{"id":64803,"date":"2026-04-14T09:24:29","date_gmt":"2026-04-14T07:24:29","guid":{"rendered":"https:\/\/funky.de\/braunschweiger-zeitung\/2026\/04\/14\/schulsozialarbeit-wie-werden-belastete-jugendliche-begleitet\/"},"modified":"2026-05-07T11:23:25","modified_gmt":"2026-05-07T09:23:25","slug":"schulsozialarbeit-wie-werden-belastete-jugendliche-begleitet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/funky.de\/braunschweiger-zeitung\/2026\/04\/14\/schulsozialarbeit-wie-werden-belastete-jugendliche-begleitet\/","title":{"rendered":"Schulsozialarbeit: Wie werden belastete Jugendliche begleitet?\u00a0"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"author\">Arsa Bushi, funky-Jugendreporterin <\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kinder und Jugendliche erleben in ihrem Alltag unterschiedliche Belastungen \u2013 sei es zu Hause, in der Schule oder in ihrem sozialen Umfeld. Besonders nach schwierigen Ereignissen, bei famili\u00e4ren Problemen oder in Krisensituationen brauchen sie verl\u00e4ssliche Ansprechpartner, die zuh\u00f6ren, unterst\u00fctzen und Orientierung geben. Elvira Habibic ist Schulsozialp\u00e4dagogin. Im Interview erz\u00e4hlt sie, wie die Arbeit mit belasteten Kindern und Jugendlichen aussieht, welche Herausforderungen dabei auftreten und wie sie die Jugendlichen begleitet, damit sie trotz schwieriger Umst\u00e4nde stabil bleiben.\u00a0<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-full is-resized\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/funky.de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Foto-.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-120347\" style=\"width:332px;height:auto\"\/><figcaption class=\"wp-element-caption\">(c) Elvira Habibic<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Liebe Elvira, wie sieht ein normaler Arbeitstag bei Ihnen aus?<\/strong>&nbsp;<br><strong>Elvira Habibic:<\/strong> Gute Frage. Den gibt es eigentlich nicht. Sozialarbeit \u2013 und ganz besonders Schulsozialarbeit \u2013 bedeutet, dass man sich zwar einen Plan macht, wie der Tag ablaufen soll, aber meistens l\u00e4uft es nicht so, wie man morgens in der Schule startet. Sachen, die fest in meinem Stundenplan stehen, sind zum Beispiel Klassenr\u00e4te. Die f\u00fchre ich normalerweise immer durch, au\u00dfer es passiert ein sehr schwerer Notfall \u2013 aber das ist eher eine Ausnahme. Au\u00dferdem habe ich feste Termine und Sitzungen. Wenn ich morgens in die Schule komme, lese ich zuerst meine E-Mails. Da merke ich dann oft schon: Okay, da hat mir vielleicht eine Mutter geschrieben oder Lehrer melden, dass gestern noch irgendetwas passiert ist. Dann k\u00fcmmere ich mich darum. Manchmal geht es um Streit in einer Klasse, manchmal kommt auch ein Sch\u00fcler direkt zu mir, weil es ihm nicht gut geht. Ganz oft muss man sehr flexibel sein und spontan reagieren oder einspringen&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Was ist die Hauptaufgabe von einer Sozialp\u00e4dagogin?<\/strong> &nbsp;<br>Die Hauptaufgabe einer Sozialp\u00e4dagogin in der Schule ist es, f\u00fcr die Sch\u00fcler da zu sein; besonders, wenn sie Probleme haben oder es ihnen nicht gut geht. Ich bin aber auch f\u00fcr die Eltern da. Sie k\u00f6nnen sich an mich wenden, wenn es zu Hause Probleme gibt, die das Kind betreffen. Mein Hauptjob ist aber \u2013 und so sehe ich mich auch selbst \u2013 die Stimme der Sch\u00fcler zu sein. Die Lehrer haben den Bildungsauftrag: Sie bringen den Kindern etwas bei und geben Noten. Ich k\u00fcmmere mich mehr um das soziale Verhalten und um die L\u00f6sung von Konflikten. Der Schwerpunkt meiner Arbeit ist Beratung bei Problemen. Wenn Kinder Sorgen haben, k\u00f6nnen sie zu mir kommen und dar\u00fcber sprechen. Wenn zum Beispiel ein Sch\u00fcler l\u00e4nger nicht zur Schule kommt, mache ich auch Hausbesuche. Dann schaue ich: Geht es dem Kind gut? Wie lebt es zu Hause? Warum kommt es nicht zur Schule? Danach versuchen wir gemeinsam, eine L\u00f6sung zu finden und daran zu arbeiten.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Sie betreuen ja Kinder, die sozial belastet sind \u2013 zu Hause oder in der Schule. Gibt es bestimmte Anzeichen, bei denen Sie sofort merken, dass es einem Kind nicht gut geht oder dass es gestresst ist?<\/strong>&nbsp;<br>Ja, das kann man oft relativ schnell erkennen, weil viele Kinder ein auff\u00e4lliges Verhalten zeigen. Einige Kinder sind zum Beispiel sehr laut, unruhig oder aggressiv. Sie k\u00f6nnen sich schlecht konzentrieren oder reagieren schnell gewaltt\u00e4tig. Das sind wichtige Anzeichen daf\u00fcr, dass etwas nicht stimmt. Andere Kinder zeigen genau das Gegenteil: Sie sind sehr still, wirken blass und ziehen sich zur\u00fcck. Manche verstecken sich unter Kapuzen oder Jacken und m\u00f6chten am liebsten gar nicht gesehen werden. Es gibt auch \u00e4u\u00dfere Anzeichen, die uns auffallen. Zum Beispiel, wenn ein Kind kein Essen von zu Hause mitbringt oder wenn man merkt, dass es nicht richtig versorgt ist. Manchmal sieht man auch, dass die K\u00f6rperhygiene nicht gepflegt ist, also dass das Kind ungewaschen oder in sehr schmutziger Kleidung zur Schule kommt. Das sind zun\u00e4chst erste Hinweise, bei denen wir aufmerksam werden und versuchen herauszufinden, wie es dem Kind wirklich geht.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Ein Schritt ist ja auch, mit den Kindern zu sprechen. Was machen Sie, wenn ein Kind sich nicht \u00f6ffnen m\u00f6chte?<\/strong>&nbsp;<br>Das ist sehr schwierig. Es kommt immer darauf an, wie alt die Kinder sind. An unserer Schule gibt es f\u00fcr jede Jahrgangsstufe eine Sozialp\u00e4dagogin. Meine Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler sind \u00e4lter, also Klasse 9 und 10, auch Oberstufe \u2013 Klassen 11 bis 13 \u2013 und die IVK-Klasse. Die Sozialp\u00e4dagoginnen f\u00fcr die Klasse 5 arbeiten da noch ein bisschen anders als ich. Bei mir biete ich immer wieder an, dass die Kinder mit mir sprechen k\u00f6nnen. Wenn sie das nicht wollen, muss man das auch akzeptieren \u2013 man kann niemanden zwingen. In solchen F\u00e4llen versuche ich trotzdem, mit den Eltern oder der Betreuung zu sprechen, um zu zeigen, dass ich mir Sorgen mache. Bevor ich ein Kind direkt anspreche \u2013 zum Beispiel: \u201eHey, du siehst nicht gut aus\u201c \u2013 muss Vertrauen aufgebaut werden. Ich mache das zum Beispiel, indem ich regelm\u00e4\u00dfig am Unterricht teilnehme oder emotionale Themen bespreche. Jede Woche arbeite ich in meinen vier Klassen zum Beispiel mit Gef\u00fchlskarten: Jeder zieht eine Karte und sagt, wie er sich f\u00fchlt. Dadurch bekomme ich oft schon erste Hinweise: Manche Kinder sagen zwar \u201eMir geht es nicht gut\u201c, wollen aber nicht direkt dar\u00fcber sprechen. Dann biete ich immer an, dass wir in der Pause reden k\u00f6nnen. Es geht also darum, Vertrauen aufzubauen. Man darf nicht erwarten, dass ein Kind am zweiten Tag sofort \u00fcber seine Probleme spricht. Bei \u00e4lteren Sch\u00fclern, also in der Oberstufe zwischen 16 und 18 Jahren, kommt das oft von selbst \u2013 die suchen dann selbst das Gespr\u00e4ch.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Haben Sie ein konkretes Beispiel, an dem Sie zuletzt gearbeitet haben?<\/strong>&nbsp;<br>Ich nenne mal einen Fall aus der Oberstufe. Eigentlich habe ich dort schon sehr viele \u00e4hnliche F\u00e4lle erlebt, vor allem bei Depressionen und Angsterkrankungen. Meistens merkt man das im Winter \u2013 den Sch\u00fclern geht es dann schlechter, sie sind verzweifelt und brauchen Unterst\u00fctzung. Oft bin ich nicht die richtige Ansprechperson, weil ich keine Therapeutin bin. Meine Aufgabe ist es, durch Gespr\u00e4che ein wenig Stabilit\u00e4t zu geben und den Sch\u00fclern zuzuh\u00f6ren. Wenn die Probleme sehr stark sind, ist es meistens so, dass eine \u00dcberweisung zum Psychologen n\u00f6tig ist. Ich unterst\u00fctze die Sch\u00fcler dann auch, indem ich weitere Anlaufstellen oder Angebote suche, bei denen sie sich Hilfe holen k\u00f6nnen, um ihre Probleme effektiv zu bearbeiten.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Welche Schritte gehen Sie konkret vor, wenn Sie als Schulsozialp\u00e4dagogin belastete Kinder oder Jugendliche betreuen?<\/strong>&nbsp;<br>Ich habe keinen festen Ablauf, weil jeder Fall und jedes Kind anders ist. Jedes Problem ist unterschiedlich, und das h\u00e4ngt auch stark vom Alter der Kinder ab. F\u00fcr mich als Schulsozialp\u00e4dagogin ist der allererste Schritt immer, Vertrauen aufzubauen. Ich fange klein an, einfach die Sch\u00fcler kennenlernen. Zum Beispiel: Ich versuche, bei Klassen-Ausfl\u00fcgen mit dabei zu sein, mache Witze, erz\u00e4hle etwas von mir, oder bin regelm\u00e4\u00dfig im Unterricht anwesend. Die Kinder sollen mich erstmal als Mensch kennenlernen, keine Angst vor mir haben und verstehen, dass mein Job darin besteht, sie zu unterst\u00fctzen. Bei der Oberstufe (ca. 16\u201318 Jahre) ist das etwas anders: Die Jugendlichen kommen oft von selbst auf mich zu, und das ist schon der erste Schritt. Manchmal sprechen Lehrer mich an, wenn sie sich Sorgen um einen Sch\u00fcler machen, oder Eltern kommen zu mir, um \u00fcber Probleme ihrer Kinder zu reden. Wenn wir dann im Gespr\u00e4ch sind, erz\u00e4hlen die Sch\u00fcler mir von ihren Problemen, und ich h\u00f6re aktiv zu. Ich stelle Fragen und versuche, das Problem genau zu verstehen und zu vertiefen. Ein Beispiel: Wenn ein Sch\u00fcler sagt, dass er im Biounterricht \u201enicht gut Luft bekommt\u201c, versuche ich herauszufinden, warum das so ist. Liegt es an Chemikalien oder Stoffen im Raum? Hat er Konflikte mit dem Biolehrer? Gibt es Streit mit einem Mitsch\u00fcler neben ihm? Ich gehe systematisch den Ursachen nach, um dann passende L\u00f6sungen zu \u00fcberlegen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Sie arbeiten auch mit anderen zusammen? Suchen Sie sich auch Rat?<\/strong>&nbsp;<br>Ja, nat\u00fcrlich arbeite ich mit Kollegen, Lehrern, der Schulleitung und manchmal auch mit den Eltern zusammen. Je nach Schwere des Problems hole ich mir Rat \u2013 zum Beispiel bei meinem Abteilungsleiter oder bei anderen Sozialp\u00e4dagoginnen und Sozialp\u00e4dagogen. Wir machen auch kollegiale Beratung, um zu \u00fcberlegen: Was k\u00f6nnte ich noch tun? Bin ich auf dem richtigen Weg? Wichtig ist dabei: Wir haben alle Schweigepflicht. Ich hole mir immer das Erlaubnis der Sch\u00fcler, bevor ich Informationen weitergebe. Es gibt aber auch F\u00e4lle, in denen Sch\u00fcler Probleme mit Lehrkr\u00e4ften haben. Dann muss ich im Gespr\u00e4ch mit den Kolleginnen und Kollegen handeln, aber immer mit Einverst\u00e4ndnis des Sch\u00fclers. Ausnahmen gibt es nur, wenn das Leben oder die Sicherheit des Kindes gef\u00e4hrdet ist. Wenn ein Sch\u00fcler mir zum Beispiel sagt, dass er sexuell misshandelt wird, muss ich gesetzlich sofort handeln. Jede Form von Lebensgefahr oder schwerer Bedrohung erfordert schnelles Eingreifen und da muss ich unverz\u00fcglich t\u00e4tig werden. Ich muss das Kind sch\u00fctzen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Welche Probleme der Sch\u00fcler haben Sie am h\u00e4ufigsten erlebt? Aus welchen Gr\u00fcnden sind Sch\u00fcler in der Schule oder zu Hause belastet?<\/strong>&nbsp;<br>Ich habe sehr unterschiedliche Probleme bei Sch\u00fclern erlebt. Ich arbeite auch mit den IVK-Klassen (internationale Vorbereitungsklassen). Dort ist die gr\u00f6\u00dfte Belastung, dass viele Kinder und Jugendliche schlimme Erfahrungen auf der Flucht oder in ihrem Heimatland gemacht haben. Sie sind oft traumatisiert. Manchmal vertrauen mir die Sch\u00fcler solche Dinge an, und ich bin oft die einzige Person, die davon wei\u00df. Ein weiteres h\u00e4ufiges Problem ist Absentismus \u2013 dass Sch\u00fcler nicht regelm\u00e4\u00dfig zur Schule kommen. Dann ist es meine Aufgabe, herauszufinden, warum sie fehlen und welche Belastungen dahinterstecken. Es geht darum, die Ursachen zu verstehen, sei es famili\u00e4re Probleme, psychische Belastungen oder Konflikte in der Schule, und dann passende Unterst\u00fctzung anzubieten.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Gab es Momente, an denen Sie als Sozialp\u00e4dagogin gedacht haben: \u201eDa hat meine Unterst\u00fctzung wirklich geholfen\u201c?<\/strong>&nbsp;<br>Nat\u00fcrlich gibt es solche Momente. Zum Beispiel bei Konflikten oder Streitereien, die wir gemeinsam gut l\u00f6sen konnten \u2013 da denkt man schon: Ja, ich konnte helfen. Oder bei den IVK-Sch\u00fclern: Viele kommen aus Kulturen, in denen es als unh\u00f6flich gilt, \u00fcber pers\u00f6nliche Probleme zu sprechen. Wenn sie mir trotzdem vertrauen und sich mir anvertrauen, ist das f\u00fcr mich ein gro\u00dfes Geschenk. Es zeigt mir, dass ich f\u00fcr sie da sein kann und meine Unterst\u00fctzung wirklich ankommt. Ich habe auch F\u00e4lle von Absentismus erlebt, die wirklich schwierig waren \u2013 und dass diese Sch\u00fcler jetzt regelm\u00e4\u00dfig zur Schule kommen, zeigt mir, dass meine Arbeit Wirkung hat. Nat\u00fcrlich gibt es auch Jugendliche in der Pubert\u00e4t, die manchmal gar nicht zuh\u00f6ren wollen. Aber ich hoffe immer, dass sie sich vielleicht in zehn Jahren an meine Worte erinnern und etwas daraus mitnehmen. Ich gehe fast jeden Tag nach Hause mit dem Gef\u00fchl, einen sinnvollen Job gemacht zu haben.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Was motiviert Sie, jeden Tag diesen Job zu machen?<\/strong>&nbsp;<br>Auf jeden Fall meine Sch\u00fcler. Sie sind richtig toll. Ich freue mich, sie zu sehen, und sie freuen sich auch, wenn sie mich sehen. Sie sind meistens sehr freundlich und offen, und das macht den Alltag sch\u00f6n. Die IVK-Sch\u00fcler sehe ich zum Beispiel jeden Tag, und wir freuen uns morgens immer aufeinander. Wir versuchen, eine gute Bindung zueinander aufzubauen, damit sie wissen, dass sie Unterst\u00fctzung bekommen. Nat\u00fcrlich habe ich auch ein tolles Team, mit dem ich zusammenarbeite. Das bringt mir Freude und macht den Job noch erf\u00fcllender.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Was ist das Schwierigste daran? Was k\u00f6nnte vielleicht auch die Wirkung oder den Einfluss bei der Betreuung der Kinder beeintr\u00e4chtigen?<\/strong>&nbsp;<br>Die Arbeit in der Schule ist sehr eng und laut. Es ist oft chaotisch, und das macht es schwer, die Ruhe zu finden, die man f\u00fcr Gespr\u00e4che mit den Sch\u00fclern braucht. Manchmal fehlt der ruhige Raum, in dem man sich mit den Sch\u00fclern zur\u00fcckziehen k\u00f6nnte, um in Ruhe \u00fcber ihre Probleme zu sprechen. Diese Enge und Unruhe k\u00f6nnen die Effektivit\u00e4t der Betreuung nat\u00fcrlich beeinflussen.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Sie haben ja auch ein privates Leben. Wie schaffen Sie es, emotional nicht auszubrennen?<\/strong>\u00a0<br>Ich habe in vielen Bereichen der Sozialen Arbeit gearbeitet und man lernt mit der Zeit den Umgang bzw. auch die Balance zwischen Job und Privatleben zu finden. Am Wochenende mache ich sch\u00f6ne Dinge, treibe Sport, treffe Freunde, die mir Freude bringen. Au\u00dferdem rede ich mich regelm\u00e4\u00dfig mit anderen Sozialp\u00e4dagoginnen und Sozialp\u00e4dagogen und hole mir Rat.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Sieht man mehr Erfolg bei der Betreuung j\u00fcngerer oder \u00e4lterer Kinder? <\/strong><br>Zun\u00e4chst einmal: Was ist Erfolg und wie misst man ihn? Erfolg kann unterschiedlich aussehen. Manchmalist es ein kleiner Schritt, zum Beispiel ein Gespr\u00e4ch zu f\u00fchren. F\u00fcr jemand anderen kann Erfolg bedeuten, ein tolles Zeugnis nach Hause zu bringen. Erfolg in der Betreuung belasteter Kinder und Jugendlicher ist schwer messbar. Ich kann nicht pauschal sagen, dass die Arbeit mit J\u00fcngeren oder \u00c4lteren \u201ebesser\u201c ist, weil das von Fall zu Fall und von Kind zu Kind unterschiedlich ist \u2013 nicht nur vom Alter. Meine pers\u00f6nliche Meinung ist aber: Mit \u00e4lteren Sch\u00fclern finde ich den Zugang oft einfacher. Bei kleinen Kindern gibt es bestimmte Herausforderungen: Sie verstehen vieles noch nicht perfekt, man muss viel \u00f6fter mit den Eltern arbeiten, oft spielerisch oder mit speziellen Methoden, die man bei einem 17-J\u00e4hrigen nicht braucht. Ich habe fr\u00fcher auch mit kleinen Kindern gearbeitet und dort eine gute Bindung aufgebaut, aber ich w\u00fcrde sagen, dass ich pers\u00f6nlich besser mit den Herausforderungen der \u00c4lteren umgehen kann.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>W\u00fcrden Sie den Jugendlichen empfehlen, auch Soziale Arbeit zu studieren und diesen Job zu machen?<\/strong>&nbsp;<br>Ich w\u00fcrde es empfehlen, wenn sie Lust haben, mit anderen Menschen zu arbeiten und anderen Menschen zu helfen. Man muss Leidenschaft und Engagement mitbringen. Das Gute daran ist aber, dass man selbst entscheiden kann, wo man arbeiten m\u00f6chte \u2013 zum Beispiel in der Schule, im Jugendamt oder an anderen Orten \u2013 und ob man lieber mit kleinen oder \u00e4lteren Kindern arbeitet.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Elvira Habibic ist Sozialp\u00e4dagogin. 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