750 Jahre Hamburg Osdorf – hinter den Kulissen des Spektakels

Wohnblock in Hamburg Osdorf (c) imago/ wrongside pictures
Der Hamburger Stadtteil Osdorf feierte kürzlich sein 750-jähriges Jubiläum. Hier erfahrt ihr wie die Stadt das Spektakel vorbereitet hat.
Von Maja Müller, Klasse 8a, Lise-Meitner-Gymnasium Hamburg

Autos rasen über die Straße. Die Menschen eilen gehetzt zu ihrer Arbeit. Häuser, die bis in den Himmel ragen, reihen sich aneinander. Hier, im Hamburger Stadtteil Osdorf, ist die Großstadt mit all ihrem unglaublichen Lärm und der beängstigten Enge angekommen. Oder?

Nein, noch nicht überall! An manchen Stellen blitzen reetgedeckte Fachwerkhäuser auf, die an die alte Zeit erinnern. Diese stillen Zeitzeugen erzählen die Geschichte eines Stadtteils, die vor genau 750 Jahren begann.

Kurz vor Pfingsten 2018, liefen die Vorbereitungen für die Feier zu diesem besonderen Jubiläum auf Hochtouren. Viele Vereine, Schulen und Firmen bereiten schon seit zwei Jahren eine Festwoche mit Veranstaltungen wie Vorlesungen, Wanderungen oder einem Musical vor. Denn im Jahr 1268 wurde das kleine Bauerndorf Oslevesthorpe erstmalig erwähnt.

In der langen Geschichte erhielt das stetig wachsende Dorf immer mehr Bedeutung und wurde dann 1927 nach Altona eingemeindet. Mit Herrn Langeloh, dem Enkel des letzten Bürgermeisters Osdorfs, bin ich im Heidbarghof, dem 1862 gebauten Gemeindehaus, verabredet.

In seinem Büro prallen die Welten aufeinander: Neben dem vollen Schreibtisch mit Computer steht ein antiker Kachelofen und schwere Holztruhen, die mir sehr alt und wertvoll vorkommen. Er selber setzt sich mit Herzblut für den Heidbarghof ein und hilft bei der Planung der Feier. Besonders das geplante Musical, das die Entstehung Osdorfs darstellen soll, liegt ihm am Herzen.

„Zur 700-Jahr-Feier 1968 sollte auch schon ein Theaterstück aufgeführt werden. Das ist dann nicht zustande gekommen. Da dachte ich, dann machen wir das jetzt nochmal“, sagt Herr Langeloh. Daraus ist dieses Jahr endlich etwas geworden. Auch Schüler des Lise-Meitner-Gymnasiums spielen mit. Sie verkörpern nicht nur glückliche Zeiten unseres Dorfes, sondern spielen auch zum Nachdenken anregende und dramatische Szenen.

So stellen sie zum Beispiel eine gruselige und trotzdem nicht ganz realitätsferne Zukunft dar, in der die armen Osdorfer ohne eigene Persönlichkeit für die besser Situierten schuften müssen. Damit sich so ein schreckliches Szenario in unserem Dorf nicht abspielen wird, müssen alle zusammenhalten und an einem Strang ziehen.

Das Musical versucht, diese dörfliche Gemeinschaft zu verdeutlichen, in der alle für einander da sind. Der Autor und Regisseur Herr Ponader formuliert es sehr treffend: „Es ist ein Plädoyer, den Gedanken ‚Dorf’ überall zu leben, wo Menschen zusammen sind“.

Der Stadtteil geht mit gutem Beispiel voran, da sich für die Aufführung ein Chor von Null bis 80 Jahren aus engagierten Bürgern zusammengefunden hat. Herr Langeloh wird selber mitsingen, da er meint, es wären viel weniger Männer als Frauen dem Chor beigetreten.

Trotzdem ist es schön, dass sich viele Menschen gemeldet haben, um das Festzelt aufzubauen oder bei anderen Vorbereitungen zu helfen. „Ein Problem ist heute leider auch, dass sich immer weniger Leute ehrenamtlich engagieren“, hat Herr Langeloh zu bemängeln. „Vielleicht ändert sich das nochmal“, ergänzt er optimistisch.

Hoffentlich, denn wer weiß sonst, wie das nächste Jubiläum gefeiert werden soll – in 50 Jahren. Ich freue mich schon auf 2068. Wie der schützenswerte und abwechslungsreiche Stadtteil dann wohl aussehen mag?

Beitragsbild: imago/ wrongside pictures

Du willst mehr? Du bekommst mehr!

Von Reinickendorf bis Bochum, von Fulda bis Ottensen – überall schreiben Schülerinnen und Schüler Artikel über das, was um sie herum passiert. Jeder und jede aus ihrer eigenen Sichtweise, mit eigener Meinung und eigenem Schwerpunkt. Bei all den Unterschieden eint sie, dass sie mit ihrer Klasse an MEDIACAMPUS teilnehmen, dem medienpädagogischen Projekt der Funke Mediengruppe. Das erlernte Wissen wenden sie dann praktisch an, indem sie erste journalistische Texte schreiben. Auf funky können sie die Früchte ihrer Arbeit präsentieren.