Von Robotern und Virtual Reality: Wir haben eine Klasse an ihrem Tag im TouchTomorrow-Truck begleitet.

Von Rouven Kühbauch

Die Luft auf dem Kölner Ottmar-Pohl-Platz flirrt über dem Asphalt, die Temperaturen liegen weit über 30 Grad. Dennoch versammeln sich die Schülerinnen und Schüler aus der Klasse 7 der Kaiserin-Theophanu-Schule gespannt vor einem riesigen Truck. Dieser Truck ist zentraler Bestandteil des Projekts „TouchTomorrow“ der Dr. Hans Riegel-Stiftung, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, MINT-Fächer an den Schüler bzw. die Schülerin zu bringen. Als eine Art fahrendes Klassenzimmer ist der riesige Science-Truck dieser Tage gestartet, um über die Schulhöfe Deutschlands zu rollen und so für Schüler und Schülerinnen trockene Theorie in fesselnde Praxis zu verwandeln.

Schüler mit Roboter

Die Schüler müssen den Roboter dazu bringen, einen Goldbären in einen Kasten zu legen. Gar nicht so leicht, denn einfach an die Hand nehmen, lässt er sich nicht. (c) Rouven Kühbauch

An verschiedenen Stationen im Truck lernen die Schülerinnen und Schüler neueste Technologien aus dem MINT-Fachbereich kennen. Doch bevor es so weit ist und alle an die Exponate randürfen, gibt es für die Klasse eine Einweisung durch die MINT-Coaches. Dr. Leonie Fritsch, Engin Öztürk und Dr. Sohrab Noorsalehi-Garakani sind mit dem Truck unterwegs und betreuen die Schulklassen. Zuerst einmal wollen die Coaches von den Schülerinnen und Schülern wissen, was MINT eigentlich bedeutet. Die Antwort „Minze“ fällt prompt – und alle müssen lachen. Doch bereits die zweite Antwort trifft den Kern: MINT steht für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik. Und genau darum dreht sich hier auch alles, aber eben zum Anfassen und Selbsterleben. Und wer weiß: Vielleicht schlummert ja in einem der jungen Besucher ein bisher unentdecktes Mathe- oder Informatik-Genie?

Was ist das? Ein Iko.

Alle teilnehmenden Schülerinnen und Schüler bekommen noch ein kleines 20-flächiges „Etwas“ in die Hand gedrückt. Was das ist? Ein Ikosaeder, von allen Eingeweihten hier nur liebevoll „Iko“ genannt. Was der kann? Der Iko hat einen Chip in seinem Inneren, auf dem die Aktivitäten der Schülerinnen und Schüler im Truck aufgezeichnet werden. Daraus ermittelt ein Algorithmus die Interessen der Jugendlichen. Wenn sie wieder zu Hause sind, können sie sich mit dem Iko auf der Webseite von „TouchTomorrow“ einloggen und so weiter erkunden, wo ihre eigenen MINT-Interessen liegen.

Ein Roboter hinter Gittern.

Wir sind ja ein wenig verliebt in den Roboter. Er ist aber auch fotogen. (c) Julius Erdmann

Und dann geht es los für die Schüler/-innen: Die eine Hälfte der Gruppe bleibt in der unteren Etage des Trucks – hier geht es um die „Lebenswelt der Zukunft“, also um all die Dinge und Fragen, die zukünftig unseren Alltag beeinflussen werden. An der Station „Gedankensteuerung“ setzen sich zwei Schülerinnen ein Stirnband auf, in dessen Innenseite Metallkontakte elektrische Signale auf der Haut messen. Mit diesen Signalen lässt sich dann eine Kugel auf dem Bildschirm steuern. Die Station kommt an, die Jugendlichen reißen sich darum, das Ballspiel zu spielen.

Auch die Station „Verschlüsselung“, in der es um Datensicherheit und verschiedene Verschlüsselungsmethoden geht, ist beliebt. In einer Challenge, die wie ein Videospiel aufgebaut ist, wird die Caesar-Verschlüsselung und die Vigenère-Verschlüsselung erklärt.

Pause gibt es für alle

Nach mehreren Stationswechseln wäre nun eine Pause angesagt, doch einige sind noch nicht zum Ende gekommen. „Ich verzichte auf die Pause“, ruft ein Schüler, der lieber noch mal die Kugel mit seinen Gedanken steuern möchte. Aber keine Chance: 15 Minuten Pause gibt es auch für ihn.

Nach einer kurzen Pause geht es in den oberen Teil des Trucks. Hier stehen die Arbeitswelt und die Veränderungen im Fokus, die die Technik in unserer Art zu arbeiten auslöst und auslösen wird. Ein Highlight auf dieser Etage: zwei VR-Brillen, mit denen die Kinder in einen virtuellen Raum eintauchen. Die Orientierung fällt da zunächst schwer. Hinzu kommen Herausforderungen in der echten Welt: Denn die Kabel, in denen man sich verheddern kann, sieht man durch die Brille nicht.

Auch die Steuerung eines Roboters mittels Befehlszeilen ist ein Highlight. Den Roboter dazu zu bringen, einen Plüsch-Goldbären in eine Kiste zu legen, stellt sich aber als gar nicht so leicht heraus.

Am Ende fragt Coach Leonie Fritsch noch mal in die Runde, was den Schülerinnen und Schülern am besten gefallen hat. Die VR-Brille wird häufig genannt, aber die Gedankensteuerung scheint den Jugendlichen eindeutig am besten gefallen zu haben. Häufigste Meinung: Das praktische Ausprobieren ist etwas, was sie im Unterricht vermissen und im Truck so richtig genießen konnten. Somit kommen alle einstimmig zu dem Schluss, dass ihnen der Besuch im „TouchTomorrow“-Truck richtig gut gefallen hat – und das, obwohl es an diesem Tag eigentlich Hitzefrei geben sollte.

Dieser Artikel entstand in Kooperation mit unserem Projektpartner Dr. Hans Riegel-Stiftung.