Mit teilweise diskriminierenden Texten auf Deutsch wird Rap nicht nur beliebter bei Jugendlichen, sondern auch zugänglicher. Welche Gefahren birgt das?
Von Ioannis Papastergiou, Klasse 9a, Heilig Gymnasium Hamburg

Seit über zwei Jahrzehnten gewinnt ein Musikgenre, insbesondere bei jungen Menschen, zunehmend an Popularität und hat mittlerweile seinen festen Platz in den Charts eingenommen: Die Rede ist vom Gangsta-Rap. Zunächst machten internationale Größen wie Eminem, 50 Cent oder Snoop Dogg, durch ihren englischsprachigen Gangsta-Rap weltweit auf sich aufmerksam und prägten den Erfolg dieses Musikgenres.

Die Szene hat sich jedoch verändert und in Deutschland haben sich auch deutschsprachige Interpreten etabliert. Die Folge daraus ist, dass die Songtexte für junge Menschen, die die englische Sprache noch nicht beherrschen, wesentlich zugänglicher geworden sind. Die Jugendlichen und Kinder verfügen über das volle Verständnis des Vokabulars. Auch eine Umfrage unter Schülerinnen und Schülern des Heilwig-Gymnasiums in Hamburg bestätigt die Beliebtheit dieser Musikrichtung unter ihnen: Von 50 befragten Gymnasiasten in der Altersstufe sechs bis neun gaben 34 an, sie hörten regelmäßig Interpreten wie Kollegah oder Farid Bang.

Zu leiden haben immer Minderheiten

Angesichts des Echo-Skandals um diese beiden Rapper im vergangenen Jahr kann man sich jedoch die Frage stellen, ob ein derart populäres Musikgenre sich für junge Menschen nicht doch als eine neuzeitliche Auflage des Rattenfängers von Hameln entpuppt.

Ein wesentlicher Kritikpunkt ist die oftmals unangemessene oder sogar beleidigende Sprache gegenüber „Minderheiten“ wie etwa Frauen, Homosexuellen oder Anhängern gewisser Glaubensrichtungen. An dieser Stelle wird häufig eingewendet, dass die Benutzung dieses Vokabulars im Rahmen der Kunst und künstlerischen Freiheit liege. Im Zeitalter nahezu unbegrenzter Kommunikationsmittel – hierunter fallen Plattformen wie Facebook, Instagram oder Twitter – findet man aber viele Beispiele, wie Menschen ihr Recht auf Meinungsfreiheit missbrauchen.

„Jugendliche aus sozial schwächeren Verhältnissen identifizieren sich mit einigen Rappern.“

Nico Hartung, Rap-Pädagoge, über die Gefahren von deutschem Gangster-Rap

Diskriminierung ist nicht gleich Meinungsfreiheit

Insbesondere hier wäre eine stärkere Differenzierung der Begriffe „Meinungsfreiheit“ und „Diskriminierung“ notwendig. Ein Beispiel dafür ist der Ausschnitt einer Strophe aus dem Stück „0815“ von Kollegah und Farid Bang. Dort heißt es „Mein Körper definierter als von Ausschwitzinsassen“. Mit ihrem neuen Album gewannen sie sogar den Echo Preis 2018.

Doch diese Aussage reißt nicht nur alte Wunden wieder auf, die deutsche Bevölkerung – insbesondere Jugendliche und Kinder – verlieren so die Sensibilität für dieses Thema. Sollte die nächste Generation mit solchen Vorstellungen oder gar Vorbildern aufwachsen? Stößt man nicht hier schon längst auf die Grenzen von Kunst?

Diskriminierendes Verhalten wird nachgeahmt

Hinzu kommt, dass Jugendliche, vor allem jene aus sozial schwächeren Verhältnissen, sich mit einigen Rappern identifizieren und in deren Zeilen Trost und Inspiration finden, wie der Rap-Pädagoge Nico Hartung in einem Interview über die Wirkung von Rapmusik berichtet. Darin beschreibt er, dass Jugendliche Rap auch als Ausdrucksmöglichkeit sehen würden. Nichtsdestotrotz kommt es immer wieder zu Nachahmung verbaler Angriffe, bis hin zu und körperlichen Übergriffen.

Sicherlich ist der deutsche Gangsta-Rap kein Hauptauslöser für diese Entwicklung. Jedoch birgt das Genre das Potenzial, durch seine provokanten Liedtexte Impulse für problematisch motiviertes Verhalten zu generieren.

Deutsch-Rap aus Gruppenzwang

In der oben genannten Umfrage im Heilwig-Gymnasium zeichnete sich zusätzlich die Problematik ab, dass sich das Hören von Gangsta-Rap in betreffenden Peers zu einem Zwang entwickelt hat. Ähnlich wie es sich mit dem Konsum von Alkohol und Zigaretten verhält, besteht auch im Zusammenhang mit Deutsch-Rap eine Verbindung zwischen dem Dazugehörigkeitsgefühl und dem Mitmachen des Trends

Ich finde allerdings, vielmehr als wir Jugendliche haben die betreffenden Künstler selbst eine Verantwortung, ihr Handeln eingehender zu reflektieren, um für zukünftige Generationen eine bereichernde Inspiration zu sein. Denn durch ihre Werke können sie vor allen junge Generationen in ihrem Denken und Handeln beeinflussen

Beitragsbild: Goh Rhy Yan via Unsplash