David Sogoan spielt Geige. Nicht nur einfach als Hobby, sondern mit dem Traum einmal Berufsmusiker zu werden. Im Interview spricht er über „Jugend musiziert“ und seine besondere Begabung, das absolute Gehör.
Von Cosimo Nelting

Ende Januar gewann der 14-jährige Geigenkünstler David Sogoan den ersten Preis in der Kategorie „Violine Solo“ beim Regionalwettbewerb Bochum/Herne von „Jugend musiziert“. Auch außerhalb von Wettbewerben wie diesem überzeugt er bei seinen Auftritten mit seinem überragenden Ausdruck. Ich habe ihm ein paar Fragen, unter anderem zu seinem absoluten Gehör, gestellt.

Wie lang spielst du nun schon Geige?

Eigentlich seit ich fünf bin, da habe ich leicht angefangen. Bei uns in der Kirche ist ein Mann, der immer den Gottesdienst begleitet hat, und den habe ich irgendwann gefragt, ob er mir das beibringen kann. Und richtig professionellen Unterricht, also zwei Mal in der Woche und manchmal auch noch Workshops, bekomme ich seit drei Jahren.

War das der Grund, warum du angefangen hast, Geige zu spielen?

Mit vier Jahren habe ich ein Konzert von André Rieu, das ist ein berühmter Geiger, gesehen. Und das hat mich so beeindruckt, dass ich gesagt habe: „Ok, Mama und Papa, ich möchte Geige spielen“. Das hat sich dann ein Jahr so gezogen, denn meine Eltern haben das damals noch nicht ganz so ernst genommen. Und nach einem Jahr habe ich dann den Gottesdienstbegleiter gefragt, ob er mir das Geige spielen beibringen kann. Der ist daraufhin zu meinen Eltern gegangen und hat gesagt: „Kommt, ich bring ihm das bei“. Und zu einer richtigen Geigenlehrerin bin ich mit sechs gegangen.

Hast du ein musikalisches Idol?

Also ursprünglich habe ich mir vorgenommen, mich so ähnlich wie David Garret weiterzuentwickeln, denn ich war schon immer fasziniert von dem großen Spiel, das er gespielt hat.

Wenn du erwachsen bist, möchtest du dann Musiker werden?

Ja. Also ich möchte jetzt das Musikspiel ausbauen und dann, wenn ich sechzehn bin, mich als Jungstudent an der Hochschule, im besten Fall in Köln, bewerben, um mich dort weiter zu entwickeln und im allerbesten Fall dann im Orchester als Berufsmusiker zu spielen.

Du hast vorhin ja Workshops erwähnt, spielst du denn auch in einem Orchester?

Ich bin noch bei uns in der Musikschule bei einem Dirigenten, der leitet verschiedene Orchester und zwar einmal das Jugendsymphonieorchester in Witten, da spiele ich mit. Und andererseits dann noch in einem etwas kleineren Orchester, wo ich mit ein paar Anderen aus dem Symphonieorchester aushelfe.

Du hast ja nun ein weiteres Mal „Jugend musiziert“ gewonnen. Hast du dafür deutlich mehr geprobt als sonst?

Ich habe vor einem halben Jahr, also im Juli, angefangen, die Stücke zu üben, habe sie weiterentwickelt und jetzt seit November oder Dezember habe ich mich dann richtig intensiv daran gesetzt. Verschiedene Bekannte von mir, die auch Geige spielen, haben sich das angehört. Auch bei einem Workshop, der vom Rotary Club gesponsert wurde, haben wir das geübt und dadurch ist es dann natürlich auch intensiver geworden. In den letzten Wochen hatte ich dann auch mehrere Tage pro Woche Unterricht.

Hast du vor in der nächsten Zeit noch an anderen Wettbewerben teilzunehmen?

Ich habe mir das Ziel gesetzt, Jugend musiziert so gut wie möglich weiter zu spielen, bis ich irgendwann raus bin und dann mache ich erst einmal eine kleine Pause.

Hast du ein Lieblingsstück auf der Geige?

Ein Lieblingsstück… Also eigentlich nicht so richtig, aber es gibt eins, das mir besonders gefällt, aber es gibt halt viele sehr schöne. Das eine jedenfalls habe ich schon vor etwas längerem gespielt und zwar das Präludium und das Allegro von Fritz Kreisler.

Wenn du in deiner Freizeit Musik hörst, dann manchmal auch Geigenmusik?

Ja oft! Ich höre mir ab und zu auch meine eigene Musik an, um das ein bisschen zu vertiefen. Aber auch verschiedenes, nicht unbedingt nur Klassik auch modernere Musik.

Was tust du, wenn du gerade nicht Geige spielst?

Verschiedenes, also neben der Schule treffe ich mich öfter mit Freunden, gehe raus, fahre Fahrrad und so etwas. Ich zocke auch gerne am Computer, aber das darf ich leider nur am Wochenende und an Feiertagen, wenn ich grad nicht Schule habe. So etwas eben.

Ich habe erfahren, dass du das absolute Gehör hast. Wie genau ist das? Wenn ich jetzt einen Ton machen würde, könntest du mir dann sagen, welche Note und welche Tonart das ist?

Ja, so ziemlich. Wenn du jetzt also einen Ton selber singst, oder wenn zum Beispiel ein Auto hupt, dann kann ich dir ganz genau sagen, das war die und die Note. Wenn das Auto zwei verschiedene Töne hupen würde, dann kann ich auch sagen, das war die und die Terz. Es ist sehr interessant, denn man nimmt wirklich alle Geräusche als Töne wahr und man kann es genau rausfiltern. Auch bei Dingen wie Rasenmähern kann ich die Tonart bestimmen. Es ist sehr interessant, aber teilweise auch ein bisschen anstrengend.

Wie hast du das entdeckt, dass du so genau die Töne bestimmen kannst?

Der Dirigent aus meinem Orchester hat eines Tages gesagt: „Ok David, komm, ich setze mich ans Klavier und spiel’ was und du musst mir dann sagen, welche Töne ich spiele“. Dadurch wollte er herausfinden, ob ich das kann oder nicht. Und ich konnte das eben, konnte sagen, welche Töne und welche Dreiklänge er gespielt hat. Und daraufhin hat er eben gesagt: „David, du hast das absolute Gehör“. So habe ich das herausgefunden. Aber ich habe schon sehr früh, als ich angefangen habe, hauptsächlich nicht nach Noten sondern nach Tönen gespielt. Ich habe mir das Stück, nachdem ich die Noten bekommen habe, im Internet angehört und dann rein nach Gehör gespielt.

Davids nächster Auftritt ist am 17. Februar um 16 Uhr im Anneliese-Brost-Musikzentrum Ruhr in Bochum. Dort tritt er beim Konzert der Preisträger von Jugend musiziert auf.