G8 oder G9, Schwerpunktschule oder Inklusive Ganztagsgesamtschule? Politik und Schüler sind in NRW nicht immer auf einer Wellenlänge.

Von Nellie Bär

Im Schuljahr 2005/2006 hat die schwarz-gelbe Landesregierung eine Verkürzung der Schulzeit von 13 auf 12 Schuljahre bis zum Abitur eingeführt. Bei Eltern und Schülern formierten sich Widerstände, dennoch haben die rot-grünen Nachfolger das Turbo-Abi beibehalten. Nun legt die neue schwarz-gelbe Regierung den Rückwärtsgang ein und plant ab Herbst 2019 die Rückkehr zu G9.

Die Frage, ob nach 12 oder 13 Schuljahren Abitur gemacht werden soll, ist immer noch top-aktuell. „G8 fanden wir nicht gut, G9 ist aber auch nicht gut“, sagt Daniel Rosenkaymer aus Krefeld, Vorstandsmitglied der Landesschülervertretung (LSV) NRW. Der Vorschlag der Schülervertreter: das Flexi-Abi und die komplette Auflösung des mehrstufigen Schulsystems, wie es heute besteht. „Schüler sollten die Möglichkeit haben, selbst zu entscheiden, in welchem Zeitraum sie die Schule beenden möchten – sei es bereits nach acht oder neun, oder erst nach zehn oder elf Jahren.“

Neues Streitthema Inklusion

Ein anderes großes Thema für die Schüler in NRW ist die Inklusion. Zum Schuljahr 2017/2018 sind in NRW 75.675 Schüler mit Behinderung an den landesweit 375 Förderschulen angemeldet. 51.185 behinderte Schüler gehen mit nicht-behinderten Kindern in eine Klasse. Dies entspricht einer Inklusionsquote von 43 Prozent, drei Prozentpunkte mehr als im vergangenen Schuljahr. Die Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) möchte den gemeinsamen Unterricht für behinderte und nichtbehinderte Kinder künftig vor allem auf Schwerpunkt-Schulen konzentrieren.

Die LSV plädiert dagegen für eine neue Schulform: die Inklusive Ganztagsgesamtschule (IGGS). Hier sollen alle, mit den unterschiedlichsten individuellen Voraussetzungen – zum Beispiel Behinderungen, Herkunft, Begabungen oder Schwächen – und mit den im Vordergrund stehenden, einzelnen Bedürfnissen der Schüler gemeinsam lernen. „Bildung für alle heißt, dass alle Schüler mitgenommen werden“, sagt Daniel Rosenkaymer

Das drängendste Problem, das alle schönen Ideen auf den Prüfstand stellt, ist jedoch der Lehrermangel: Von den zur Verfügung stehenden Stellen für alle Schulformen konnten zu Beginn des neuen Schuljahres in Nordrhein-Westfalen bisher nur knapp 53 Prozent besetzt werden, 2.140 Lehrerstellen bleiben unbesetzt.