{"id":54729,"date":"2021-05-11T14:11:45","date_gmt":"2021-05-11T12:11:45","guid":{"rendered":"https:\/\/funky.de\/braunschweiger-zeitungsverlag\/2021\/05\/11\/jung-und-politisch-lilli-fischer-cdu-im-interview\/"},"modified":"2021-06-03T10:39:55","modified_gmt":"2021-06-03T08:39:55","slug":"jung-und-politisch-lilli-fischer-cdu-im-interview","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/funky.de\/braunschweiger-zeitung\/2021\/05\/11\/jung-und-politisch-lilli-fischer-cdu-im-interview\/","title":{"rendered":"Jung und politisch: Lilli Fischer (CDU) im Interview"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>In der Beitragsreihe \u201eJung und politisch\u201c m\u00f6chte die funky-Redaktion herausfinden, warum junge Politikerinnen und Politiker parteipolitisch aktiv sind und welche Ziele sie verfolgen. Weiter geht es mit Lilli Fischer (21): \u201eJung, engagiert, motiviert.\u201c \u2013 so lautete ihr Slogan, als sie f\u00fcr die Stadtratswahl in Erfurt kandidierte. Trotz ihrer jungen Jahre wurde sie zur Stadtr\u00e4tin gew\u00e4hlt und arbeitet heute f\u00fcr Mario Voigt in der CDU-Landtagsfraktion. Warum sich Lilli mit den Werten der CDU identifiziert und was sie \u00fcber die Korruptionsvorw\u00fcrfe in ihrer Partei denkt, hat sie uns im Interview erz\u00e4hlt.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<div class=\"author\"> Von Sina Sabo und Knut L\u00f6be, funky-Jugendreporter <\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Steckbrief<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Name:&nbsp;<\/strong><em>Lilli Fischer<\/em><br><strong>Alter:&nbsp;<\/strong><em>21<\/em><br><strong>Partei:&nbsp;<\/strong><em>Junge Union\/CDU<\/em><br><strong>Aktuell:&nbsp;<\/strong><em>Stadtr\u00e4tin in Erfurt, arbeitet in Vollzeit f\u00fcr die CDU-Landtagsfraktion f\u00fcr das Th\u00fcringer Landtagsmitglied Prof. Dr. Mario Voigt<\/em><br><strong>Und sonst:&nbsp;<\/strong><em>Sehr im Wahlkampfgeschehen involviert, hat ihr Studium f\u00fcr ihre Arbeit ausgesetzt<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Nenne drei Begriffe, die du mit deiner Partei assoziierst:&nbsp;<\/strong><br><em>1.<\/em> <em>Stabilit\u00e4t<\/em><br><em>2.<\/em> <em>Glaube<\/em><br><em>3.<\/em> <em>Politische Heimat<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Beschreibe in einem Satz, was deine Partei f\u00fcr dich bedeutet:&nbsp;<\/strong><br><em>Die CDU bedeutet f\u00fcr mich Stabilit\u00e4t und Sicherheit f\u00fcr Deutschland. Ein Deutschland, in dem wir gut und gerne leben.&nbsp;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Erg\u00e4nze die Satzl\u00fccke<\/strong>: <em>Ich m\u00f6chte mit meiner Parteiarbeit \u2026<\/em><br><em>\u2026 entschieden gegen Extremismus vorgehen und mich f\u00fcr ein modernes, offenes und klimagerechtes Deutschland starkmachen.&nbsp;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Beende den Satz:&nbsp;<\/strong><em>Mit meiner Parteiarbeit verfolge ich das Ziel \u2026<\/em><br><em>\u2026 meine Heimat besser zu machen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Wie kam es, dass du so jung in die Politik gegangen bist?<\/strong><br>Ich wollte schon in der Grundschule immer Klassensprecherin sein, bin es dort aber nie geworden. Aber auf dem Gymnasium klappte es dann! (<em>lacht<\/em>) Irgendwann wurde ich dann sogar Sch\u00fclersprecherin \u2013 ein ganz klassischer Werdegang also. 2015 gab es vom&nbsp;Stadtjugendring&nbsp;in Erfurt eine Tagung, bei der es um Jugendbeteiligung ging. Zu der Zeit wurde dieser F\u00f6rderplan allerdings ausschlie\u00dflich von Berufsjugendlichen gestaltet. Da war keine Beteiligung von jugendlichen Sch\u00fclern dabei. Ein Kumpel und ich, wir haben uns daran sehr gest\u00f6rt und daraufhin das Sch\u00fclerparlament in Erfurt gegr\u00fcndet. In dem Zusammenhang bin ich mit der Landessch\u00fclervertretung, den Stadtratsfraktionen und den Parteien drum herum in Kontakt gekommen. Dabei hat sich bei mir dann der Wunsch verh\u00e4rtet, nicht nur Bildungspolitik zu machen, sondern mich auch in der Partei zu beteiligen. So bin ich 2016 im Juni in die Junge Union und dann September in die CDU eingetreten.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Warum identifizierst du dich mit den Werten der CDU?&nbsp;<\/strong><br>Ich war auf einem christlich-humanistischen Gymnasium und wurde christlich erzogen. Glaube spielt f\u00fcr mich eine wichtige Rolle. Ich habe eine sehr pr\u00e4gende Veranstaltung bei der Sch\u00fclerunion besucht, das war die&nbsp;Bundessch\u00fclertagung in Darmstadt. Dort&nbsp;gab es eine Abendandacht. In diesem Moment habe ich gemerkt, dass es Gemeinschaft auch innerhalb einer politischen Organisation im Glaubenssinn gibt. Das hat mich sehr bewegt.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote has-text-align-center\"><p>\u201eWenn wir uns nur auf eine Altersgruppe in der W\u00e4hlerschaft fokussieren, dann sind wir keine Volkspartei mehr.\u201c<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Welchen Herausforderungen begegnest du als junge Person in der Partei?<\/strong><br>Ich werde sehr oft gefragt: \u201eStand dir dein Geschlecht schon mal im Weg?\u201c Ich antworte dann immer: \u201eNein, aber mein Alter.\u201c Das ist mir besonders deutlich geworden, als es um die Listennominierung f\u00fcr die Stadtratswahl ging. Da kam ein Kommentar so nach dem Motto: \u201eWir k\u00f6nnen Frau Fischer nicht auf Platz XY setzen, weil sie unsere W\u00e4hlerschaft nicht abbildet, die ist doch viel zu jung.\u201c In diesem Satz stecken ganz viele Probleme, aber f\u00fcr mich vor allem zwei: Wenn wir uns nur auf eine Altersgruppe in der W\u00e4hlerschaft fokussieren, dann sind wir keine Volkspartei mehr, denn als Volkspartei m\u00fcssen wir alle ansprechen wollen. Der zweite Punkt: Ich habe am Ende allen gezeigt, dass ich die W\u00e4hlerschaft offensichtlich anspreche, weil ich gew\u00e4hlt wurde. Mein Slogan war \u201ejung, engagiert, motiviert\u201c. Ich war die Einzige auf dem Wahlzettel, die vorne eine Zwei im Geburtsjahr stehen hatte \u2013 das hat meines Erachtens auch zum Erfolg beigetragen.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>\u201eDas ist kein Geheimnis. Wir sind an vielen Ecken konservativer als manch einer in der CDU.\u201c<\/p><p><\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Was sind deine drei politischen Herzensprojekte?<\/strong><br>Mein erstes Herzensprojekt ist total kommunal: f\u00fcr Jugendliche, Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler ein lebenswertes Erfurt zu gestalten, in dem man auch gerne nach dem Abschluss bleibt. Ein Erfurt, in dem ich meine Tr\u00e4ume verwirklichen kann, das mir an der Universit\u00e4t mit Ausbildungsstandorten Perspektiven bietet und innovativ ist. Vor allem soll eine gute Gr\u00fcnderkultur in Erfurt gef\u00f6rdert werden. Das ist die Nummer eins. Nat\u00fcrlich meine Heimat, meine Stadt, Erfurt. Die zweite Sache ist: Wir haben einen hohen Lehrermangel und Unterrichtsausfall in Th\u00fcringen. Bei diesem Thema gibt es meines Erachtens noch nicht so das eine Konzept, das mir sagt: \u201eOkay, so k\u00f6nnen wir Lehrer gewinnen.\u201c Die ersten richtigen Schritte sind in Th\u00fcringen mit der Verbeamtung gegangen worden, aber da stellt sich auf der anderen Seite eben auch die Frage: Wie kann ich denn \u00fcberhaupt mehr Sch\u00fcler nach dem Abitur davon \u00fcberzeugen, Lehramt zu studieren? Der Lehrerberuf, der fr\u00fcher sehr angesehen war, hat stark in seinem Ansehen verloren. Was fr\u00fcher eine Einheit aus Eltern und Lehrer war, um gemeinsam das Kind zu f\u00f6rdern, ist heute eine Front gegen die Lehrer. Wir m\u00fcssen da unbedingt etwas f\u00fcr das Image tun. Die dritte Sache betrifft konkreter meine Partei. Ich m\u00f6chte, dass meine Partei moderner, j\u00fcnger und digitaler wird, dass sie sich mehr auf die Themen Europa, Klimaschutz und Demografie fokussiert.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Wie stehst du zu gendergerechter Sprache?<\/strong><br>Ich benutze gendergerechte Sprache nicht. Ich finde aber, das sollte jeder machen, wie er das m\u00f6chte. Ich verstehe den Sinn dahinter, aber mag den \u201egesprochenen Stern\u201c nicht. Wenn, dann sage ich beispielsweise \u201ePolitikerinnen und Politiker\u201c, aber das kommt auch immer auf die Situation an. Ich denke, jeder sollte reden, wie er das m\u00f6chte. Das hat f\u00fcr mich auch mit Freiheit zu tun. Aber genauso m\u00f6chte ich auch nicht, dass mir jemand am Ende eine Vorschrift macht. Mir ist es wichtig, wenn man alle explizit einschlie\u00dfen muss, auch alle Formen zu nennen. Das generische Maskulinum in wissenschaftlichen Arbeiten als High-Standard finde ich absolut in Ordnung.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Die Corona-Krise k\u00f6nnte soziale Ungleichheit mittelfristig noch weiter verst\u00e4rken. Wie kann die Politik deiner Meinung nach f\u00fcr mehr soziale Gerechtigkeit sorgen?<\/strong><br>F\u00fcr mich bedeutet das vor allem, in der Pandemie niemanden zur\u00fcckzulassen. Deswegen habe ich mich auf kommunaler Ebene daf\u00fcr eingesetzt, dass die Bibliotheken \u00f6ffnen. Es braucht Bibliotheken, weil nicht jeder das Geld besitzt, um sich B\u00fccher leisten zu k\u00f6nnen. Das sind Kleinigkeiten, bei denen man auf kommunaler Ebene ansetzen muss, um dann mehr Gerechtigkeit f\u00fcr alle zu schaffen. Wir m\u00fcssen unbedingt eine digitale Grundstruktur schaffen, angefangen beim WLAN. Ich habe oft das Gef\u00fchl, dass man in einer privilegierten Politikerposition die Kleinigkeiten vor Ort vergisst. Ich finde, dass der Bildungsbereich die Grundlage f\u00fcr soziale Gerechtigkeit darstellt. Wir haben in Deutschland keine nachwachsenden Ressourcen. Die gr\u00f6\u00dfte nachwachsende Ressource sind unsere Kinder und ihr Grips.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>\u201eSo begreife ich \u00fcbrigens auch Konservatismus: einen Fortschritt in dem Tempo anzugehen, das jeden mitnimmt.\u201c<\/p><p><\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Besonders junge Menschen sind in den letzten Jahren f\u00fcr das Klima auf die Stra\u00dfen gegangen: Wo positionierst du dich in dieser Debatte und welche Ma\u00dfnahmen braucht es, um die Klimakrise in den Griff zu kriegen?<\/strong><br>Am Anfang habe ich \u201eFridays for Future\u201c (FFF) sehr kritisch betrachtet, \u00e4hnlich wie viele in der Jungen Union. Irgendwann habe ich mir aber die Frage gestellt, wann denn das letzte Mal so viele Sch\u00fcler f\u00fcr etwas auf die Stra\u00dfe gegangen sind. Heute nehme ich die Position ernst, finde es aber schade, dass ein Gro\u00dfteil der K\u00f6pfe der Bewegung Studenten sind \u2013 das macht den FFF-Schulstreik leider f\u00fcr mich etwas kaputt. Die Klimakrise als eine der gro\u00dfen Krisen unserer Generation zu begreifen, finde ich sehr wichtig. Da verstehe ich auch die Kritik, dass die CDU da etwas verschlafen hat. Andererseits frage ich mich, wie wir gleichzeitig aus der Kohle- und der Atomkraft aussteigen sollen, wenn wir wenig K\u00fcste und vor allem kein richtiges Bergland haben. Irgendwie funktioniert das in meinem Kopf noch nicht so ganz. Wir m\u00fcssen die Angst erst nehmen, ich denke aber auch, dass die CDU eine reale Klimapolitik gestalten muss. So begreife ich \u00fcbrigens auch Konservatismus: einen Fortschritt in dem Tempo anzugehen, das jeden mitnimmt. Das bedeutet, du kannst nicht von heute auf morgen alles umstellen. Das ist auch ein Grund, warum ich in der CDU bin.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>\u201eWer es aber nicht verdient hat und sein Asylrecht durch Kriminalit\u00e4t verwirkt, der hat in Deutschland nichts zu suchen.\u201c<\/p><p><\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Die Auswirkungen des Klimawandels werden wir jungen Leute sehr wahrscheinlich noch erleben und damit auch den Klimawandel als Fluchtursache vieler Menschen. Wie bewertest du die Fl\u00fcchtlingspolitik der aktuellen Bundesregierung?<\/strong><br>Ich bin der \u00dcberzeugung, dass es in Deutschland keinen Politiker gegeben h\u00e4tte, der die Fl\u00fcchtlingskrise so gut wie Angela Merkel gehandhabt h\u00e4tte. Sie hat in vielen Punkten zwar aus einer Emotion heraus, aber immer human gehandelt. Ich finde es schwierig, die gesamte Bundesregierung da reinzunehmen, weil sie am Ende die Entscheidungsgebende war. F\u00fcr mich steht im Mittelpunkt, denen Asyl zu geben, die Asyl suchen und brauchen. Wer es aber nicht verdient hat und sein Asylrecht durch Kriminalit\u00e4t verwirkt \u2013 das gibt es, das wissen wir \u2013, der hat in Deutschland nichts zu suchen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Aktuell gab es mit dem Brand in Moria Ereignisse, f\u00fcr die die Bundesregierung kritisiert wurde. Wie stehst du zu dieser Kritik?<\/strong><br>Warum fl\u00fcchten Menschen? H\u00e4ufig, weil westliche L\u00e4nder au\u00dferhalb ihres eigenen Landes einen Krieg verursacht haben. Die Menschen fl\u00fcchten zu Recht. F\u00fcr mich gilt, dass genau diese Menschen, die hier Hilfe suchen, ihre Hilfe bekommen m\u00fcssen. F\u00fcr mich geh\u00f6rt aber auch zur Wahrheit, dass der Satz \u201eWir haben Platz\u201c nur bis zu einem gewissen Punkt stimmt. Wir haben nicht unbegrenzten Platz und vor allem in der Corona-Pandemie keine unbegrenzten Mittel. Ich verstehe auch die Sorgen der Menschen, die auf die Stra\u00dfe gehen, aber genau diese Sorgen m\u00fcssen wir ihnen nehmen. Sie sind h\u00e4ufig unbegr\u00fcndet oder entstehen aus Halbwahrheiten.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>\u201eWir m\u00fcssen vor Ort Ursachen bek\u00e4mpfen.\u201c<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir sind in Deutschland in einer gesellschaftlichen Krise gelandet, die aus Angst um Sicherheit entstanden ist. Weil wir nicht richtig kommunizieren und den Leuten nicht erkl\u00e4ren, warum wir Hilfe leisten, entstehen solche Probleme. Ich m\u00f6chte den Menschen helfen, die in einem brennenden Lager sind. Es gilt zudem auch: Wir m\u00fcssen vor Ort Ursachen bek\u00e4mpfen. Da passiert meines Erachtens zu wenig. Man kann sich nat\u00fcrlich weiterhin dar\u00fcber beschweren, dass Deutschland Waffen liefert, und irgendwann m\u00fcssen diese Kriege zu Ende gehen. Aber auch ohne unsere Waffen l\u00e4uft der Krieg weiter, dann werden sie sich dort andere M\u00f6glichkeiten suchen. Die CDU wird pauschal so dargestellt, als w\u00fcrde das \u201eC\u201c im Namen \u00fcberhaupt nicht mehr gelten. Das stimmt doch nicht. Es ist doch nicht so, als w\u00fcrden wir keine Hilfe leisten wollen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Das Superwahljahr ist gestartet. Bei der CDU zeigt sich ein Abw\u00e4rtstrend, der wohl auch mit den Korruptionsanschuldigungen gegen\u00fcber CDU-Politiker*innen zusammenh\u00e4ngt. Wie kann das Vertrauen der W\u00e4hler*innen zur\u00fcckgewonnen werden?<\/strong><br>Ich finde es sehr \u00fcbel, wenn Menschen aus der gr\u00f6\u00dften Krise nach dem Zweiten Weltkrieg Profit schlagen. Das hat nichts mit christlichen Werten zu tun und ich finde es absolut richtig, dass die Beschuldigten die entsprechenden \u00c4mter niederlegen und aus der Partei austreten. Das ist meine Position. Wir haben in den letzten Monaten zunehmend Kommentare bei Facebook gehabt, in denen stand, die CDU sei eine Korruptionspartei. Jetzt kommt so etwas und best\u00e4tigt diese Leute. Wir stehen als Kommunalpolitiker drau\u00dfen am Wahlkampfstand und d\u00fcrfen uns das in zehn Jahren noch anh\u00f6ren, dabei haben wir nichts gemacht. Das \u00e4rgert mich an der ganzen Debatte: diese 10 Mann von 400.000 Mitgliedern, die Profit aus der Krise geschlagen haben. Ich will das nicht sch\u00f6nreden, aber es sind immer noch 399.990 Leute, die das nicht gemacht haben und sich f\u00fcr die Werte der CDU einsetzten. Die werden es richtig schwer haben im Wahlkampf. Ich finde schade, dass das gerade alles \u00fcberschattet.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>\u201eWer auf die anderen zeigt, darf meines Erachtens selber keine Leiche im Keller haben.\u201c<\/p><p><\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Du hast gerade von 400.000 Mitgliedern gesprochen, von denen nur 10 schuldig sind. Hier geht es doch aber um hohe Positionen und Strukturen in der CDU. Hast du das Gef\u00fchl, in deiner Partei wird wirklich genug unternommen?<\/strong><br>Ich habe mir die Frage gestellt, ob nur meine Partei dieses Problem hat: Geh\u00f6rt das zum Wesensbild der CDUler, dass wir korrupt sind? Ich glaube, dass einen h\u00e4ufig das Mandat dazu macht. Man muss das auch mal anders betrachten. Da fand ich Thomas de Maizi\u00e8re bei Anne Will ganz stark. Wir m\u00fcssen uns von einer Partei sagen lassen, deren ehemaliger Parteivorsitzender und Ex-Kanzler immer noch mit Russland best friend ist und die gleichzeitig einen korrupten Abgeordneten in ihren Reihen duldet, dass wir korrupt sind. Wir werden zu Recht an den Pranger gestellt, aber vielleicht muss man ja auch mal anfangen, sich an die eigene Nase zu fassen. Das betrifft jede Partei, das braucht mir keiner vormachen. Das ist gerade bei uns krass geh\u00e4uft, und ich will davon wirklich nicht ablenken. Aber wer auf die anderen zeigt, darf meines Erachtens selber keine Leiche im Keller haben. Ich glaube nicht, dass es in unserer DNS als CDUler liegt, korrupt zu sein. Machen wir genug dagegen? Das ist die Frage. Da haben wir mit dem Compliance-Papier einen ersten guten Vorschlag gemacht. Eigentlich traurig, dass man so etwas \u00fcberhaupt verabschieden muss, weil das eigentlich ein Grundsatz sein sollte. Dann braucht es vielleicht Richtlinien, die sagen, wenn du dagegen verst\u00f6\u00dft, dann geh\u00f6rst du nicht mehr zur Partei. Ich glaube, dass wir da tats\u00e4chlich aufger\u00fcttelt wurden. Und dass da jetzt viel getan wird.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Es wird \u00fcber die Offenlegung von Nebenverdiensten diskutiert. Wie stehst du dazu?<\/strong><br>Ich finde, es ist absolut legitim, neben dem Job als Abgeordneter Nebeneink\u00fcnfte zu haben. Ein Arzt zum Beispiel muss weiterhin praktizieren, um seine Approbation zu behalten. Da hat er nat\u00fcrlich schon mal hohe Nebeneink\u00fcnfte. Was die Offenlegung der Nebeneink\u00fcnfte angeht, hat die CDU einen guten Vorschlag gemacht: ab 100.000 Euro.&nbsp;100.000&nbsp;Euro sind f\u00fcr einige Menschen sehr, sehr viel Geld, das kann ich verstehen. Wenn du ein Mandat hast und bei einem Unternehmen unterschreibst, muss es aber trotzdem noch eine M\u00f6glichkeit der Geheimhaltung geben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der Beitragsreihe m\u00f6chten wir herausfinden, warum junge Politiker*innen  parteipolitisch aktiv sind und welche Ziele sie verfolgen. <\/p>\n","protected":false},"author":13,"featured_media":54770,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"inline_featured_image":false,"footnotes":"","_links_to":"","_links_to_target":""},"categories":[1,451],"tags":[53,751,15],"class_list":["post-54729","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein","category-insta","tag-interview","tag-jung","tag-politik"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.8 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Jung und politisch: Lilli Fischer (CDU) im Interview - 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