Robert Habeck hat nach der Veröffentlichung von privaten Daten und einem missglückten Video beschlossen, dem Social-Media-Business den Rücken zu kehren. Darf er das als Politiker?
Von Markus Hoppe

Das Internet vergisst nicht(s). Dieses Sprichwort kennt wohl mittlerweile jeder – und es stimmt. Da kann ein Robert Habeck seinen Twitter- und seinen Facebook-Account löschen oder sich auf den Kopf stellen. Seine Aussagen, seine Fehler bleiben verewigt. Doch was ist passiert?

Robert Habeck ist der Bundesvorsitzende der Grünen. Ihm sind viele persönliche Daten gestohlen worden: Nachrichten, Bilder, Adressen, vieles von Facebook und anderen privaten Quellen. Dann hat sie jemand bei Twitter veröffentlicht. Fast zeitgleich mit dem … missglückten Wahlkampfspruch. In einem Video sagte Habeck, Thüringen solle ein „offenes, freies, liberales, demokratisches Land“ werden. Als ob es das nicht schon ist! Ich als Thüringer merke jedenfalls herzlich wenig von Unfreiheit oder gar Zensur. Ich darf hingehen, wo ich möchte, frei meine Meinung sagen und veröffentlichen. Wie könnte ich in einem unfreiheitlichen Thüringen diesen Kommentar schreiben? Das weiß auch Habeck.

Nur: Er kappt so die Bande zur Jugend

Nun ja, da kam eins und eins zusammen, und  Habeck hat als Lösung des Problems seine Accounts gelöscht. War das die richtige Reaktion? Oder feige?

Auf der einen Seite hat ein Politiker eine Art Pflicht, sich in der Öffentlichkeit zu präsentieren und zu seinen Aussagen auch zu stehen. Seine Fehler, wie den Wahlkampfspruch, gilt es wiedergutzumachen. Da kann er sich nicht aus der Verantwortung ziehen. Zudem kappt er ja mit seinem radikalen Schritt die Bande zur Jugend, die er erreichen will – zumindest sollte er das wollen, denn auch für ihn sind das frische Wähler. Jugendliche erreicht man nun mal in den sozialen Medien am besten.

Doch andererseits wurde er Opfer von Datenklau. Private Infos veröffentlicht! Wie fühlt man sich dabei? Das kann man nur als Opfer wissen. Ich möchte es mir nicht vorstellen.

Also: Robert Habeck sollte zu seinem Fehler stehen und ihn wiedergutmachen. Dennoch hat er das Recht, aus dem Social-Media-Leben auszusteigen. Ich finde, das sollte man ihm lassen.

Titelbild: Christian Charisius / dpa