Wer in der Sonderpädagogik arbeiten möchte, muss dafür brennen. Ein Bochumer Sonderpädagogin erzählt im Interview, von den Higlights und Tücken des Alltags.
Von Anne Sommerfeld, Joann Madden und Janne Dorny, Klasse 8a, Graf-Engelbert-Schule Bochum

Bochum. Ein schriller Ton, die Schule beginnt und damit ein neuer Tag für die Schüler und Schülerinnen der Graf-Engelbert-Schule. Auch die Inklusionsschüler laufen zu ihren Klassenräumen. Bereits seit drei Jahren unterstützt das Gymnasium das Projekt „Inklusion“. Dabei werden Schülerinnen und Schüler mit Förderbedarf in Klassen integriert. Sie lernen gemeinsam mit den anderen Schülern und Schülerinnen und werden dabei durch Sonderpädagogen unterstützt. Wir haben die Sonderpädagogin der Graf-Engelbert Schule, Frau von Wahlert, interviewt.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, Sonderpädagogin zu werden?

Zuerst habe ich mein Abitur absolviert und Medizin studiert, doch ich wollte schon immer mit Kindern zusammenarbeiten. Deswegen habe ich mein Studium abgebrochen, um Sonderpädagogin zu werden. Danach habe ich sehr viele Praktika an Schulen gemacht und letztendlich bin ich an der Graf-Engelbert-Schule gelandet.

Was ist der Unterschied zwischen Lehrern und Sonderpädagogen?

Im Gegensatz zu Lehrern, die sich auf ein bis zwei Schulfächer spezialisieren, sind Sonderpädagogen für mehrere Bereiche zuständig. Ich übernehme sehr viele erzieherische Aufgaben. So bringe ich den Schülern beispielsweise bei, welche Regeln man befolgen muss und statte sie mit lebenspraktischen Kompetenzen aus. Diese Aufgaben stehen für mich im Vordergrund.

Was meinen Sie mit lebenspraktischen Kompetenzen?

Dieser Begriff wird definiert als Arbeitslehre. In diesem Fach lernt man zum Beispiel zu kochen, zu bügeln und Kontoauszüge abzuholen. Man muss gerade den Inklusionskindern mit solchen Angelegenheiten helfen, da ihnen die Unterstützung von Zuhause fehlt.

Was macht Ihnen an Ihrem Beruf am meisten Spaß?

Zunächst einmal wird es nie langweilig und jeden Tag passiert etwas neues Spannendes. Außerdem macht es mir Spaß, dass man sich um viele spontane Sachen kümmern muss. Teilweise ist es eine echte Herausforderung für mich, wenn man zum Beispiel Konflikte lösen muss. Ich liebe es mit Kindern und Jugendlichen zu arbeiten, da es viel Abwechslung mit sich bringt.

„Die Lernspanne zwischen Kindern mit und ohne Förderbedarf ist zu groß für Inklusion.“

Sonderpädagogin Frau von Wahlert

Was halten Sie davon, dass Inklusion an unserer Schule nicht fortgeführt wird?

Auf der einen Seite finde ich es schade, da sich viele Leute für das Projekt eingesetzt haben und sehr viel Energie und Kraft dafür aufgebracht haben. Andererseits ist es schwierig, da die Lernspanne zwischen Kindern mit und ohne Förderbedarf zu groß ist.

Was müssen Sie in Ihrem Beruf besonders beachten?

Ich habe häufig sehr intensiven Kontakt mit Schülern und Eltern. Oft muss ich erzieherische Gespräche führen und Probleme lösen. Außerdem sollen alle integriert werden und ich muss auf alle eingehen.

Wie könnten Sie, da es ja leider zu wenig Sonderpädagogen gibt, andere von Ihrem Beruf überzeugen?

Man kann ein Praktikum machen, um sich bewusst zu machen, was dieser Beruf bedeutet. Wenn man mit jungen Menschen, die es teilweise schwieriger im Leben haben, arbeiten will, ist dieser Beruf genau das Richtige. Außerdem ist man ständig im Austausch mit anderen Leuten. Ich denke man muss die Arbeit von Herzen wollen.

Was macht Ihnen am wenigsten Spaß?

Leider gibt es nicht genügend Austauschmöglichkeiten mit den Kollegen und Kolleginnen. Außerdem ist die Organisation auf einem Gymnasium kompliziert, weil wir wie eine kleine Schule in einer großen sind.

Beitragsbild: Joanna Kosinska via Unsplash