Es dauert nicht mehr lange, dann ist der Steinkohlenabbau im Ruhrgebiet Geschichte. Aber weiterleben wird er auf jeden Fall, denn die Kohle boomt.
Von Laura Patz

Nur noch wenig Zeit verbleibt, bis das letzte aktive Steinkohlenbergwerk des Ruhrgebiets, Prosper-Haniel in Bottrop, geschlossen wird. Mit dem 21. Dezember 2018 wird eine Ära zu Ende gehen, die die Region wie kaum etwas anderes geprägt hat. Die Steinkohle – auch bekannt als „Grubengold“ – hat „die Leute wieder hochgeholt“, erinnerte sich schon Herbert Grönemeyer wehmütig in seinem Lied „Bochum“ von 1984 und stimmte vorweg gerne das Steigerlied an.

Heute, über 30 Jahre später, wird das Volkslied weiter gesungen und erneut aufgegriffen. „Es kommen neue Generationen nach, die die Tradition und Mentalität der Bergmänner weitertragen und den Bergbau in Ehren halten“ berichtet Markus Herzog aus Gelsenkirchen, der das Thema als Rapper Muetze musikalisch bearbeitet. Zwar war der 33-Jährige selber nie unter Tage tätig, jedoch zeigt er mit seinem Album „Schicht im Schacht“, das im Sommer erschien, dass auch für junge Ruhrpottler das Thema Bergbau noch nicht vergessen ist.

Ich bin mir sicher, wenn alle begriffen haben, dass definitiv Feierabend ist mit dem Steinkohlebergbau, werden die uns die Bude einrennen.

Klaus Herzmanatus führt mit Kumpels zusammen „ Das Kleine Museum“ an der Zeche Hugo.

Klaus Herzmanatus, ehemaliger Bergmann und Betriebsratsvorsitzender der Gelsenkirchener Zeche Hugo, hat nach ihrer Stilllegung mit dafür gesorgt, dass das Bergwerk in Form eines Besucherzentrums wiederbelebt wird. „Der Bedarf wird größer“, bestätigt auch er. „Wir merken das jetzt schon im Museum, dass viele herkommen und sagen, dass sie ihre Geschichte kennenlernen wollen. Ich bin mir sicher, wenn alle begriffen haben, dass definitiv Feierabend ist mit dem Steinkohlebergbau, werden die uns die Bude einrennen. Dann werden sie wach und denken sich: ,Ach, hätteste mal!‘ Jeder wird ein Stück Kohle haben wollen“, sagt der Experte voraus.

„Kohle“ – ein Stichwort mit zwei Gesichtern, vor allem, wenn es um die Kommerzialisierung des Bergbaus geht. „Bei Merch springen natürlich auch einige Leute nur auf den Zug auf, um wortwörtlich Kohle zu machen“, berichtet Muetze über den momentanen Bergbau-Hype. Bei vielen ist es tatsächlich aber einfach die Heimatverbundenheit, der sie so Ausdruck verleihen wollen; eine Erinnerung an vorherige Generationen. Ein Label gäbe es, das entwerfe sogar Textilien mit Gruben-Print, die auf der New York Fashion Week präsentiert würden, erzählt der Musiker.

Wir jungen Leute erleben heute tolle Sachen dort, wo früher Bergbau betrieben wurde.

Rapper Muetze sieht auch die Vorteile vom Ende.

In seinem Lied „Der Steiger kommt“ singt Muetze aber auch, dass er das Ende des Bergbaus nicht nur mit einem weinenden, sondern auch mit einem lachenden Auge sieht. „Wir jungen Leute erleben heute tolle Sachen dort, wo früher Bergbau betrieben wurde. Ehemalige Halden sind zu Fußballplätzen oder Diskotheken umfunktioniert worden“, führt er an. Besonders zu Silvester, wenn sich die Leute auf den Halden zum Anstoßen treffen, werden die Halden neu belebt.

Doch nicht nur auf den Halden oder an Herzmanatus’ ehemaligem Arbeitsplatz wird heute dem Bergbau die Ehre erwiesen. Das hohe Bewusstsein über das Ende der Steinkohlenära macht sich im ganzen Ruhrgebiet bemerkbar. Auch das Deutsche Bergbau-Museum Bochum beispielsweise – eines der meistbesuchten Museen Deutschlands und das größte Bergbau-Museum weltweit – wird aus diesem Anlass saniert und neu ausgerichtet. Die neuen Steinkohlenrundgänge wurden gerade fertiggestellt. Ab Sommer 2019 ist der Umbau komplett abgeschlossen.

Über Rapper Muetze wird gesagt, er nehme auf musikalische Art Abschied vom Bergbau. Seine Texte und die Leidenschaft, mit der die Leute im Jahr der letzten Zechenschließung dem Thema begegnen, zeugen allerdings weniger von einem Ende. Ähnlich wie beim Bergmannsgruß „Glückauf“ scheint es mehr um einen hoffnungsvollen Ausblick in die Zukunft zu gehen.

Titelbild: Menschen fahren auf der Eisbahn auf dem Gelände der Zeche Zollverein Schlittschuh (c) Jochen Tack
Die Reihe Glückauf. Forever entsteht in Kooperation mit der RAG.