Im Ruhrgebiet kümmert sich die Ruhrkohle AG um den langen Schatten des Steinkohlenbergbaus
. Im Interview erklärt Christof Beike mehr zu den Ewigkeitsaufgaben.
Von Kathrin Keller

Mit Schlägel, Eisen und schwarz gefärbten Gesichtern – auch wenn heute moderne Maschinen zum untertägigen Abbau des „schwarzen Goldes“ eingesetzt werden, so prägte der malochende Kohlearbeiter bis heute das Bild des Kohlebergbaus im Ruhrgebiet. Über Jahrhunderte wurde unter mächtigen Fels- und Erdmassen tonnenweise Steinkohle an die Erdoberfläche befördert. Doch damit ist Ende dieses Jahres endgültig Schluss.

Prosper-Haniel ist die letzte Zeche im Ruhrgebiet, die schließt, da staatliche Beihilfen für die Steinkohleförderung auslaufen. Und auch für das Bergwerk Anthrazit in Ibbenbüren, das die Ruhrkohle AG (RAG) betreibt, heißt es bald „Schicht im Schacht“. Eine Ära geht zu Ende. Dennoch bedeute die Schließung der Zechen nicht automatisch das Ende der Aufgaben des Steinkohlebergbaus, wie uns RAG-Pressesprecher Christof Beike auf dem Gelände des ehemaligen Bergwerks Zollverein im Essener Norden erklärt.

Um welche Aufgaben handelt es sich hierbei genau?

Nach der Schließung der Zechen wird sich die RAG vor allem um die Bergbaufolgen kümmern – das heißt, um all das, was der Steinkohlebau in den Hunderten Jahren industriellen Abbaus angerichtet hat. Hierbei unterscheiden wir zwischen den „ewigen“ und „endlichen“ Aufgaben. Bei Letzteren fällt beispielsweise die Bearbeitung von Bergschäden an. Derzeit haben wir rund 20.000 Bergschäden im Jahr an Straßen, Gebäuden – in Form beispielsweise von Rissen in Kellerwänden, die wir voraussichtlich noch in den nächsten Jahrzehnten regulieren werden. Daneben sind wir ebenso für die Sicherung des Altbergbaus und Entwicklung der nicht mehr benötigten Bergbauflächen verantwortlich.

Es geht um Dinge, die wir regeln müssen, solange im Ruhrgebiet fünf Millionen Menschen leben.

Christof Beike, Pressesprecher der RAG, auf die Frage, wie ewig ewig ist.

Was versteht man dann unter den ewigen Aufgaben?

Das sind zunächst fast alle Aktivitäten rund ums Wasser. Einerseits haben wir sensible Standorte, wo beispielsweise im Zweiten Weltkrieg Kokereien bombardiert wurden. Dort sind viele Schadstoffe in die Böden gelangt und belasten das Grundwasser. An diesen Standorten müssen wir das Grundwasser stetig reinigen. Andererseits geht es um Poldermaßnahmen, also um das Regulieren von Wasser an der Oberfläche. Durch den Kohleabbau sind einige Flächen unter den Grundwasserspiegel gesunken. Wasser kann nicht richtig abfließen und muss gepumpt werden, damit aus dem Ruhrgebiet am Ende nicht eine riesige Seenlandschaft entsteht.

Wie geht die RAG mit dem Grubenwasser unter den Kohlebergwerken um?

Das ist tatsächlich der dickste Brocken unserer Ewigkeitsaufgaben. Bislang haben wir das Grubenwasser aus etwa 1.200 Metern Tiefe gepumpt, damit der Bergmann keine nassen Füße bekommt. Dies wird bald überflüssig, weshalb wir das Grubenwasser mit einem Sicherheitsabstand zum Grund- und Trinkwasser ansteigen lassen können. Langfristig wollen wir so die Anzahl der Wasserhaltungsstandorte reduzieren und den größten Teil des Grubenwassers nicht mehr wie bisher in Emscher, Lippe und Ruhr, sondern nur noch in Ruhr, Lippe und direkt in den Rhein einleiten.

Sind diese Aufgaben wirklich für die Ewigkeit?

Na ja, zumindest geht es um Dinge, die wir regeln müssen, solange im Ruhrgebiet fünf Millionen Menschen leben. Das kann sich natürlich ändern, sollten wir auf neue wissenschaftliche Erkenntnisse stoßen. Doch heute gehen wir davon aus, dass wir uns noch ziemlich lange damit beschäftigen müssen.

Trotz zahlreicher Aufgaben für die RAG – fällt Ihnen der Abschied von der Steinkohle schwer?

Klar, der Bergbau war kulturprägend für die Region. Unter Tage waren alle gleich. Das hat das Zusammengehörigkeitsgefühl und die bergmännischen Werte wie Solidarität und Verlässlichkeit gestärkt. Wir werden sehen, was davon erhalten werden kann. Daran müssen wir alle arbeiten.

Titelbild: Kathrin Keller
Die Reihe Glückauf. Forever entsteht in Kooperation mit der RAG.