Im Rahmen der Berufsfelderkundung besuchte ich Kantorin Liesa-Verena Forstbauer. Sie arbeitet in der ev. Kirchengemeinde Plettenberg als Kirchenmusikerin.
Von Annika Götzen, Klasse 8a, Rivius Gymnasium Attendorn

Damit ich Sie auch korrekt ansprechen kann, wie ist Ihre genaue Berufsbezeichnung und haben Sie so etwas wie einen Titel?

Die korrekte Bezeichnung wäre Kantorin oder Kirchenmusikerin.

Frau Forstbauer, ich spiele Fagott, Blockflöte und Querflöte, auch ein bisschen Gitarre und bald lerne ich noch Klavier. Welche Instrumente beherrschen Sie alle?

Ich habe angefangen mit Blockflöte, dann Klavier, dann Trompete, dann Orgel und der Gesang kam auch noch hinzu.

Welche Ausbildung oder welches Studium haben Sie absolviert und wo?

Ich habe in Herford an der „Hochschule für Kirchenmusik“ Kirchenmusik studiert.

Bevor es ans Studium ging, wie viel Musik machten Sie schon während Ihrer Schulzeit?

Ich habe Klavierunterricht genommen, im Jugendchor der Katholischen Gemeinde gesungen, Trompete im Posaunenchor gespielt und Orgelunterricht bekommen.

Wie haben Sie sich auf Ihr Studium vorbereitet und wie lange hat es insgesamt gedauert?

Vor dem Studium habe ich einen zweijährigen C-Kurs gemacht und insgesamt hat das Studium etwa vier bis fünf Jahre gedauert.

Für die „Große Vielharmonie“, dem Orchester meiner Schule, musste ich eine Aufnahmeprüfung machen und ein schwieriges Stück vorspielen. Hatten Sie solche Prüfungen auch schon ein Mal und wie lief das dann ab?

Um an der Hochschule angenommen zu werden, musste ich eine Aufnahmeprüfung machen und habe bestanden!

Aus welchen Teilen bestand Ihr Studium? Hatten Sie praktischen Instrumental-Unterricht oder mussten Sie viel Theorie lernen?

Mein Studium bestand aus sehr viel praktischem Instrumental-Unterricht, da ich Orgel-, Trompeten-, Klavier-, und Gesangsunterricht hatte. Außerdem hatte ich Gehörbildungsunterricht. Chorleitung hatte ich auch noch. Da habe ich gelernt, wie man richtig dirigiert. Dazu kam noch Bibelkunde, Gesangbuchkunde und noch ein wenig kirchliche Rechtskunde.

Sind Sie mit dem Studium eine fertige Musikerin, oder nehmen Sie auch jetzt immer noch an Weiterbildungen Teil und welche interessieren Sie am meisten?

Mit dem Studium bin ich eine fertige Musikerin. Doch man sollte weiterhin an Fortbildungen teilnehmen, da man sich ja immer noch weiterbilden kann. Mich interessiert zum Beispiel Band-Leitung sehr und zu lernen, auf Afrikanischen Trommeln zu spielen. Und alles was mit Gesang zu tun hat.

„Die extremsten Fälle sind der Frühgottesdienst am Ostersonntag um sechs Uhr und der Spätgottesdienst am Heiligabend bis 24 Uhr.“

Liesa-Verena Forstbauer über die Arbeitszeiten einer Kantorin

Wir waren schon auf der Orgelempore und sitzen jetzt hier bei Ihnen im Arbeitszimmer. Welche Arbeitsbereiche haben Sie zurzeit hier in der Kirchengemeinde noch?

Ganz viel Schreibtischarbeit, Chorleitung im Gemeindehaus oder man sitzt beim Pfarrer und plant verschiedene Dinge, bei denen man mitwirkt.

Das hört sich nicht danach an, als ob Sie morgens um acht beginnen und um fünf Uhr Feierabend haben. Wie sind denn Ihre Arbeitszeiten?

Bei mir ist es ganz unterschiedlich. Manchmal kann es sein, dass ich morgens um acht Uhr einen Schulgottesdienst spielen muss oder um neun Uhr gibt es schon eine Dienstbesprechung. Beerdigungen sind um 14 Uhr. Am Nachmittag kann es dann auch sein, dass ich Trompetenunterricht gebe oder es noch eine Besprechung gibt. Außerdem habe ich fast jeden Abend eine Chorprobe. Samstags übe ich für die Gottesdienste und spiele Orgel bei Hochzeiten. Sonntags und an allen Feiertagen habe ich meistens zwei Gottesdienste hintereinander, in denen oft auch mein Chor singt oder mein Posaunenchor spielt. Die extremsten Fälle sind der Frühgottesdienst am Ostersonntag um sechs Uhr und der Spätgottesdienst am Heiligabend bis 24 Uhr.

Welches Kirchenlied können Sie nicht mehr hören?

In letzter Zeit hatten wir das Lied ,,Ich lobe meinen Gott von ganzem Herzen“ wirklich sehr oft im Gottesdienst und habe dann gesagt, dass ich jetzt gerne auch mal etwas anderes spielen beziehungsweise singen möchte. Das liegt nicht am Inhalt des Liedes, sondern es ist gut, wenn es auch Abwechslung bei den Liedern gibt.

Und wenn es mal ein neues Stück zu erlernen oder üben gibt, machen Sie das dann zu Hause oder alleine in der Kirche? Ist das nicht gruselig?

Man muss regelmäßig neue Orgelstücke üben, weil man ja nicht immer dieselben Lieder spielt und dies tue ich dann zu Hause. Gruselig finde ich es alleine in der Kirche nicht, weil ich hinter mir immer abschließe und ich genieße das dann eher, wenn ich alleine dort oben sitze und übe.

Wenn Sie auch einen Chor leiten, müssen Sie dann auch selber gut singen können? Und wie geben Sie als Frau eigentlich den Männern im Bass den Ton an?

Man sollte selber gut singen können, weil man auch etwas vorsingen muss, damit die anderen hören, wie das zu klingen hat. Ich würde den Ton für die Bässe dann eine Oktave höher singen.

Sie haben von einem Gemeindemusical erzählt. 120 aktive Künstler betreuen Sie doch sicher nicht alleine. Wer hilft Ihnen denn alles dabei?

Es gibt ein Team, die alle ihre Bereiche dazu haben. Zwei sind für das Schauspiel zuständig, zwei, die mit den Tanzkindern den Tanz einüben, dann noch welche für die Requisiten, einer übt mit der Band und eine Kollegin hilft mir, die Lieder mit dem Chor einzustudieren. Insgesamt sind wir ein Team von ungefähr zwölf Leuten. Die meisten machen das ehrenamtlich.

Schnellfrage-Runde

Lieber Kirchenbank oder Orgelbank?

Orgelbank

Auf der Orgel lieber Mozart oder „Rock und Pop“?

„Rock und Pop“

Privat lieber klassisch oder modern?

Modern

Lieber Männerchor oder Kindermusical?

Kindermusical

Lieber Dur oder Moll?

Dur

Orgelspielen auf Socken oder mit Schuhen?

Mit Schuhen

Vor dem Weihnachtsgottesdienst: aufgeregt oder tiefenentspannt?

Relativ entspannt

Wenn ich nicht Organistin geworden wäre, dann vielleicht…

…irgendwas mit malen, gestalten oder Räume einrichten (Innenarchitektin)

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