orte. Jetzt modern sie – teils vergessen, teils zur Attraktion geworden – vor sich hin. Das können normale Wohnhäuser sein oder eine ganze Siedlung, wie es in Gladbeck Zweckel der Fall ist. Durch Freunde wurde ich auf die Eisen- und Schlägel-Siedlung aufmerksam und erkundigte mich. Dabei fiel mir auf, dass es eine Vielzahl an Menschen gibt, die mein Interesse an verlassenen Orten teilen. Nachdem ich so viel über Lost Places gelesen hatte, musste ich es selbst erleben.

Ich suchte mir einen Ort heraus und fuhr mit Bekannten hin. Dort geht man über einen Waldweg auf eine alte zugewachsene und zerstörte Mauer zu, die mittendrin ein Weg zum hineingehen hat.

Ein halbes Dach, ein alter Brunnen und eine zerstörte Brücke

Hinter dem Eingang sahen wir ein altes lang vergessenen Herrenhaus mitten im Wald, abgespaltet von jeder Zivilisation. Das Haus war völlig vermodert: die Fenster zu genagelt, die Wände mit warnenden satanistischen Zeichen besprüht, das halbe Dach fehlte und vor dem Haus war ein alter Brunnen, der früher einmal zum Vorgarten gehört haben muss.

Wir gingen näher an das Haus heran und überlegten uns, wie wir dort hineinkommen könnten, denn die recht große Eingangstür war fest verriegelt. So gingen wir um das Gebäude herum. Hinter dem Haus war eine kleine zerstörte Holzbrücke, von der das meiste schon fehlte. Sie führte vom Haus aus über einen Teich zum Garten. Dort befand sich ein weiteres kleines Gästehaus, von dem nur noch die Mauern – und die auch nur zum Teil – vorhanden waren. Nun wuchs ein Baum aus dem Haus.

Völlig fasziniert schossen wir die ersten Bilder und suchten darauf weiter den Eingang ins Haus. An der Seite des Hauses fanden wir dann eine offene Tür. Als wir eintraten führte dort eine Treppe zum Keller und links davon ein Weg direkt ins Haus. Da der Weg in den Keller mit einigen Schränken zugestellt war und keiner von uns sich traute, hinab zu gehen, gingen wir direkt ins Haus hinein.

Ein gruseliger Fund

Der erste Blick begeisterte sofort: eine riesige Eingangshalle mit Wendeltreppe, die allerdings in der Mitte abgebrochen war und auf dem Boden lag. Die Löcher im Dach ließen die Sonne hereinstrahlen und alles erhellen. Überall lagen dicke Holzbalken vom Dach herum und die Tapeten von den Wänden fielen ab. Als wir dann weiter gingen, kamen wir in einen Raum, dem man sofort ansah, dass er einmal die Küche gewesen sein muss. An den Wänden war anhand von Schatten klar zur erkennen, dass dort eine große Anzahl an Schränken gehangen haben muss. In der Mitte stand noch ein großer Esstisch – sehr alt und braun. Sonst war alles aus dem Zimmer entfernt worden, bis auf eine Gabel, die einer von uns fand.

Wir gingen durch eine Tür, die zu einem angrenzenden Zimmer führte. Dort drinnen muss das Wohnzimmer gewesen sein. Der Raum war sehr groß und eine zugenagelte Glastür führte vermutlich in den Garten. Mitten im Zimmer lag auf dem Boden ein großer Deckenleuchter. An der Wand stand noch ein Schrank mit einem Sessel daneben. Ich öffnete den Schrank und fand ein altes T-Shirt ohne Aufschrift. Daneben lag ein Bild in schwarz-weiß. Darauf zu sehen war das Haus und vermutlich die Familie der es gehörte: vierköpfig, wohlhabend gekleidet und glücklich dreinschauend.

Vorsicht beim Besuch von Lost Places!

Als wir das sahen, bekamen wir ein mulmiges Gefühl und wollten einfach gehen. Einer von uns und redete sich sogar ein, Stimmen gehört zu haben. Dadurch gerieten auch wir anderen in Panik, sodass wir heraus zum Auto stürmten. Wir fuhren direkt los und fingen aber an, zu lachen und uns darüber selbst lustig zu machen, dass wir wie in einem Horrorfilm panisch weggerannt waren.

Auch wenn Lost Places super spannend sind und man dort tolle Geschichten ausgraben kann, sollte man nicht leichtfertig zu solchen Orten gehen, da sie auch Gefahren bergen können. Man weiß nie, was dort passieren könnte. Außerdem gehöre manche Grundstücke auch noch jemandem, auch wenn sie verlassen scheinen und nicht mehr bewohnt sind. Dann wäre der Besuch des Ortes Hausfriedensbruch und damit strafbar.
Beitragsbild: Elias Schupmann via Unsplash